Heimatblätter


Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.


Nr. 31 
Weinachten 2011
10. Jahrgang
EP 0,50 Euro



Frohe Weihnachten und ein gutes und gesundes 2012


Wir wünschen allen Mitgliedern und Gönnern des Vereins sowie allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern im Stadtbezirk Mengede eine besinnliche und ruhige restliche Adventszeit, ein friedliches und frohes Weihnachtsfest, einen guten und fröhlichen Übergang in das neue Jahr sowie ein glückliches und gesundes, erfolgreiches und zufriedenes Jahr 2012.


Mengede, im Dezember 2011

Der Vorstand

Gausepohl      Karlshaus       Pöpping           Obermeit




10 Jahre „BUV-Kleinzeche Max Rehfeld“



Nach Schließung der Zeche Adolf von Hansemann im Jahre 1967 wurden die Schachtanlagen der Zeche verfüllt und in den Tagebauanlagen siedelten sich verschiedene Gewerbebetriebe an. Da sich bis in die 80ziger Jahre keine endgültige Verwendung und Nutzung abzeichnete, wurden diese Tagebauanlagen teilweise abgerissen. Anfang der 90ziger Jahre übernahm die Handwerkskammer Dortmund die verbliebenen Grundstücksteile und Gebäude zur Eirichtung eines Ausbildungszentrums für das Gerüstbauerhandwerk.

Mit der Wiederherstellung und dem Ausbau der ehemaligen Zeche „Adolf von Hansemann“ zum Bildungszentrum Hansemann“ wurde im Juli 1997 begonnen, der Neubau eines Internats erfolge 1998. Am 10. Mai 2000 wurde das Bildungszentrum feierlich eingeweiht. Gleich mit Aufnahme des Schulungsbetriebes im Bildungszentrum setzten beim Bergmanns-Unterstützung-Verein (BUV) Mengede von 1884 unter der Regie von Max Rehfeld die Bemühungen ein, auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Adolf von Hansemann im Torhaus ein Bergbaumuseum einzurichten, welches die bergmännischen Tradition und Kultur und das Brauchtum in einer Dauerausstellung wahren soll und diese dafür ausgebaute Kleinzeche der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Die Handwerkskammer Dortmund als Eigentümer des Bildungszentrums „Hansemann“ stand der Idee des BUV positiv gegenüber und überließ dem Verein im Torhaus etwa 70 qm zur Einrichtung eines Bergbaumuseums. Mit unermüdlichem Einsatz haben die Mitglieder des BUV um Max Rehfeld den Aufbau betrieben, so dass heute auf der vorhandenen Fläche vielfältige Gegenstände des Bergbaus und seiner Geschichte ausgestellt werden, u. a. ist eine Flözstrecke mit einem deutschen Türstock und Polygonverstärkung naturgetreu nachgebaut.

Im Jubiläumsjahr des 10jährigen Bestehens wurde für den Museumsbetrieb im Einvernehmen mit dem bisherigen Betreiber, dem BUV, ein eigener Verein „BUV-Kleinzeche Max Rehfeld Bergbaumuseum & Verein e.V.“ gegründet, der in seinem Namen den Namen des Museumsleiters und unermüdlichen Verfechters bergmännischer Traditionen und Brauchtums, Max Rehfeld, trägt.

Der Heimatverein Mengede e.V. wünscht seinem Mitglied Max Rehfeld bei seiner aufopferungsvollen Arbeit für die Kleinzeche weiterhin viel Erfolg und Anerkennung und dem Verein „BUV Kleinzeche Max Rehfeld Bergbaumuseum & Verein e.V.“ ein herzliches „Glückauf“ bei der Fortsetzung seiner Arbeit.

Der Festakt zum 10jährigen Bestehen fand am 1. Oktober 2011 unter Beteiligung zahlreicher Knappenvereine und unter der Schirmherrschaft von Dr. Mönnighoff im Bildungszentrum Hansemann statt.

Paul Gausepohl



Heinz Garus verstorben



Nur wenige Monate nach seinem 80. Geburtstag verstarb am 29. August unser Mitglied Heinz Garus.Der gelernte Zahntechniker und langjährige Mitarbeiter der Auslandsgesellschaft gehörte 50 Jahre der SPD an. Er war 20 Jahre Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Oestrich und von 1970 bis 1994 Mitglied des Rates der Stadt Dortmund. Für seine politische Tätigkeit war er mit der Ehrennadel, dem Ehrenring und mit der Dortmunder Stadtmedaille ausgezeichnet worden.

Im Stadtbezirk Mengede hat sich Garus u. a. für die Schaffung des Schragmüller-Parks, für den Bau der städtischen Kindergärten in Oestrich und Westerfilde sowie für das Altenheim am Burgring eingesetzt. Besonders stolz war er, dass es gelungen war, das Einkaufszentrum an der Heimbrügge - die Grundstücke hatten 14 Eigentümern gehört - zu  realisieren.


Karlheinz Bohnmann




Juli-Stammtisch des Heimatvereins



Vorgesehene Neustrukturierung der Dortmunder Stadtbezirke

Die Stammtische des Heimatvereins Mengede, jeweils am 1. Mittwoch im Monat in der Heimatstube, Am Amtshaus 16 und am 2. Dienstag im Monat in „Hürsters Kochwerkstatt in Bodelschwingh, Schloßstraße sind von den Mitgliedern des Vereins gut angenommen worden. Seit Januar 2011 werden neben den Vereinsangelegenheiten jeweils ortsbezogene Themen aus der örtlichen Geschichte oder aus der örtlichen Politik behandelt. Diese Veränderung an den Stammtischabenden ist von den Mitgliedern sehr begrüßt worden. Da die Stammtischabende für Nichtmitglieder zugelassen sind, freut sich der Heimatverein auch über die steigende Zahl von Besuchern, die noch nicht Mitglieder des Heimatvereins sind.

Am Stammtischabend im Juli 2011 waren Bezirksbürgermeister Bruno Wisbar und Bezirksverwaltungsstellenleiter Michael Konrad Gäste des Stammtisches.

Noch ist nichts davon Realität, was in unserer Stammtischrunde diskutiert wurde. Deshalb stand dieser ganz im Zeichen des Konjunktivs. Das Besucherinteresse war so groß, dass die bereits aufgestockte Zahl der Sitzplätze nicht ausreichte.

Bezirksbürgermeister Bruno Wisbar und Verwaltungsstellenleiter Michael Konrad berichteten über die Pläne der Stadt, die Zahl der Stadtbezirke (vor allem um nicht unter das Kommunale Haushaltungssicherungsgesetz zu fallen) von zwölf auf zehn zu reduzieren. Beide betonten, dass es sich bei den vorgeschlagenen Ideen vorerst um Empfehlungen handelt, über die der Rat der Stadt am 24. November entscheidet.

Wird das Vorhaben realisiert, werden Huckarde und Eving in Zukunft keine selbstständigen Verwaltungsbezirke mehr sein. Huckarde (sowie Brechten und Deusen) würden dann zum neuen Stadtbezirk Mengede/Huckarde gehören.

Sparmöglichkeiten sieht die Stadt u. a. durch die Aufgabe der dann nicht mehr benötigten Verwaltungsstellen sowie durch die Zentralisierung von nur selten frequentierten städtischen Einrichtungen. Auch die Veränderung der Zuständigkeiten der stellvertretenden Verwaltungsstellenleiter wurde neu überdacht. Sie sollen künftig Aufgaben für mehrere Stadtbezirke übernehmen. Weiter würde sich die Zahl der Ratsvertreter um zwei reduzieren. Und auch die Zahl der Bezirksvertreter, die sich in Zukunft aber weiterhin pro Stadtteil auf 19 belaufen sollen, würde kleiner. Nicht gekürzt werden sollen hingegen die bisher schon zur Verfügung stehenden Finanzmittel. Auch die Aktionsbüros und die Stadtbüchereien sollen vor Ort bleiben.

Netto würden die Sparmaßnahmen im ersten Jahr etwa ein Plus von 600 000 € einbringen und sich in den Jahren danach auf etwa eine bis anderthalb Mio. € einpendeln. Weil das beim Gesamtetat der Stadt (2,5 Mrd. €) nur 0,1 Prozent ausmachen würde, vertraten einige der Zuhörer, dass diese Einsparungen auch durch andere - manchmal nach ihrer Meinung unnötige - Maßnahmen erreicht werden könnten. Bedauert wurde, dass durch die Reformpläne wichtige und gewachsene Strukturen zerstört würden.

Vor allem wurde auch darauf hingewiesen, dass die Bürger ein Recht auf eine optimale Betreuung verlangen können, und das würde durch das Vorhaben die Zahl der Stadtteile zu minimieren ad absurdum geführt.

Paul Gausepohl, der bereits zu Beginn einen kurzen geschichtlichen Rückblick auf die Mengeder Geschichte gegeben hatte, bedankte sich für die sachlichen Ausführungen und betonte, dass der Heimatverein zwar unpolitisch sei, was diesen aber nicht daran hindern würde, sich in die Diskussion um die Zukunft der Stadtteile einzuschalten.

Er schloss den Stammtischabend mit einem Dank an die Herren Wisbar und Konrad für die vorurteilslos freie und informative Darstellung eines aktuellen Problems, aber auch mit einem Dank die die Mitglieder für die sachliche und objektive Diskussion.

Paul Gausepohl/Karl-Heinz Bohnmann



8. Schnadegang


Am 3. Oktober 2011 ging es vom Groppenbach durch die grüne Feldflur



Der bereits zur Tradition gewordene Schnadegang des Heimatvereins Mengede am „Tag der deutschen Einheit“ führte in

diesem Jahr zur nördlichen Grenze von Mengede, dem Groppenbach, früher Gröpperbach, im Volksmund: Birk.

Der diesjährige Schnadegang fand zusammen mit dem Heimatverein Waltrop und mit Unterstützung der Emschergenossenschaft statt. Nahezu 100 Teilnehmer hatten sich eingefunden, um an dem historischen Schnadezug teilzunehmen und sich somit an ein mittelalterliches Brauchtum zu erinnern.

Am Treffpunkt, dem Jüdischen Friedhof in der Mengeder Heide, konnte der Vorsitzende Paul Gausepohl, die Heimatfreunde aus Waltrop mit ihrem Vorsitzenden Norbert Frey, den Vertreter der Emschergenossenschaft, Herrn Möhring, und zahlreiche Berichterstatter der örtlichen Presse begrüßen. Die Funktion des Pumpwerkes am Groppenbach und die derzeit laufenden Renaturierungsmaßnahmen an der Emscher und den Nebenläufen wie Groppenbach wurden von Herrn Möhring erläutert. Am renaturierten Groppenbach war gut zu erkennen, wie schnell die Natur ihren ursprünglichen Zustand in Flora und Fauna zurückgewinnt. Über den „Dicken Döhren“ mit den Bergsenkungen und Abraumhalten (mehrere große Höfe mussten hier aufgeben) wurde die Laurentiuskapelle in Leveringhausen erreicht, wo die Vereinsvorsitzenden Gausepohl und Frey das Streitgespräch um die Zugehörigkeit der Bauerschaft Leveringhausen führten.

Während Gausepohl historische und wirtschaftliche Gründe für eine kommunale Neuordnung anführte, begegnete Frey mit den bestehenden Zugehörigkeiten von Leveringhausen zu Waltrop seit mehr als 650 Jahren. Bezirksbürgermeister Bruno Wisbar (Mengede) und Diakon Dieter Krumminga (Kapellengemeinde Leveringhausen) fassten den Schiedsspruch, dass die Gemeindegrenzen heute keine Behinderung für eine gute Nachbarschaft darstellen und daher „alles so bleiben soll, wie es seit vielen Jahrhunderten eingerichtet ist“.

Mit einer Emscherperle wurde der Schiedsspruch besiegelt. Bei Kaffee und Kuchen sowie Schmalzstullen fanden zahlreiche nachbarschaftliche Begegnungen und Gespräch statt und alle Teilnehmer traten bei wunderschönem Herbstwetter den Heimweg an. Zum 8. Schnadegang wurde vom Heimatverein Mengede eine Broschüre verfasst, in der die Geschichte der Schnadegänge und der begangen Gemarkungen sowie der Laurentiuskapelle Leveringhausen erläutert wird.

Paul Gausepohl




Michaelisfest 2011



Akteure spielten vor leeren Bänken

Historischer Beitrag zum Michaelisfest durch Unwetter beeinträchtigt

Bedauerlicherweise fand unser Beitrag zum diesjährigen Michaelisfest in diesem Jahr vor leeren Bänken statt. Kurz nach Beginn das Szenenspiels um die kurfürstliche Bestätigung der Mengeder Marktrechte im Jahr 1668 prasselte eine halbe Stunde lang ein  Unwetter vom Himmel, dass die Zuschauer, fluchtartig Schutz suchen ließ. Wer schnell war, fand einen einigermaßen trockenen Platz unter den Zeltdächern der Getränkestände.

Währenddessen lief das Spiel (Regie: Wilfried Jürgens; Darsteller: Helmut Palm als kurfürstlicher Bote und Jürgen Karlshaus als Bürgermeister sowie zahlreiche weitere Mitglieder unserer Vereins als Adelige, Mägde unf Knechte) auf der vom Regen geschützten Bühne weiter. Die schmucken Kostüme hatte wieder das Dortmunder Theater zur Verfügung gestellt. Für die  Begleitmusik sorgte diesmal Ritter´s Musik -Konzert-Gesellschaft.

Vor Beginn der Aufführung hatte Paul Gausepohl u. a. daran erinnert, dass das seit elf Jahren durchgeführte Stadtteilfest 2007 auf Vorschlag von Franz-Heinrich Veuhoff seinen heutigen Namen  erhalten hat. Weiter ging er auf Mengedes lange Geschichte ein. Er betonte: „Mengede ist uralt“. Die  Besiedlung reiche bis 1000 Jahre vor Chr. zurück. Die erste  urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 928. 1243 bekam die „Freiheit Mengede“, die damals  zur Grafschaft Mark gehörte, stadtähnliche Rechte. Dazu gehörten u. a. auch das Markt- und Abgabenrecht sowie eine eigene Gerichtsbarkeit.

Karlheinz Bohnmann




Sommerfest der Schützen- und Heimatfreunde



Der Heimatverein Mengede und der Bürger-Schützenverein Mengede von 1546 hatten zu einem Sommerfest am 23. Juli 2011 in die Gartenanlage Segin/Jürgens eingeladen. Trotz des angekündigten Regens waren mehr als 80 Mitglieder beider Vereine der Einladung gefolgt und erlebten einen lauen Sommerabend mit viel Unterhaltung und Musik.

In seiner Begrüßung ging der Vorsitzende des Heimatvereins, Paul Gausepohl, auf die brutalen und unfassbaren Ereignisse in Norwegen ein. Ein rechtsextremer Einzeltäter hat in barbarischer Tat mehr als 70 Menschen umgebracht und das weltoffene und tolerante norwegische Volk in unendlich tiefe Trauer versetzt. Der Vorsitzende sprach den Hinterbliebenen und dem norwegischen Volk tiefempfundenes Mitgefühl aus. Zur Geschichte der Sommerfeste erläuterte der Vorsitzende, dass bereits zu Zeiten der Kelten und Germanen in der Zeit zwischen Aussaat und Ernte Sommerfeste gefeiert wurden. Die Zeit der Sommersonnenwende war vielerorts die Zeit der Freudenfeuer, in der gut gegessen und getrunken, getanzt und gespielt wurde.

Heimatverein und Schützenverein feiern seit 2003 das Sommerfest gemeinsam, um zusammen mit den Mitgliedern Dank zu sagen für die Treue zu den Vereinen. Mit dem Dank an die Grundstückseigentümer Segin und Jürgens, an alle Helferinnen und Helfer unter der Leitung von Annemarie Segin für kühle Getränke und wohlschmeckende Speisen, an alle Organisatoren und Gestalter schloss Gausepohl seine Begrüßung.

Als Gäste haben am Sommerfest der örtliche Landtagsabgeordnete Armin Jahl und der Bezirksbürgermeister Bruno Wisbar teilgenommen.

Bis in die späten Abendstunden führten die Mitglieder der Vereine Gespräche und pflegten die Unterhaltung. Es wurde vielfach der Wunsch ausgesprochen, dieses Familien- und Nachbarschaftsfest auch in Zukunft als festen Termin in den Veranstaltungskalender der Vereine aufzunehmen.

Paul Gausepohl





Fahrradtour des Heimatvereins nach Vreden



Der Heimatverein Mengede hatte seine Mitglieder für die Zeit vom 6. bis 11. September 2011 zu einer mehrtägigen Fahrradtour nach Vreden eingeladen. Insgesamt 24 Teilnehmer konnte der Vorsitzende des Heimatvereins Paul Gausepohl im Hotel „Zum Stadtpark“ begrüßen. Das zentral gelegene Hotel mit guter Küche und bestem Service bot trotz der regnerischen Großwetterlage ein angenehmes Ambiente.

Am Ankunftstag führte die 1. Radtour nach Ellewick (16 km) durch die Berkelaue. Die Berkel fließt in Deutschland noch im begradigten Kanalbett, während in Holland das Flussbett in renaturierten Form bereits wieder einen natürlichen Verlauf nimmt.

Am 2. Tag war Ziel das Dorf Ammeloe, das Naturschutzgebiet Ammeloer Venn, der Grenzort Oldenkott und die holländische Berkelaue (35 km). Haus Nolde in Ammeloe (historisches Heimathaus) mit Bäckerei und Kolonialwarenladen, Gastwirtschaft und Drogerie, Mühle und Brauerei weckte viele Erinnerungen an „alte Zeiten“. Die Kringbebauung um die Kirche erinnerte an den Mengeder Widum. Der Grenzort Oldenkott war ehemals wichtiger Grenzpunkt, heute ein beschaulicher und ruhiger Touristenort.

Am 3. Tag führt der Weg über Meddo (NL) nach Zwillbrock (36 km). Im Ellewicker Feld und Zwillbrocker Venn lagen ehemals ergiebige Tongruben, heute Naturschutzgebiet mit Brutstätten von Flamingos und Rastplatz für Zugvögel sowie Standort der „Biologischen Station“. Die Barockkirche Zwillbrock war einst Klosterkirche und ist heute ein bekanntes Bauwerk des westfälischen Barocks.

Am 4. Tag stand vormittags ein Stadtrundgang in Vreden auf dem Programm, wobei der Markt mit Rathaus und historischen Ortsreliefs, die Stifts- und Georgskirche sowie das Hamaland-Museum besucht wurden. Die Museumsleiterin, Frau Dr. Mentler, führte die Teilnehmer durch die Handwerksschau „Schuhe von früher und heute“. Nachmittags wurden per Fahrrad Ottenstein (gotischer Kirchbau aus dem 18. Jahrhundert) und Lünten angefahren (31 km). Am Samstag war Winterswyk (NL) nächstes Ziel. Die Jakobskirche, erbaut vom 13. bis 16. Jahrhundert in den Baustilen der Romantik bis zur Gotik und zum Barock, ist Wahrzeichen der Stadt. Um die Kirche herum findet samstags jeweils der größte ostholländische Wochen- und Krammarkt statt. Gleichzeitig wurde in Holland an diesem Tag der „Tag des Denkmals“ abgehalten, der in der Mennoitenkirche (erbaut 1711) gefeiert wurde. Zurück über Meddo (NL), Zwillbrock und Ellewick wurde nach 42 km das Hotel erreicht.

Am Abreisetag fuhr noch eine Restgruppe nach Stadtlohn, das trotz einer fast vollständigen Zerstörung der Innenstadt im 2. Weltkrieg den Charakter einer münsterländischen Landstadt bewahrt hat, da der Wiederaufbau auf gewachsenen Strukturen Rücksicht nahm und traditionelle Bauformen eingesetzt wurden. Vorbei am Luftlandeplatz Wennigerfeld wurde die letzte Etappe nach 24 km abgeschlossen.

Die über insgesamt 184 km führende Radtour ist bei hoher Fahrdisziplin aller 24 Teilnehmer unfallfrei verlaufen. Die angefahrenen Ziele fanden die Zustimmung aller Teilnehmer. Das Hotel mit seinem sehr guten Service trug wesentlich zur guten Stimmung bei. Die Stadt Vreden (23.000 Einwohner) mit ihren reichhaltigen Kultur- und Baudenkmälern und interessanten Kultur- und Freizeitangeboten ist als diesjähriges Ziel des Heimatvereins positiv in Erscheinung getreten.

Paul Gausepohl





Die Gnadenhochzeit



Ehejubiläen sind gang und gäbe und gerade in den letzten Monaten konnten einige wenige Paare die äußerst seltene „Gnadenhochzeit“ feierlich begehen. Nach Recherchen im Kirchenarchiv in Hennen und Kontaktaufnahme mit dem dortigen Heimat- und Kulturverein geht der Name „Gnadenhochzeit“ auf eine Begebenheit zurück, die sich in der evangelischen Kirchengemeinde in Hennen ereignet haben soll.

Diederich, Friedrich, Richard Wiemer (*08.11.1832 in Hennen, + 20.02.1905 in Lengerich), Pfarrer der lutherischen Kirchengemeinde in Hennen, entdeckte 1881 beim Studium der alten Kirchenbücher, dass ein ihm bekanntes Ehepaar, einsam im Walde wohnend, im November 1811 getraut worden war, also 70 Jahre zuvor. Über diesen seltenen Fall sandte er ein unmittelbares Gesuch an den deutschen Kaiser Wilhelm I. zugleich mit der Bitte, dieser so seltenen, nach der Eisernen Hochzeit folgenden Feier einen Namen geben zu wollen.

Nach einiger Zeit ging ihm aus dem Zivilkabinett Sr. Majestät ein Schreiben zu, laut dessen der Kaiser ihm erklärte, es sei doch eine besondere Gnade von Gott, wenn zwei Eheleute 70 Jahre lang gemeinsam Freud und Leid des Lebens geteilt hätten und dass er einer solchen Feier den Namen „Gnadenhochzeit“ geben würde. Zugleich wurde der Pfarrer beauftragt, dem Jubelpaar die Glück- und Segenswünsche Sr. Majestät zu überbringen und als sichtbares Zeichen dieser Anteilnahme drei Hundertmarkscheine zu überreichen.

Interessant ist übrigens, wie sich die beiden alten Lebenskämpen auf dieses kaum je zuvor amtlich festgestellte Jubelfest ihrer Ehe vorbereitet hatten. Der Chronist schildert es wie folgt: „Als Pfarrer Wiemer am Morgen des Jubeltages die im Walde gelegene einsame Wohnung aufsuchte, fand er diese zunächst leer, entdeckte dann aber die Frau bei der Reinigung des Ziegenstalles und erfuhr, dass der Mann, der einen Sack Streu holen sollte, jeden Augenblick eintreffen werde. Bei dessen Eintreffen entledigte sich der Pfarrer seines hohen Auftrages unter Hinzufügung seiner eigenen Segenswünsche zum höchsten Erstaunen des Jubelpaares, das selbst ohne Ahnung von der hohen Bedeutung es Tages war.“ Vieles spricht dafür, dass es sich hier um das Ehepaar Engelbert und Johanna Hermina Gerdruth Elisabeth Stahl gehandelt haben muss, doch leider fehlen uns zur endgültigen Bestimmung die Sterbedaten dieses Paares.

Diese Geschichte fand dann durch die Zeitungen eine weite Verbreitung und seitdem ist es Brauch geworden, dem 70jährigen Ehejubiläum den Namen „Gnadenhochzeit“ zu geben.

Franz-Heinrich Veuhoff



Dauertermine:

1. Mi i.M.

19.00 Uhr: Stammtisch in der „Heimatstube“

2. Di i.M.

19.00 Uhr: Stammtisch in Bodelschwingh

3. Sa. i. M.

BUV-Kleinzeche, von 10.00 bis 16.00 Uhr




Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14, 44359 DO (0231 - 33 76 90)

 
 
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