Heimatblätter


Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.


Nr. 30
Juni 2011
10. Jahrgang
EP 0,50 Euro




Liebe Heimatfreunde,

aus technischen Gründen hatten wir bis zum heutigen Erscheinen unserer „Heimatblätter“ leider eine längere Pause einlegen müssen. Deshalb sind mehrere Berichte in dieser Ausgabe schon etwas „angestaubt“. Aber vielleicht sind sie vor allem für Mitglieder, die nicht an allen Aktivitäten teilnehmen, jedoch trotzdem über die Tätigkeiten unseres/ihres Heimatvereins informiert werden möchten, noch von Interesse. Wir bitten um Verständnis und versprechen, künftig wieder aktueller zu sein.

Ihre Heimatblätterredaktion




„Wachablösung“ wichtig

Jahreshauptversammlung lief reibungslos ab



Angesichts der immer älter werdenden Mitglieder, die sich bei Aktionen unseres Heimatvereins engagieren, appellierten Vorsitzender Paul Gausepohl und Geschäftsführer Gerd Obermeit auf unserer Jahreshauptversammlung, die im katholischen Gemeindehaus St. Remigius stattfand, an die jüngeren Mitglieder unseres Vereins, sich mehr als bisher an den auch in diesem Jahr wieder zahlreichen Aktivitäten zu beteiligen.

Gerd Obermeit hatte zuvor einen Überblick über die im vergangenen Jahr durchgeführten und über die in diesem Jahr geplanten Veranstaltungen gegeben. Beim diesjährigen Michaelisfest beschränken wir uns diesmal darauf, wieder die Bestätigung der Mengeder Marktrechte nach zuspielen und wieder die leckere Erbsensuppe aus der Gulaschkanone anzubieten.

Änderungen gibt es auch bei der historischen Fotoausstellung anlässlich der Bodelschwingher Kirmes. Weil das evangelische Gemeindehaus nicht mehr zur Verfügung steht, wird die Foto-Schau im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr „Im Odemsloh“ gezeigt. Auch beim Mengeder Nikolausmarkt gibt es Veränderungen. Er findet diesmal nicht auf dem Markt, sondern (und nur noch an zwei Tagen) an der katholischen Remigius-Kirche statt.

Paul Gausepohl wies im Zusammenhang mit dem Bericht über den Haushaltsplan darauf hin, dass der langgehegte Plan, den 1928 nach der Mengeder 1000-Jahr-Feier auf dem Markt errichteten Brunnen wieder sprudeln zu lassen, im Zusammenhang mit der in diesem Jahr anstehenden Umgestaltung des Marktbereiches realisiert werden soll. Neu in den erweiterten Vorstand gewählt wurde Horst Pöpping.

Allen Tagungsordnungspunkten wurde übrigens einstimmig zugestimmt, so dass Dr. Herbert Wörmann dem Vorstand, der in diesem Jahr allerdings nicht zur Wahl gestanden hatte, am Ende für seine im vergangenen Jahr erfolgreich geleistete Arbeit den Dank aussprechen konnte.

Karlheinz Bohnmann



Krippenvater“ Helmut Palm 80!

Durch AvH nach Mengede



Das Vorstandsmitglied des Heimatvereins Mengede wurde am 10. Februar 1931 als Sohn eines Brückenbauingenieurs in Köln geboren. Nach der Jugend- und Schulzeit, die durch die Wirren des 2. Weltkrieges beeinträchtigt war, legte er 1951 am Pestalozzi-Gymnasium in Herne sein Abitur ab. Danach nahm er das Ingenieurstudium an der Bergakademie in Clausthal-Zellerfeld auf, das er mit dem erfolgreichen Examen als Diplom-Ingenieur im Jahre 1956 abschloss. Seine berufliche Laufbahn begann er im Kleinbergbau Ruhr, ehe ihn 1957 der Weg zur Zeche Hansemann nach Mengede führte.

Auf Grund seiner beruflichen Neigung zur Vermessungstechnik wurde er alsbald von seinem Arbeitgeber zur staatlichen Ausbildung zum Oberbergamt Dortmund geschickt, wo er 1958 als Markscheider abschloss.

In dieser Funktion war der Jubilar bis zur Schließung der Zeche Hansemann im Jahre 1967 tätig, danach noch ein Jahr auf der Zeche Hansa in Huckarde, um dann in die Stabsabteilung „Ruhrkohle“ der GBAG in Essen zu wechseln. Diese Abteilung war zur Vorbereitung der Gründung der „Ruhrkohle“ eingesetzt. Als Mengeder Bürger genießt Helmut Palm ab 1985 in seinem Eigenheim den Ruhestand.

Im Mengeder Vereinsleben ist Helmut Palm keine unbekannte Größe. In „Mengede 2000“, einem Verein der sich im Wesentlichen um örtliche Infrastrukturmaßnahmen kümmerte, war er mehr als 10 Jahre Vereinsvorsitzender. Dem Vorstand des Heimatvereins gehört er seit der Gründung des Vereins im Jahre 2002 an. Seine Leidenschaft gilt den jährlichen Krippenausstellungen des Heimatvereins, woher ihn die Ehrung als „Krippenvater“ zu Teil wurde.
Der Heimatverein wünscht seinem Vorstandsmitglied Helmut Palm noch viele kreative und produktive Jahre in gewohnter Beweglichkeit und Rüstigkeit.

Paul Gausepohl






Streit um Dorfanger

Freiherrendisput beim Schnadegang



Prominente und verwandte Kontrahenten, die Freiherren Felix zu Knyphausen (Schloss Bodelschwingh) und Karl Enno zu Knyphausen (Haus Dorloh) bestritten bei unserem diesjährigen Schnadegang (übrigens inzwischen bereits der siebte) das „Streitgespräch“, das sich laut Überlieferung zwischen dem 17. oder 18. Jahrhundert in Dingen abgespielt haben soll. Die Betonung liegt beim „soll“. (Mehr dazu siehe unten: „Seltsame Parallele“).


Die „Schnadegänger“ bei strahlendem Sonnenschein auf dem Dinger Berg

Die Auseinandersetzung, die aber damals nicht von Adeligen, sondern von Gemeindevorstehern geführt worden sein soll, drehte sich um ein Weidegelände, eine so genannte Allmende, zwischen Bodelschwingh und Dingen, das - so die Überlieferung -  ursprünglich von den Bauern beider Dörfer gemeinsam als Viehweide genutzt wurde, bis es irgendwann zu Auseinandersetzungen um die Besitzansprüche kam.

Weil sich die Streithähne nicht einigen konnte, soll der Amtsrichter Galen vom Freigericht zu Mengede über den „Grenzfall“ entschieden und zu Gunsten  der Dinger Landwirte geurteilt haben. Dabei soll  er auf eine raffinierte List des Dinger Gemeindevorstehers hereingefallen sein. Der soll beeidet haben: „So wahr der Schöpfer über mir ist, stehe ich hier auf eigenem Land!“

Das aber stimmte nur im Wortsinn, denn der Gemeindevorsteher hatte mit dem „Schöpfer“ den Schöpflöffel gemeint, den er unter seinem Hut versteckt hatte, und das „eigene Land“, auf dem er stand, befand sich in seinen Schuhen: Erde von seinem Hof in Dingen. (Siehe auch „Heimatblätter“ Nr. 29/Oktober 2010).

Vorsitzender Paul Gausepohl, der den nachgespielten Disput moderierte, freute sich, dass sich die Freiherren bereit erklärt hatten, die Rollen der konträren Gemeindevertreter zu übernehmen. Als Richter Galen fungierte Siegfried Nolte. Der damals von dem richtigen Richter Galen festgelegte Grenzverlauf trennt übrigens noch heute die Orte Bodelschwingh und Dingen, die damals beide noch zum Amt Mengede gehört hatten.

Der Schnadegang, der diesmal auf dem Hof Budde in Westerfilde begonnen hatte, endete bei Kaffee und Kuchen auf dem erstmals 1456 urkundlich erwähnten Hof Lessmöllmann in Dingen, der sich heute im Besitz der Familie Drees befindet.

Karlheinz Bohnmann




Seltsame Parallele

Ähnlicher Streit im Allgäu



Ob sich der Grundstückstreit wirklich so und in Dingen zugetragen hat? Oder handelt es sich nur um eine Geschichte, die sich anderswo zugetragen hat, und die man einfach „lokalisiert“ hat? Spekulationen scheinen allerdings angebracht.

Dafür hat die TV-Zeitschrift „Hör zu“ gesorgt, die im November über Mythen, Sagen und Legenden berichtete, die seit Generationen weiter gegeben worden sind. Laut „Hör zu“ hätten die Sagen, die man sich am knisternden Feuer erzählte, nicht zuletzt auch der Unterhaltung vieler der früher des Lesens unkundigen Menschen gedient. Und dabei habe es sich nicht nur um ausgedachte Geschichten, sondern auch um tatsächlich stattgefundene Ereignisse gehandelt.

Bleibt die Frage nach der Parallele zwischen dem Dinger Disput und dem im Allgäu. Dort erzählt man sich die Geschichte eines Dekans namens Dr. Ulrich Bach aus Wertach, der Mitte des 15. Jahrhunderts den Besitz einer Bergweide zwischen den dortigen Gemeinden Unterjoch und Jungholz klären sollte. Entweder aus Patriotismus oder aus Angst vor einem Bauern, der ihm den Tod angedroht haben soll, wenn er die „falsche Entscheidung“ fällen würde, streute er sich Erde in die Schuhe und steckte sich einen Schöpflöffel unter den Hut und betonte: „Soweit der Schöpfer über mir, stehe ich auf Wertacher Boden hier.“ Und obwohl Jungholz eigentlich mehr Anrechte hatte, sprach er Unterjoch die Alpe zu.

Der Dekan aber fand ob seiner Arglist keine Ruhe mehr und soll heute noch in Nebelnächten auf seinem Schimmel durch die Nacht reiten. Was man vom Richter Galen allerdings nicht berichtet.


Karlheinz Bohnmann





Radtour zum Emscherbecken

Höfe bleiben als Inseln


Der Vorstand unter Leitung von Paul Gausepohl hatte die Vereinsmitglieder zu einer Abendradtour (18. Mai) durch die Mengeder Heide, Ickern, Deininghausen, Dingen und Östrich (Länge etwa 20km) eingeladen. Zwölf Vereinsmitglieder hatten sich bei schönem Radelwetter eingefunden um Neuigkeiten aus der Mengeder Umgebung zu erfahren. Erstes Ziel war der Mengeder Kommunalfriedhof, der Anfang der 60iger Jahre angelegt wurde. Die Rittershofe zählte zu den fränkischen Befestigungsanlagen entlang der Emscher. Die Bauarbeiten zum Emscherrückhaltebecken sind aufgenommen. Die archäologischen Ausgrabungen mit Siedlungsspuren, die bis etwa 1500 v. Chr. zurückreichen, sind abgeschlossen Die Verkehrswege zum Abtransport der Böden und die vorgesehene Technik des Aushubs der Böden sowie die Dauer des Bauvorhabens wurden von einem Mitarbeiter der Baufirma erläutert. Die bestehenden Bauernhöfe bleiben auf Inseln erhalten. Die Baumaßnahme inklusive Stauwerk wird etwa 2019/20 abgeschlossen sein. Über Ickern, Deininghausen und Dingen (alle drei Orte bis zum 1. April 1926 Ortsteile des Amtes Mengede) ging die Fahrt zum Brunosee (Bergsenkung) über die Köln-Mindener-Eisenbahn entlang dem renaturierten Deininghausen Bach nach Dingen, wo im Gasthaus Rüther eine Rast eingelegt wurde. Nach Durchquerung des Hansemannparks wurde nach dreistündiger aufschlussreicher Fahrt Mengede wieder erreicht.

Paul Gausepohl




Sagen und Legenden (10)


Die Marweiber* von Ickern und Mengede


Viele Streiche nachgesagt




Die Emscheraue zwischen Nette, Mengede und Ickern war vor der Regulierung des Flusses und seiner zahlreichen Nebenarme eine Gegend mit einer stark mäandrierenden Emscher und vielen Kolken, aber auch mit vielen schilfbewachsenen Bächen, Teichen und Tümpeln. In einem der großen Teiche lag eine kleine Insel, die mit Sträuchern und Bäumen, Schilf und Wasserpflanzen bewachsen war. In der Tiefe dieses Teiches sollen früher die Marweiber gelebt haben, die beim Mondschein mit ihren Kindern auf die Insel kamen, wo sie mit diesen unter den Bäumen im hohen Gras und Schilf tollten und spielten.

Des Nachts spielten die Marweiber nicht nur mit ihren Kindern, sondern hatten auch die Angewohnheit, mit den im Emschertal heimischen Wildpferden, den „Emscherbrüchern“, oder aber mit den auf den benachbarten Koppeln weidenden Pferden der Bauern Ausritte in die nähere und weitere Umgebung zu unternehmen. Die wilden, teuflischen Reiterinnen durchzogen mit flatternder Kleidung und aufgelöstem Haar Feld und Wald und kehrten wahllos bei einigen Gehöften ein, um hier an Mensch und Tier ihr Unwesen zu treiben. Sie scheuten auch nicht, Siedlungen und Dörfer in der Umgebung aufzusuchen, um auch hier ihr Unheil anzurichten. Nach ihren nächtlichen Ausritten brachten die Marweiber ihre Pferde – zwar abgehetzt und müde – an Ort und Stelle zurück.

Den Marweibern werden in Mengede und Umgebung zahlreiche Untaten zugeschrieben:


Bei einem Bäckermeister in Mengede lebte in einem uralten Haus ein Bäckergeselle in Kost und Logis. Sein Schlafraum war klein und der stinkende Duft der schmutzigen Gasse drang durchs kleine Fenster. Unter dem morschen Fußboden der Schlafkammer lag die Backstube mit ihrer schwülen Wärme. In den frühen Morgenstunden einer sturmdurchbrausten Märznacht öffnete sich die Schlafkammertür und mit schweren Tritten latschte ein Unwesen an das Bett des Bäckergesellen heran. Wie ein Untier mit gewaltigen Tatzen lege sich das unbekannte Wesen auf das Bett und schnürte dem Bäckergesellen den Atem ein. Der Schweiß drang ihm aus den Poren und mit letzten Kräften begann er zu schreien. Der Bäckermeister, der die Notschreie gehört hatte, kam dem Bäckergesellen zur Hilfe. Das Untier verschwand und der Bäckermeister holte den Gesellen zum Kaffeetisch. Dort klärte der Bäckermeister seinen Gesellen auf: „Das Untier war das Marweib. Es kann zu jeder Zeit in der Nacht kommen und dir den Schlaf rauben. Heute kam es als Untier, nächstens vielleicht als altes Weib oder junges Mädchen. Es ist ein böser Geist, dem die Lust zum Quälen bleibt. Stell daher abends die Pantoffeln verkehrt vor das Bett mit den Spitzen zur Tür oder häng einen Wasserkrug vor das Schlüsselloch. Dann verschwindet das Marweib sofort und erscheint nicht wieder!“ Auch ein ehemaliger Schustergeselle aus Nette, der in seinem erlernten Beruf keine Arbeit mehr fand und daher auf der Zeche Germania in Marten die schwere Arbeit eines Bergarbeiters unter Tage aufnehmen musste, wusste viel von Irrlichtern und Erscheinungen auf seinen Wegen zur oder von der Zeche zu erzählen. So standen plötzlich an Stellen, wo am Vortage noch keine Bäume gestanden hatten, verkrüppelte Weidenbäume oder Wacholderbüsche. Auch schwarze Pferde mit pechschwarzen Reitern oder Reiterinnen seinen dicht an ihm vorbeigejagt. Schlimmer noch waren die Irrlichter, die zum einen den falschen Weg wiesen oder zum anderen auch Unglück verkündeten. Als der Schustergeselle seine nächtlichen Erlebnisse seinem alten Meister erzählte meinte dieser: „Das sind die Marweiber! Dagegen hilft nur ein Mittel: Du musst den linken Schuh ausziehen, musst ihn umkehren und ihn dann wieder anziehen und deinen Weg fortsetzen. So kann dir ein von den Marweibern entzündetes Irrlicht nichts anhaben!“

Den Marweibern werden in Mengede und Umgebung noch viele andere Untaten nachgesagt. Insbesondere bei Unwohlsein oder Übelkeit, noch öfter bei Verirrungen auf nächtlichen Heimwegen waren in verschiedensten Erscheinungsformen die Marweiber nach Auskunft der Alten Ursache des Übels. Und die Alten hatten nahezu immer einen banalen Vorschlag, wie man diesem Übel begegnen konnte.

Über das Ende der Marweiber erzählt folgende Sage:


In Ickern lag in der Nähe eines Gehöftes ein tiefer Teich mit Insel. Als die Knechte und Mägde eines Tages ans Wasser gingen, hatten sie einen eigenartigen Anblick. Im Grase lag ein am ganzen Leibe behaarter Knabe, der rau wie ein Hund war. Sie nahmen den Knaben mit zum Hof, um ihn unter der Ofenbank zu trocknen. Als sie am Abend zurückkehrten, war sein Platz unter der Ofenbank leer. Vielmehr fanden sie ihn nach langer Suche hinter einer Hecke in der Nähe des Teiches, wo sie das Marweib erkannten, das den Knaben tränkte mit dem murmelnden Singsang: „Trink, mein Kindchen, trink!“ Von nun an brachten die Leute den Knaben jeden Abend zur gleichen Stelle. Als aber der Knabe größer wurde, glaubten sie, dem Marweib einen Gefallen zu tun, wenn sie ihn vom Haarkleid befreien würden und glatt schören. Da sie bei der Schur aber nur bis zur Hälfte kamen, weil der Knabe pünktlich am Teich abgelegt werden musste, hörten die Leute, wie das Marweib bei Anblick des Knaben zornig wurde und rief:


„Sau ös ji min Kind hebbt schuoren,

Is ine Glück up de Stie verloren!“

(„So wie ihr mein Kind habt geschoren,

Ist euer Glück auf der Stelle verloren!“)


Dann verschwand sie mit dem Knaben im Wasser und die Marweiber waren seither von niemandem mehr gesehen. Doch: Auf den Gehöften und bei den Bewohnern in unmittelbarer Nähe des Teiches lasteten über viele Generationen entsprechend dem ausgestoßenen Fluch viel Unheil und Unglück.

Paul Gausepohl


*Die Marweiber – auch Nachtmaren genannt – sind dem Aberglauben nach in Wassertümpeln, Kolken und Teichen lebende weibliche Geisterwesen, die sich auf die Brust oder Schulter schlafender oder schlafwandelnder Menschen setzten und Albträume hervorrufen.


Literatur:

  • Schopohl, Fr., Heimatlicher Geisterglaube, in: Heimatblätter für Castrop und Umgebung, Nr. 6/2. Jahrgang 1923 vom 15.06.1923, S. 23-24
  • Weitkamp, Fritz, Von unserer Väter Art und Sinnen, Osnabrück 1935
  • Zaunert, Paul, Westfälische Sagen, Regensburg 1967
  • Kollmann, Adelheid, Sagen aus dem alten Vest und dem Kreis Recklinghausen, Recklinghausen, 1994
  • Sondermann, Dirk, Emschersagen, Bottrop 2006


Vor 45 Jahren:


Die letzte große Fronleichnamsprozession


Pfarrer stand vor Gericht



Gesetzliche Bestimmungen machten im März 1850 den Weg für „althergebrachte“ Prozessionen frei und Mengedes Pfarrer Schnettler war beseelt von dem Gedanken, eine Prozession durch die Feldflur ins Lebens zu rufen. Die adeligen Familien Rump zu Dellwig und Droste zu Vischering stellten die Nutzung ihres Grundbesitzes um Haus Mengede bzw. Rittershofe für das Vorhaben zur Verfügung, das Generalvikariat war ebenfalls einverstanden bat aber, der Polizeibehörde vorher Anzeige zu machen und den vorgesehenen Weg genau anzugeben.

Zu dieser Anzeige kam es erst gar nicht, denn der Mengeder Ortsvorsteher Wünnenberg erhob schon frühzeitig Protest, er untersagte ausdrücklich, Kommunaleigentum mit der Prozession zu betreten. Aufgrund schriftlicher und mündlicher Verhandlungen und unter Einschaltung des Dekanats des Kreises Dortmund war der Mengeder Pfarrer und die Gemeinde der Meinung, das Verbot sei aufgehoben gewesen.

Der 06. Oktober 1850 war dann der große Tag für die Gemeinde und, wie sich später herausstellte, ein folgenschwerer für den tapferen Kirchenmann. Am 20.10.1850 berichtete das „Sonntags-Blatt“, Münster u.a.:


Nach vollendetem Levitenamte wallte in unübersehbaren Reihen die Prozession mit Geistlichen und Laien aus mehr als 8 Gemeinden und zwei Bistümern durch Mengede in der Grafschaft Mark. Mehr als 1000 Gläubige (1850 hatte Mengede rund 700 Einwohner) waren unterwegs, und in einer begeisternden Rede durch den hochwürdigen Kaplan Stumpf, Altlünen, an der dritten Station, wurde der versammelten Menge der heilige Remigius dargestellt.

Die Prozession verlässt Anfang der 50-er Jahre die Station vor „Haus Mengede“


Die Prozession begann an der katholischen Schule (heute Freihof-/Ecke Siegenstraße), führte über den Kommunalweg nach Brüninghausen (heute: Strünkedestraße), bei Isbruch vorbei zum Gut Rittershofe, nach Jansen „Am Schlagbaum“ (später Borgmann, heute Birnbreier), dann über den Mühlenweg zur Kapelle bei Haus Mengede (heute Autokrane Wiemann) und von dort aus zur ehemaligen Pfarrkirche (1908 abgebrochen) an der heutigen Freihofstraße.

Die Polizeibehörde hatte die Prozession im Gegensatz zur Meinung der Gemeinde nicht genehmigt. Nur kirchliche Prozessionen „in der hergebrachten Art“ bedurften nach geltendem Recht keiner Genehmigung. Da die Mengeder Prozession nicht als „althergebracht“ galt wurde Pfarrer Schnettler vor die Schranken des Gerichts bestellt und am 11.02.1851 verurteilt. Urteilsbeschwerden, Niederschlagungs- und Begnadigungsanträge an den König hatten keinen Erfolg und auch das Armenrecht wurde dem Mengeder Pfarrer nicht gewährt. Am Ende des Verfahrens, nach fast einem Jahr, waren die Bemühungen Pfarrer Schnettler's umsonst. Der Mengeder Prozession wurde keine Tradition zuerkannt und das Urteil wurde rechtskräftig. 10 Taler Strafe und 12 Taler, 6 Silbergroschen, 7 Pfennige für die Kosten des Verfahrens wurden im September 1851 durch Pfarrer Schnettler geleistet, ein Summe, von der er gut ein halbes Jahr hätte leben können.

Der Pfarrer plante trotz Verurteilung auch für 1851 die Prozession. Zwar hatte Amtmann Gutjahr, Castrop, am 07.06.1851 wieder ein Verbot ausgesprochen, der Pfarrer ließ aber nicht locker und erwirkte am 21.06.1851 die Genehmigung der Prozession für den folgenden Fronleichnamstag (22.06.1851).

Jahr für Jahr zogen die Katholiken durch die Mengeder Feldflur und seit 1861 wurde auch ausdrücklich dem Abschießen von Böllern zugestimmt. Die Prozessionen einschließlich des Salvenschießens an den einzelnen Stationen waren zum festen Bestandteil des Gemeindelebens geworden.

Den ersten Weltkrieg überstand die Fronleichnamsprozession ebenso wie die Zeit, in der die Franzosen Mengede besetzten. Allerdings legten die Franzosen Wert darauf, dass nur religiöse Fahnen mitgeführt wurden.

Unterbrechungen der Prozession sind bis zum Jahre 1940 nicht zu erkennen, obwohl einige Jahre nicht protokolliert wurden. Was die unruhigen Verhältnisse im 19. Jahrhundert, der erste Weltkrieg und die Franzosen in den 20er-Jahren nicht schafften, vollbrachten die Herrscher im „1000jährigen Reich“.

Ab 1939 wurde der Weg immer mehr eingeschränkt und 1944 schließlich in das Innere der Kirche verbannt. Nach Kriegsende führte der Weg nur um die Kirche, da die Straßen noch für das Militär blockiert waren. Ab 1946 ging es dann wieder „althergebracht“ durch die Felder um Haus Mengede und Gut Rittershofe. Die Emscher-Notbrücke an der Siegenstraße war für eine so große Menschenmenge jedoch nicht geeignet, daher führte der Weg hin und zurück noch über die Waltroper Straße ehe 1950, hundert Jahre nach der ersten Prozession, annähernd der frühere Weg wieder eingeschlagen werden konnte.

Geschmückt und herausgeputzt waren Straßen, Wege, Höfe und Haus, und die Bürger, die die Stationen herrichteten, schnitten Grün und Schilf, banden Schleifen und Blumen für Altäre und Plätze und schufen kleine Kunstwerke, die leider auch manchmal den Wetterkapriolen vor Beginn der Prozession zum Opfer fielen. Stellvertretend für Mägde, Knechte, Nachbarn und Freunde der Erbauer der Stationen soll hier Frau Kraft verw. Minnerop erwähnt werden, die im Jahre 1965 zum 50. Male für die Organisation auf Gut Ritterhofe verantwortlich gezeichnet hätte. Eine grundlegende Änderung war für dieses Jahr vorgesehen, denn bei Gut Rittershofe sollte an der dritten Station eine hl. Messe mit Kommunion gefeiert werden. Ein anhaltender Sturzregen machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung und erst im folgenden Jahr konnte dieses Vorhaben realisiert werden. Der Innenhof des Gutes bot älteren und kränklichen Gemeindemitgliedern im Auto die Teilnahme.

Die Prozession 1966 entsprach schon nicht mehr dem Traditionellen, und ab 1967 unterlag die Gestaltung des Fronleichnamstages grundlegenden Erneuerungen. Mit einem Hochamt auf dem Schulhof am Markt und anschließender Prozession in die Kirche fand das Fest entgegen der Tradition seine neue und für die Zukunft festgeschriebene Würdigung.

Mehrere Tausend Teilnehmer gingen in den frühen 50-er Jahren durch die Mengeder Heide. Geblieben ist neben der Erinnerung ein schlichtes Eichenkreuz am Waldesrand an der Rittershofer Straße (vor dem Autobahnbau kennzeichnete es den Eingang zum Gutshof), vor dem Jahr für Jahr auf Rittershofe der Altar aufgebaut worden war.

Franz-Heinrich Veuhoff





Ausflug an den Niederrhein


Interessante Ziele Kevelaer und Xanten



Der Vorsitzende des Heimatvereins, Paul Gausepohl, konnte am frühen Sonntagmorgen (19.06.2011) 59 Heimatfreunde zum diesjährigen Eintagesausflug begrüßen. Ziel der Fahrt waren die niederrheinischen Städte Kevelaer und Xanten.

In seiner Begrüßung wies der Vorsitzende drauf hin, dass die Grafschaft Mark von 1368 bis 1805 mit der Grafschaft Berg in der Grafschaft Berg und Mark verbunden war und somit zahlreiche gemeinsame historische Wurzeln bestehen.

Die Fahrt führte zunächst in den Wallfahrtsort Kevelaer. Zahlreiche Teilnehmer besuchten in der Wallfahrtsbasilika St. Maria ein lateinisches Choralamt. Die aus roten Klinkern in den Jahren 1858 – 1864 erbaute Basilika ist auf einem kreuzförmigen Grundriss errichtet und lehnt sich an die Architektur der frühgotischen Kathedralen an. Das Innere der Kirche bietet dem Besucher einen überwältigen Anblick durch die Einzigartigkeit des Farbenspiels. Die Vielfalt der Ausstattung, die farbenfrohen Malereien an den Wänden und in den Gewölben, die in Rot gehaltenen Säulen und Arkadenbögen sowie die farblich wunderschönen Kirchenfenster sorgen für eine einzigartige ikonographische Ausmalung. Der mit 93 m hohe Kirchturm prägt das Stadtbild von Kevelaer. Zum Wallfahrtskomplex gehören ferner die Gnadenkapelle und die Lichterkirche.

Der Aufenthalt im Wallfahrtsort fand Abschluss durch einen Stadtrundgang in der Fußgängerzone, in der kleine Geschäfte und viele Cafés zum Verweilen anlockten.

Das gut bürgerliche Mittagessen wurde im „Gotischen Haus“ in Xanten eingenommen. Der Nachmittag stand allen Teilnehmern zur freien Verfügung, wobei sicherlich alle Heimatfreunde dem St. Viktor Dom in Xanten einen Besuch abgestattet haben.

Dieser Dom ist eine fünfschiffige Basilika mit einer monumentalen Doppelturmfassade. Die Ursprünge der Kirche gehen auf 400 n. Chr. zurück. Im 8. Jahrhundert wurde das Stift gegründet, woran heute noch der Lettner inmitten des Domes erinnert. Der Baustil reicht von der Spätromanik bis zur Gotik. Der Kirchenraum wurde von den Stiftsherren reichhaltig ausgestattet mit zahlreichen Altären, Skulpturen, Glasfenstern und biblischen Figuren. Der in den Jahren 1190 bis 1530 erbauten Dom prägt wie in Kevelaer das Bild der Stadt.

Für die meisten Teilnehmer endete der Xantenbesuch mit einem Stadtrundgang bzw. Stadtrundfahrt mit einer Elektrobahn. Mit dem Dank an die Organisatoren Ulla und Horst Pöpping sowie Jürgen Karlshaus und Jürgen Möller endete ein ereignisreicher Tag, der den Teilnehmern trotz des Dauerregens nachhaltige Eindrücke vermittelt hat.

Paul Gausepohl





„Zwickelerlass“ - Der Staat als Modeschöpfer


Minister schrieb Badekleidung vor



Der Staat scheut sich nicht, angemessen oder unangemessen in persönliche Angelegenheiten einzugreifen. Dies war auch in früherer Zeit so. Lesen Sie selbst, wie sich der preußische Staat vor fast 80 Jahren auch um die „Anzugsordnung“ gekümmert hat.

Als Zwickelerlass wurde im Volksmund ein am 18. August 1932 vom preußischen Innenministerium herausgegebener Erlass bezeichnet, der vorschrieb, welche Kleidung beim Baden zu tragen war. Er wurde so genannt, weil darin das Wort Zwickel mehrfach vorkam.

Die sich in den späten zwanziger Jahren lockernden Sitten machten auch vor der Bademode keinen Halt. Insbesondere die Badebekleidung der Frauen wurde zunehmend knapper. Da Konservative hierin eine Gefahr für die öffentliche Ordnung sahen, gab das Ministerium eine Polizeiverordnung zur Ergänzung der Badepolizeiverordnung heraus, in der detailliert vorgegeben wurde, wie die Badebekleidung von Männern und Frauen auszusehen hatte.

U. a. musste der Badeanzug von Frauen den Oberkörper vorne vollständig bedecken und mit einem Zwickel versehen sein. Der Rückenausschnitt durfte nicht über das untere Ende der Schulterblätter hinausgehen. Männer mussten mindestens eine Badehose mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel tragen, in Familienbädern sogar einen Badeanzug. Außerdem war öffentliches Nacktbaden generell untersagt.

Es war der letzte Erlass einer frei gewählten Regierung vor dem Nationalsozialismus und dieser Erlass gilt noch heute als Symbol für das unangemessene Eingreifen des Staates in persönliche Angelegenheiten.

Franz-Heinrich Veuhoff






Warum Siebenschläfer?


Bauernregel für den Juni




  • Ist der Siebenschläfer nass, regnet‘s ohne Unterlass.
  • Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne.


Seinen Namen verdankt der Siebenschläfertag einer alten Legende. Um einer Christenverfolgung unter Kaiser Decius (251) zu entgehen, verbargen sich sieben Jünglinge in einer Höhle im Berg Kalion bei Ephesus. Dort schliefen sie ein, wurden entdeckt, lebendig eingemauert und wachten erst 446 nach zufälliger Wiedereröffnung der Höhle auf. Vor dem herbeigeeilten Bischof und dem Kaiser selbst bezeugten sie das Wunder und starben, vom Glorienschein der Heiligkeit umgeben.

Die Sage ist, wie die Verehrung der sieben Heiligen selbst, weit durch den Orient verbreitet und begegnet uns auch in einer „Die Höhle“ überschriebenen Sure des Korans. Sie erscheint auch schon frühzeitig um 570 im Abendland und auch in altfranzösischer und altdeutscher Sprache sind mehrere Bearbeitungen der Legende vorhanden. Der Gedächtnistag in der römischen Kirche ist der 27. Juni, in der griechischen der 4. August. Es ist ein weit verbreiteter Volksglaube, dass, wenn es am 27. Juni regnet, während der folgenden sieben Wochen jeden Tag etwas Regen fällt.

Statistische Analysen ergaben, dass die Regel zwar nicht für den Siebenschläfertag selbst, jedoch für die erste Juliwoche in Süddeutschland in 60 – 70 % der Fälle zutrifft. Dies hängt mit schmalen Starkwindbändern im Bereich der oberen Troposphäre zusammen, die im Vergleich zu anderen Wetterphänomenen sehr verlässlich und stabil in ihrem Auftreten sind und sich üblicherweise Ende Juni bis Anfang Juli für einige Zeit stabilisieren. Für Norddeutschland mit dem stärker maritim geprägten Klima ist die Regel nach den Forschungen nicht anwendbar.

Franz-Heinrich Veuhoff



Konzert in der Kaue


Luftwaffenmusikkorps 3 auf Hansemann





Das Luftwaffenmusikkorps 3 Münster unter Leitung von Hauptmann Timor Oliver Chadik ist auf Einladung der Bürgerschützen, des Stadtbezirkmarketings und des Kulturzentrums zu Gast in der ehemaligen Kaue der Zeche A. v. Hansemann. Die Einnahmen des Benefizkonzertes gehen komplett an gemeinnützige Einrichtungen im Stadtbezirk. Der Eintritt beträgt 10,00 Euro, das Konzert findet am Dienstag, den 12. Juli 2011 statt, Beginn ist um 19.30 Uhr.

Eintrittskarten können an den jeweiligen Stammtischabenden und den bekannten Vorverkaufsstellen im Stadtbezirk erworben werden.




Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14, 44359 DO (0231 - 33 76 90)

 
 
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