Die Idee, in Mengede ein jährliches Musikfestival zu veranstalten, hatten vor mehr als 20 Jahren die Gründungsmitglieder des Heimatvereins Mengede Franz-Heinrich Veuhoff und Wilfried Jürgens.
Diese Idee wurde vom damaligen Vorsitzenden Paul Gausepohl aufgenommen und entwickelte sich in den Folgejahren zum Selbstläufer. Am vergangenen Sonntag (31.5.) konnten der jetzige Vorsitzende Hans-Ulrich Peuser, Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann und die diesjährige Schirmherrin Dr. Barbara Welzel die Teilnehmenden des 19. Musikfestivals begrüßen.



Wieder war es eine Veranstaltung, die das Adjektiv grandios mehr als verdient hat: 11 Musikgruppen mit über 150 Mitwirkenden aus dem Stadtbezirk und der unmittelbaren Nähe, die doppelte Anzahl von wechselnden Zuhörenden in der stets gut gefüllten evangelischen St. Remigius Kirche und über 20 Helferinnen und Helfer bei Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Veranstaltung. Doch was am meisten bestach, war das breite Spektrum der musikalischen Beiträge auf hohem qualitativem Niveau, dargeboten von Akteuren vom Kindergartenalter bis zur Generation 80plus.
Der Auftakt des Programms führte zunächst in Richtung „zurück zu den Ursprüngen“. Denn ursprünglich war das Festival ein reines Chorfestival und hatte in dieser Funktion im Jahre 2005 den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler nach Mengede gelockt, der ein ausgesprochener Liebhaber der Chormusik war. So waren zu Beginn gleich drei Chöre tonangebend. Der Chor „Take Two“ von Ludger Haumann erinnerte an die einst gefeierten Künstlerinnen Hildegard Knef, Trude Herr und Whoopi Goldberg und ließ dabei musikalische Rosen regnen. Der Noah Projektchor unter der Leitung von Reinhard Kraus bot Stücke von Udo Jürgens, Reinhard Mey und Hannes Wader und der Noah Nova Chor, ebenfalls von Ludger Haumann geleitet, bot den mexikanischen Ohrwurm „Cielito Lindo“ und den zeitlosen Klassiker der Flying Pickets „Only You“. Auch wenn man die vorgetragenen Lieder schon unzählige Male gehört hatte, so boten sie doch im Vortrag durch die Chöre ganz neue Hörerlebnisse.



Reiselust weckend präsentierte sich Ritter`s Mandolinen-Konzert-Gesellschaft von 1921. Dirigiert von Monika Rautert, einer Nachfahrin des Gründers, ließen sie die Zuhörenden mit dem deutschen Komponisten Gerhard Winkler klangvoll von Italien und danach mit dem italienischen Komponisten Simone Salvetti von Spanien träumen.
Musikalische Perlen vom Tango über den Walzer zum Marsch boten die Emscher Perlenfischer, die Hauskapelle des Heimatvereins. Unter die Haut gehend der Vortrag ihres Sängers Werner Mühlbrod, der mit seiner kräftigen Tenorstimme und Zarah Leanders „Davon geht die Welt nicht unter“ gegen alle Krisen der Welt anzusingen schien. Den glanzvollen Abschluss des ersten Teils lieferten die Bad Boys aus Dortmund von Hans Frambach, die mit „Daddy sang bass“ und „Rhythm of life“ einen Einblick in die Vielfalt der von ihnen vertretenen Stilrichtungen gaben.



Nach der Pause gehörte der Altarraum, der für das Festival als Bühne fungierte, den jungen Künstlern, den Kindern und Heranwachsenden. Mit Unbeschwertheit sangen die „Emscherwichtel“, von denen die Jüngsten gerade mal knapp drei Jahre alt waren, unter der Anleitung von Petra Kern, mit stimmlicher und körperlicher Überzeugungskraft „Du bist wunderbar“ und „Das Igelleben macht mir Spaß.“ Ein bisschen älter und vielleicht deshalb auch ein bisschen gesetzter präsentierte sich der Chor der Regenbogen Grundschule mit Chorleiterin Sonja Jöher. Souverän meisterten sie den Zungenbrecher “Ippzippelippzippelonikus“ und forderten das auch von den Zuhörern.


Die Musikpädagogen Hanna Semme und Harald Berger hatte die Junior Band und die Rockband der Reinoldi-Gesamtschule mitgebracht, die wieder einen Hauch von Wacken durch das Kirchenschiff wehen ließen. Ihnen gelang es, mit modernen Titeln wie „Rain Dance“ auch die Älteren anzusprechen und mit einem tollen Gitarrensolo bei „Stairway to heaven“ vielleicht neue Rockfans zu gewinnen.


Dass sie nicht nur mit Shantys wie dem „Hamburger Veermaster“ das Kirchenschiff gefühlt zum Schwanken bringen konnten, bewiesen die Sängerinnen und Sänger des Shanty Chores Waltrop unter Leitung von Vera Will mit den von ihnen besungenen „Roten Rosen“, die das Publikum zum Mitsingen und Schunkeln animierten. Der Chor „Stimmproblem“ machte seinem Namen wieder keine Ehre, denn er besang vielstimmig und stimgewaltig nicht nur die Pein der Hölle sondern auch romantisierend das Bergmannsleben. Wie zum Konzertbeginn, wies auch der letzte Beitrag des fast fünfstündigen Programms zurück zu den Wurzeln.


Der Bläserchor der Noah-Kirchengemeinde mit Chorleiter Peuser intonierte feierliche sakrale Werke in Würdigung des Veranstaltungsortes St. Remigius Kirche, einem der ältesten Sakralbauten in Dortmund. Zum Festival-Ausklang lieferten sie auch die musikalische Begleitung zum gemeinsam mit dem stehenden Publikum gesungenen Steigerlied als immer wieder berührenden emotionalen Moment.
Für den stets guten Ton hatte Peter Jürgens als technischer Soundmaster gesorgt, Ingrid Westphal hatte informativ und kurzweilig durch das Programm geführt.


Vor der Kirche und im Heimathaus gab es während der gesamten Veranstaltung mit Liebe gebackene Herzwaffeln, deftige Würstchen, kalte und warme Getränke. Ein besonderes Lob bekam nach der gelungenen Veranstaltung die Schirmherrin Prof. Dr. Barbara Weizel von Chorsängerin Christel Majewski: „Ich habe alle Musikfestivals mitgemacht, aber zum ersten Mal war die Person der Schirmherrschaft vom Anfang bis zum Ende anwesend.“ Publikum und Veranstalter Peuser freuen sich schon auf das 20jährige Jubiläum: „ Es haben nicht nur fast alle der diesjährigen Gruppen zugesagt, wir werden auch neue Gäste begrüßen können.“
Gekürzt erschienen in den Ruhr Nachrichten am 6.6.2026. Diethelm Textoris

