Heimatblätter 32 - Oktober 2012

Heimatblätter


Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.


Nr. 32 
10. Oktober 2012
11. Jahrgang
EP 0,50 Euro




100 Jahre Volksgarten


Tag der Vereine

Höhepunkt im Reigen der Veranstaltungen rund um das 100jährige Jubiläum des Mengeder Volksgartens war der am letzten Sonntag unter Regie des Stadtbezirksmarketings stattgefundene „Tag der Vereine“. Insgesamt waren es 31 ortsansässige Vereine, die sich auf der großen Volksgartenwiese präsentierten und den Besuchern offen Einblicke in ihre Arbeit gewährten und Angebote unterbreiteten. Das traumhaft schöne Wetter trug mit zum Gelingen der Veranstaltung bei. Eine stattliche Anzahl von Besuchern, darunter überwiegend jedoch die zahlreichen Mitglieder der beteiligten Vereine, sorgte für eine gute Stimmung, wenngleich man sich gewünscht hätte, dass im Vorfeld dieses Aktionstages ein wenig offensiver in der Ortspresse für einen Besuch geworben worden wäre.


Siegerehrung für die beste Präsentation am „Tag der Vereine“

Die geballte Präsenz der Vereinsaktivitäten unterschiedlichster Prägung beeindruckte alle Besucher. Ob beim morgendlichen Festtagseinmarsch, an den jeweiligen Besucherständen oder auch auf der Showbühne: Die Vielfalt der kulturellen, sozial-geprägten, heimatverbundenen, sportlichen und sogar karnevalistischen Angebote sprengte alle Erwartungen. Schon toll, wenn es gelingt, auch die oft mehr oder weniger im Verborgenen agierenden Vereine zu animieren, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dass viele Angebote speziell auf die Kinder ausgerichtet waren, die zudem mit einer „Lagerolympiade“ bewegt wurden, jeden der 31 Vereinsstandorte aufzusuchen und eine dort gestellte Aufgabe zu lösen, sorgte für Familienfreundlichkeit. „Friedenspreise“ auch für die zahlreichen Leckereien, die überall angeboten wurden. Ein Glas Bier für einen Euro, das passte! Vom Matjeshering bis hin zum Kuchensortiment, vom türkischen Döner bis hin zur „urdeutschen“ Bratwurst, die Auswahl war gar nicht so einfach zu treffen.

Eine objektive Jury, bestehend aus den beiden Ortsgeistlichen, zwei Vertretern der Volksbank und einem Rechtsanwalt hatte die nicht leichte Aufgabe, die besten Präsentationen zu bewerten. Unangefochtener Sieger und Gewinner eines Schecks über 1000 Euro wurde die DLRG Mengede, die sowohl beim Einzug auf das Gelände mit Rettungsboot und in einheitlicher „Dienst“-Kleidung als auch am Standort mit originellen Ideen (Kasperletheater, Rollbretter usw.) zu gefallen wusste.

Über einen zweiten Preis und immerhin 750 Euro freuten sich die Vertreter des TV Mengede. Sie punkteten in den Augen des Schiedsgerichtes durch die Vielzahl und Originalität ihrer Angebote. Die gelungenen Bühnenauftritte der Aerobicdamen, die Darbietungen der Kampfsportler der Hapkido-Abteilung, aber auch die stationären Mitmachaktionen der Hand-, Volley- und Basketballer und der Gesundheitsabteilung kamen gut an. Für die Kleinsten gab es Luftballons, die größeren Kinder bevorzugten die spektakuläre Baumkletterei, bei der sie, gesichert mit Helm und Seil, die schwindelerregenden Höhen des Volksgartengrüns erreichten.

Die für den dritten Platz ausgelobten 500 Euro teilten sich schließlich sich Mengede 08/20 und TSZ Nette.

Eigentlich hätten alle mitwirkenden Vereine einen Preis verdient gehabt. Die Organisatoren sollten sich im Falle einer möglichen Wiederholung im nächsten oder übernächsten Jahr dazu entschließen, alle Teilnehmer mit einer Mitmach-Prämie zu belohnen, da die eigentliche Attraktion dieses Festes überwiegend in der Wahrnehmung des breiten Vereinsspektrums liegt. Gerade die Interessensgebiete mit begrenzter Öffentlichkeitswirkung, wie zum Beispiel die Briefmarkenfreunde oder der unverwüstliche Max Rehfeld mit seiner Kleinzeche, prägten die Unverwechselbarkeit dieses „Tags der Vereine“.

Carl-Wilhelm Schmälter




Schnadegang 2012


Aus Retourkutsche wurde nichts

Friedlich, schiedlich ging es - wie immer - am Ende auch bei unserem diesjährigen (übrigens bereits neunten) Schnadegang aus. Im Mittelpunkt der humorvoll ausgetragenen Diskussion stand diesmal die Retourkutsche unseres Nachbarvereins Waltrop. Nachdem Paul Gausepohl im vorigen Jahr den Anschluss des Waltroper Ortsteils Leveringhausen an Mengede gefordert hatte, war es dieses Mal umgekehrt: Die Waltroper verlangten einen Teil von Mengede, nämlich Groppenbruch. Ihr Vorsitzender Norbert Frey brachte gute Gründe dafür vor, die aber von Paul Gausepohl, ebenfalls genauso gut begründet, abgelehnt wurden.

Das Streitgespräch, das als fiktive Grundlage für den neunten Mengeder Schnadegangs gedient hatte, fand auf dem Hof Menken/Meininghaus in Schwieringhausen statt.

Die etwa 75 Teilnehmer, die bis auf einige wenige, die wegen des Regens beim Start an der Gaststätte Bramsel in Waltrop (die übrigens früher auch einmal zu Mengede gehört hatte), das Auto vorzogen, hatten da bereits einen zweistündigen Wanderweg hinter sich.

Norbert Frey begründete die Waltroper Besitzansprüche mit der Naturähnlichkeit auf beiden Seiten der Grenze und damit, dass 8 der 20 zum früheren Reichshof Abdinghof in Brockenscheidt (damit heute auf Waltroper Gebiet) gehörenden Höfen in Groppenbruch lagen. „Und diesen Zustand von über 500, 800 Jahren möchten wir wieder hergestellt wissen.“

Als mögliche Druckmittel, um die Ansprüche durchzusetzen, erwähnte Frey eine Verlängerung der Kanalsperrung, die z. Zt. wegen einer Reparatur an der Schleuse in Waltrop besteht, und auch damit, dass ja auch die A 2 über Waltrop führt. Deshalb, so Frey, sollte man „das kleinere Übel wählen, und die Gebiete dem rechtmäßigen Eigentümer Waltrop zurückgeben.“

Paul Gausepohl leitet seine Gegenwehr mit einem Rückblick ein, der bei den alten Germanen begann. Als die Brukterer in unserer Heimat zu Hause waren, hätte es noch keine Grenzen gegeben. Und bereits im Mittelalter - bis zur französischen Gebietsreform im Jahr 1813 - hätten Groppenbruch und Schwieringhausen zur Grafschaft Dortmund und ab 1887 zur stadtähnlichen Freiheit Mengede gehört.


Gausepohls versöhnlicher Vorschlag am Ende seiner „Tour de Force“ an die Waltroper: „Kommt geschlossen aus dem Randlager des Vestes Recklinghausen und des Kreises Unna in die Großstadt Dortmund, und wir haben wieder eine Landschaft zwischen Ruhr und Lippe wie einst unsere Vorfahren.“

Eine friedliche Lösung schlug auch Schlichter Klaus Meininghaus vor. Er erinnerte am Tag der Einheit daran, dass bei der Wiedervereinigung Deutschlands auch Grenzen gefallen seien. In diesem Fall, so riet er, sollte man die Grenzen so lassen, wie sie sind.

Eine andere Entscheidung aber hätte auch nichts geändert, denn Schnadegänge sind seit1841 (wegen der oft damit verbundenen Saufgelage und auch, weil sie durch die erste amtliche Vermessung, die so genannte preußische Landesaufnahme, nicht mehr notwendig waren) verboten. Heute dienen sie nur noch zur Erinnerungen an althergebrachte Gepflogenheiten und Bräuche.

Karlheinz Bohnmann




Gefährdete heimische Wildtiere?


Wo sind unsere Amseln geblieben?

Wiederholt las man in der Presse und im Internet Schlagzeilen wie „Tropisches Usutu-Virus tötet Vögel“, „Wo sind unsere Amseln geblieben?“ und „Usutu-Erreger auch für Menschen gefährlich?“

Besonders unsere heimische Amsel, auch Schwarzdrossel oder wissenschaftlich Turdus merula genannt, was übersetzt nichts anderes als Drossel-Amsel heißt, sollte durch dieses afrikanische Virus zurzeit extrem gefährdet sein. Man vermisse in vielen Gärten die vertraute Vogelart. Die Amsel wird in beiderlei Geschlecht ca. 25 – 28 cm lang. Das Gefieder der Männchen ist schwarz, der Schnabel und die Augenumrandung sind grellgelb. Die Weibchen sind graubraun gefärbt und haben eine grauweiße Brustzeichnung; sie besitzen weder einen gelben Schnabel noch eine gelbe Augenumrandung.

Die Amsel war vor etwa 150 Jahren noch ein Waldvogel. Nun zählt er zu den häufigsten Kulturfolgern. Fast jeder Garten, oft auch kleinste Hinterhof-Grünplätze, werden von ihr besiedelt. Dort findet sie auch an den verschiedensten Orten einen Nistplatz, wo sie zwei bis drei Mal im Jahr ihre vier bis sechs Eier ablegt. Durch diese gute Vermehrungsrate kann die Amsel oft hohe Verluste durch die Freßfeinde Sperber, Elster, Eichhörnchen und mögliches Usutu-Virus ausgleichen.


Amseldarstellung aus einem Schulbuch von 1903


Im Sommer werden überwiegend Würmer und Insektenlarven gefressen und an die Brut verfüttert. Im Winter kann man die Amseln auch in Beerensträuchern „ernten“ sehen.

Wahrscheinlich wurde das Virus mit infizierten Zugvögeln und/oder auch durch Flugzeuge nach Europa gebracht. Das genannte Virus wird zur Sommerzeit durch Mückenstiche übertragen. Weil Usutu-Viren mit dem „West-Nil-Virus“ verwandt sind, schließen Virologen nicht aus, dass es bei entsprechender Verwandlungsfähigkeit auch für Menschen gefährlich werden könnte.

Nach Angaben von Virologen tauchte das Virus 2001 im Wiener Bereich auf. Dort setzte ein Amselsterben ein. Danach wurden auch in Ungarn, Italien und in der Schweiz gleiche Fälle festgestellt. Es erkrankten dort 2009 erstmals mehrere Menschen an Usutu-Fieber, zwei Menschen starben an einer Gehirnentzündung. Davon betroffen waren immunschwache oder ältere Risikopatienten. Da eine Übertragung meist nur durch Mückenstiche ins Blut gelangt, ist die Infektionsgefahr im Winter nicht mehr akut, weil die Mücken unsere kalte Jahreszeit nicht überleben. Gemeldet wird, dass viele österreichische Amseln inzwischen gegen das U-Virus immun geworden sind.

Die Nachricht von den vermissten Amseln in unseren Gärten wurden sicherlich von aufgeschreckten Bürgern fehlgedeutet; denn die Amseln waren zu der Zeit in der Mauser. In dieser Lebensphase sind die „halb nackten“ Tiere besonders scheu und verbringen den Gefiederwechsel zumeist, besser vor Feinden geschützt, in den Wäldern.

Jedenfalls kann man den sehr melodischen Sänger, der sogar andere Vogelstimmen nachahmen kann, wieder in unserer näheren Umgebung regelmäßig beobachten.

Freuen wir uns also schon jetzt auf die ersten angenehmen Stimmen im Vorfrühling.

Gerhard Hallmann



Interessante Infos …



… über die Firma Arnold und NWZ

Über das 100-jährige Bestehen der Firma Arnold und über die vor zehn Jahren nach über 82 Jahren eingestellte Mengeder Zeitung sowie über seine 47-jährige Tätigkeit als Lokalredakteur in Mengede berichtete unser Mitglied Karlheinz Bohnmann an einem unserer Stammtische.

Was bisher wohl keiner wusste: Eigentlich wollte „Charly“, wie ihn ganz Mengede nannte, gar nicht über Lokalpolitik, lokale Ereignisse und über das Vereinsleben in Mengede berichten, sondern Filmredakteur werden. Doch die Kino-Krise der 50er Jahre ließ diesen Plan platzen, so dass er in Mengede „hängen“ blieb. Sein Filmhobby konnte er aber ein bisschen neben seiner lokalen Tätigkeit pflegen. Dabei lernte er viele früher sehr bekannte Schauspieler kennen. Beispielsweise Marika Röck und Marianne Koch, Hans Albers, O. W. Fischer, Walter Giller und Gunther Philipp.

Über den Verlag Arnold berichtete Karlheinz Bohnmann, dass dieser im Dezember vor 100 Jahren von Ernst Arnold, der aus Soest nach Mengede gekommen war, als Schreibwarengeschäft und Druckerei an der heutigen Freihofstraße gegründet worden war. Später zog die Firma erst an die heutige "Spinne" am evangelischen Friedhof und schließlich an ihren heutigen Standort am Markt, wo sie im 2. Weltkrieg durch Bomben schwer zerstört wurde.

Am Wiederaufbau der Firma war Gründer-Sohn Dr. Helmut Arnold, der 1950 nach dem Tod seines Vaters, die Geschäftsleitung übernahm, maßgeblich beteiligt. Auf seinen Einsatz ging nach Kriegsende auch die Wiedergründung der 1920 unter dem Namen „Mengeder Lokal-Anzeiger“ erstmals erschienenen „Dortmunder Nord-West-Zeitung“ zurück. Übrigens ist der inzwischen in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangene Begriff „Dortmunder Nord-Westen“, wie Bohnmann berichtete, von Dr. Helmut Arnold „erfunden“ worden.

Die Zeitung hatte eine wechselhafte Geschichte erlebt. Beispielsweise wurde sie während der französischen Besetzung des Ruhrgebietes nach dem 1. Weltkrieg mehrfach verboten und vom Firmengründer Ernst Arnold, den man wegen seiner Kritik an den Besatzern zeitweilig auch verhaftet hatte, unter anderen Namen herausgebracht. Im sogenannten „Dritten Reich“ musste die Zeitung ihr Erscheinen aus fadenscheinigen Gründen einstellen. Wahrscheinlich war sie aber nur ein Opfer der so genannten Gleichschaltung.

Der Verkauf der Zeitung erfolgte nach dem Tod von Dr. Helmut Arnold durch seine Tochter, Diplom-Kauffrau Gudrun Arnold-Schoenen, die das Familienunternehmen jetzt in dritter Generation als Geschäftsführerin sowie u. a. als Chefredakteurin zweier bedeutender Fachzeitungen führt, die ihr Vater nach dem 2. Weltkrieg ins Leben gerufen hatte. Eine davon - die „Nahverkehrspraxis“ - wurde sogar während des „Kalten Krieges“ in der DDR und sogar auch in Russland bezogen.

An die „Mengeder Zeitung“, die vor Karlheinz Bohnmann von Rudolf Krocker und Günter Schulte, der auch unser Mitglied ist, geleitet wurde, erinnert in der Öffentlichkeit nur noch der Name „Dortmunder Nord-West-Zeitung“ an der Hausfront des Verlagshauses an der Siegburgstraße. In der Erinnerung sieht das anders aus, da vermissen wir den großen lokalen Teil unserer „Mengeder“, wie sie bis zum letzten Tage hieß, die kleinen Geschichten aus dem täglichen Leben und natürlich auch Charlys „Spitzfindigkeiten der Woche“, mit denen der Chronist die „Döneken“ der Woche ausplauderte und damit manchen braven Bürger von seiner besonders amüsanten Seite zeigte.

Fr.-Heinrich Veuhoff



Zufallsfund „Mengeder Zeitung“



Wer weiß mehr?

Zum zweiten Mal habe ich per Zufall ein Exemplar einer bisher unbekannten „Mengeder Zeitung“ in die Hand bekommen.

Dieses „Organ für das Amt Mengede“ ist zumindest in den Jahren 1911 – 1913 im Verlag der Geschwistern Schmitz in Castrop-Rauxel, die auch für den Druck verantwortlich zeichneten, erschienen. Recherchen bei verschiedenen Archiven blieben leider bis heute ohne Erfolg.



Hat zufällig einer unserer Leser Kenntnis von dieser Zeitung oder noch besser, ein Exemplar in seinem Besitz? Über Hinweise würden wir uns freuen.

Fr.-H. Veuhoff



Schüleraufenthalt in den Kriegsjahren



Fotos und Texte gesucht!


Das Stadtarchiv Achern arbeitet zurzeit die Kriegsjahre auf und ist auf Mädchen und Jungen aus Nette und Oestrich aufmerksam geworden, die dort einige Jahre verbracht haben.

Nun werden Fotos dieser Zeit oder auch Berichte von Menschen gesucht, die einige Jahre dort in Achern verbracht haben. Wer kann helfen? Informationen bitte an mich unter 0231-337690.

Fr.-H. Veuhoff


Dauertermine:

1. Mi i.M.

19.00 Uhr: Stammtisch in der „Heimatstube“

2. Di i.M.

19.00 Uhr: Stammtisch in Bodelschwingh

3. Sa. i. M.

BUV-Kleinzeche, von 10.00 bis 16.00 Uhr






Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14, 44359 DO (0231 - 33 76 90)


 
 
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