Februar Stammtisch mit Diethelm Textoris

Auf dem Höhlenweg von Witten zum Hönnetal, ein Vortrag über eine Wanderung mit erdgeschichtlichen und mittelalterlichen Spuren

Beim Februar Stammtisch nahm uns unser Wanderführer Diethelm mal wieder auf eine seiner Wanderungen mit. Es ging auf dem Höhlenweg von Witten ins Hönnetal, und einige der über sechzig Besucher fühlten sich in ihre Schulzeit versetzt. Zu vielen der gezeigten Ziele führten seinerzeit die „Klassenfahrten“.

Der Höhlenweg (X4) ist seit 2014 kein offizieller Wanderweg mehr. Er wurde aus dem Wegenetz des sauerländischen Gebirgsverein gestrichen und aus dem Wegekataster entfernt. Aus diesem Grund machte sich Diethelm mit seinem Hund Cooper und alten Wanderkarten auf die Spurensuche eines Weges, den es eigentlich schon nicht mehr gibt.

Die viertägige Frühlingswanderung startete am Hauptbahnhof Witten, einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude aus dem Jahre 1901. Vorbei am Schloss Steinhausen führte der Weg ins romantische Muttental, der Sage nach die „Wiege des Bergbaus“. Hier steht noch das alte Bethaus aus dem Jahre 1830, in dem die Bergleute um Schutz bei ihrer gefährlichen Arbeit baten.

Durch Volmarstein mit seinen gut erhaltenen Fachwerkhäusern und der imposanten Burgruine führte der Weg weiter nach Wetter mit seinem historischen Rathaus. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist der Harkortturm. Nach Ersteigung der 130 Stufen zur Aussichtsplattform kann man den Fernblick über den Harkortsee bis ins Sauerland genießen.

Dann geht es über die Ruhrhöhen des Ardeygebirges nach Hohensyburg. Hier thront das Kaiser Wilhelm Denkmal hoch über dem Hengsteysee. Eine weithin sichtbare Landmarke ist die romanische Kirche St. Peter zu Syburg, in ihrem Ursprung die älteste westfälische Kirche (Gründungsjahr 776).  Das Barbarafenster ist für das umliegende Bergbaugebiet von besonderer Bedeutung, da die heilige Barbara als Schutzpatronin der Bergleute gilt.

Neueren Datums ist das Casino Hohensyburg, das zu Spitzenzeiten als die Spielbank mit dem zweithöchsten Umsatz in Europa galt (nach Monte Carlo).

Weiter verläuft der Weg ins Ruhrtal und danach hoch zum Schälk und zur Dechenhöhle, die 1868 von zwei Eisenbahnarbeitern entdeckt wurde. An die Geschichte mit dem Hammer in der Felsspalte erinnerten sich viele Besucher. 400 der insgesamt 902 Metern sind für Besucher zugänglich und bieten einen vielseitigen Reichtum an vielen unterschiedlichen kristallinen Ablagerungen.

Das Felsenmeer in Hemer ist die nächste Sehenswürdigkeit. Es ist 385 Millionen Jahre alt, entstand aus einem tropischen Flachmeer und umfasst ca. 35 ha. Auch hier regiert die Sagenwelt. So soll der Zwergenkönig Alberich durch eine Zauberei für die Entstehung verantwortlich zeichnen.

Hier gibt es ebenfalls eine Höhle zu besichtigen, die (nicht so bekannte) Heinrichshöhle. Ihr besonderes Merkmal ist das vollständige Skelett eines Höhlenbären.

Zwischen dem Balver Ortsteil Binolen und der Burg Klusenstein befindet sich die Feldhof- Höhle. Sie bildet mit der benachbarten Tunnelhöhle und der Friedrichshöhle ein gemeinsames Höhlensystem. Es gibt nur wenige Tropfsteine. Im zweiten Weltkrieg diente sie als Munitionslager.

In dieser Zeit entstand in den Steinbrüchen des Hönnetals eine gigantische, künstlich angelegte Stollenanlage, in der sollte unterirdisch das knappe Flugbenzin hergestellt werden. Mehr als 10.000 Menschen verschiedenster Nationalität wurden als Arbeitssklaven herangezogen.
Mit Balve Binolen erreichen wir das Ziel unserer Wanderung mit der bekannten Reckenhöhle. Von den 2,5 Kilometern Höhlengänge sind 300 Meter für Besucher zugänglich. Sie ist vollständig barrierefrei, so dass auch Menschen mit Rollstühlen die Höhle vollständig besichtigen können, und das lohnt sich wirklich.
Am Ende des Vortrages resümierte unser Referent:
„Schade, dass dieser landschaftlich reizvolle, kulturträchtige und geologisch interessante Wanderweg als solcher nicht mehr existiert.“
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!!

Hans- Ulrich Peuser bedankte sich für diesen kurzweiligen und doch so lehrreichen Vortrag. Als Dankeschön gab es nicht wie sonst üblich einen Remigiustropfen, sondern einen Gutschein für Hundefutter, damit Cooper auch die nächsten Wanderungen mit seinem Herrchen gut übersteht.

Franz-Josef Fedrau

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