Das Mengeder Amtshaus
Geschrieben von: Franz H. Veuhoff   
  1. Auszug aus der Denkmalliste

  1. Das Mengeder Amtshaus (Geschichte)

  1. Das Amtshaus in Daten

  1. Denkschrift zur Einweihung des Amtshauses

 

1. Auszug aus der Denkmalliste

Das Amtshaus ist ein aus zwei Teilen bestehender Gebäudekomplex des ehemaligen selbständigen Amtes Mengede, heute Sitz der Bezirksverwaltungsstelle des Dortmunder Stadtbezirks Mengede.

Das Gebäude hat im Laufe der Zeit mehrere Veränderungen erfahren:

  • offensichtlich der Einsatz neuer Fenster aus Kunststoff ohne Berücksichtigung der ursprünglichen Teilung,

  • eine Metall-Glas-Eingangstür an der Fassade,

  • im Innern seit 1912 diverse, auch bauliche Neueinteilungen des Objekts und

  • in den 1940er Jahren teilweiser Umbau des Kellers zu einem öffentlichen Bunker.

Denkmalumfang:

Die Außenarchitektur und das konstruktive Innengerüst. Im Inneren Vestibül an der Straße am Amtshaus mit Kreuzgratgewölbe, die Vorhalle mit Fliesenboden und der ehemaligen Haupteingangstür (kassiert zu den Amtsräumen), Treppenanlage vom Erd- zum Obergeschoss mit Jugendstilgeländer, Ölfarbenfries im Flur des Obergeschosses, ehemaliges Sitzungszimmer, mit kassierter Eingangstür, Eichenholzvertäfelung und Balkendecke; im Kellergeschoss verbliebene Gefängniszelle. Zum Denkmalumfang gehören ebenfalls die im Zweiten Weltkrieg entstandenen Schutzräume im Keller.

 

 

2. Das Mengeder Amtshaus

Nach der Niederlage Napoleons stand Mengede mit der Bildung der Provinz Westfalen am 30.04.1815 wieder unter preußischer Verwaltung. Das gesamte Kirchspiel gehörte zum Amt Castrop, das sich räumlich vom Fredenbaum bis zur Grenze des Amtes Herne ausdehnte. Rund 80 qkm Fläche hatten die 24 Gemeinden des Amtes Castrop und 1871 insgesamt etwa 10.000 Einwohner. Die industrielle Entwicklung der Region ließ die Einwohnerzahl bis 1888 auf 19.572 Einwohner anwachsen.

Die Verwaltungsaufgaben wurden mit dem Bevölkerungszuwachs so vielschichtig, dass die Königliche Regierung zu Arnsberg am 1. März 1887 Verhandlungen zur Teilung des Amtes einleitete.

13 Gemeinden beschlossen am 28.02.1888 die Bildung des Amtes Mengede, die restlichen 11 Gemeinden votierten aber gegen eine Teilung der bisherigen Verwaltung.

Nach der Amtsgründung 1889 genügten die für den Übergang eingerichteten Diensträume nicht mehr den gestiegen Bedürfnissen, daher beschloss die Amtsversammlung am 24. Januar 1895, ein an der Bahnhofstraße (heute: Am Amtshaus 1) gelegenes Grundstück zu erwerben. Die Verhandlungen über den Bau eines Amtshauses gestalteten sich jedoch auf Grund erheblicher Meinungsunterschiede zum Standort sehr schwierig, da auch alternative Standorte in die Diskussion eingebracht wurden.

Die alte Bürgerschaft wünschte die Errichtung des Amtshauses am historischen Platz des früheren Rathauses, dass an der Mengeder Straße, gegenüber dem Hotel Handelshof auf dem ehemaligen Tankstellengrundstück stand. Amtmann Schragmüller und einige Amtsvertreter votierten dagegen für den heutigen Standort. Erst am 2. August 1902 wurde durch die Amtsverwaltung mehrheitlich die endgültige Entscheidung für die Beibehaltung des Bauplatzes an der Bahnhofstraße gefällt und umgehend die Ausschreibung des Projektes veranlasst. Der für einige Zeitgenossen recht eigenwillige Amtmann hatte mit dem ihm eigenen Weitblick wieder einmal für die auch aus heutiger Sicht noch richtige Entscheidung gesorgt.

image002Am 28. März 1903 entschied ein Preisgericht über 16 eingereichte Bauvorschläge zum Architektenwettbewerb. Der erste Preis wurde einstimmig dem Entwurf des Architekten Markmann unter dem Titel "Licht und Luft" angenommen. Mit einem Kostenanschlag von 105.000,00 Mark genehmigte am 23. Juni 1903 die Amtsverwaltung den Neubau. Bereits am 01. Juli 1903 erfolgte der erste Spatenstich. Im November 1904 wurde der Neubau mit Gesamtkosten in Höhe von 136.000,00 Mark fertig gestellt und bezogen.

Das Amtshaus wurde als freistehendes Gebäude errichtet. Der Haupteingang liegt zur Straßenseite Am Amtshaus, ebenso der Eingang zur früheren Wohnung des Amtmanns im Obergeschoss und zur Kastellanwohnung im Souterrain. Das Grundstück war mit Hofraum und gärtnerischen Anlagen umgeben. Zu bemerken ist noch, dass ein kleiner Teil des Grundstücks an der Südfront als Gefangenenhof hergerichtet war, der mit hohen Mauern umgeben war. Amtmann Schragmüller beschreibt das Gebäude in den Amtsnachrichten wie folgt: "Die Vorderfront des Gebäudes ist im Stile der Frührenaissance mit moderner Formgebung hergestellt und unter Verwendung von Basaltlava für die Plinte (Sockel) zu einem großen Teil mit Tuffstein verblendet, wobei die einzelnen Architektursteine in weißem Mainsandstein ausgeführt sind. Die freien Flächen der Front haben Zementputz erhalten. Die übrigen Fronten des Hauses sind in schlichtem Ziegelrohbau mit Putzflächen in einfacher Weise ausgebildet. In der Vorderfront erkennt man durch den hohen Giebel mit dem großen fünfteiligen Fenster den Sitzungssaal als den bevorzugten Raum des Hauses, an den sich die Amtmannswohnung anschließt. An der rechten Seite der Front führt eine überdachte Freitreppe zum Treppenhaus der Amtswohnung, links an der Vorderfront führt die Tür in das Kellergeschoss zur Wohnung des Kastellans und zu den Gefangenenzellen. Die Decken des Hauses sind mit roten Biberschwänzen gedeckt, ebenso ist ein Teil der Wandflächen des Treppenhauses in gleicher Weise verkleidet".

Aufgrund einer großen Eingemeindungsvorlage aus dem rheinisch-westfälisch Industriegebiet beschloss der preußische Landtag am 7. März 1928, den gesamten Landkreis Dortmund, zu dem Mengede inzwischen gehörte, aufzulösen und ihn in die Stadt Dortmund einzugemeinden. Bereits zum 1. April 1928 trat das Gesetz in Kraft. Seither wird das Amtsgebäude in verschiedenen Funktionen von der Stadt Dortmund genutzt. Heute ist die Bezirksverwaltungsstelle Mengede im ehemaligen Amtsgebäude untergebracht. Auch die Sitzungen der Bezirksvertretung finden in dem ehemals eingerichteten Sitzungszimmer des Amtshauses statt. Das Amtshaus wurde 1992 in die Denkmalliste der Stadt Dortmund aufgenommen, da es in seiner einmaligen Bauweise und Gestaltung Schutzcharakter genießt.

image004Um die Jahrtausendwende sollte nach den Plänen der Verwaltung das Amtshaus zu einem modernen Verwaltungszentrum umgebaut werden. Nach ersten Schätzungen betrug der Sanierungsaufwand 5, 5 Mio. DM und bereits im Jahre 2001 schätzte die Verwaltung die Kosten auf 7,5 Mio. DM ein. Auch ein Abbruch des alten Amtshauses und ein Umzug in andere Gebäude standen nun zur Diskussion. Nach Stellungnahmen der Verwaltung der Stadt Dortmund war aufgrund der schwierigen Haushaltslage weder an Sanierung- noch an Umbaumaßnahmen zu denken. Lediglich dringende Instandhaltungsmaßnahmen und Arbeiten zur Verkehrssicherheit sollten erledigt werden, Schönheitsreparaturen wurden schon ausgeschlossen.

Diese Planungen standen im Gegensatz zur Meinung der Bevölkerung und der örtlichen Politiker. Gemeinsam setzten sich Bürger und Ortspolitiker für die Erhaltung des Amtshauses ein und der Heimatverein Mengede unterstützte sie dabei vehement. Weder Abriss des denkmalgeschützten Objektes noch eine Ortsverlegung z.B. der Sitzungsstätte und des Trauzimmers konnten die Bürger überzeugen.

Bewegung in eine Sanierung kam im August 2007. Die Verwaltung legte der Bezirksvertretung einen Beschlussvorschlag zum Erhalt vor, der zum Wohle der Bürger und des Ortsbildes angenommen wurde.

Von 2008 bis 2010 wurde das Amtshaus nach den Plänen der Verwaltung zu einem modernen Verwaltungszentrum neu gestaltet. 

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3. Das Amtshaus in Daten

02.08.1902

Die Amtsversammlung beschließt den Bau des Amtshauses am heutigen Standort mit 14 gegen 9 Stimmen und gleichzeitig den Ankauf des Nachbargrundstückes

30.10.1902

Die Amtsversammlung genehmigt den Bau und beschließt die Durchführung eines Architektenwettbewerbs. Es werden 3 Preise in Höhe von 1000, 600 und 400 Mark ausgesetzt. Für den Bau werden 100.000 Mark bereitgestellt.

28.03.1903

Ein Preisgericht entscheidet sich für den Entwurf „Luft und Licht“ des Architekten Markmann.

19.06.1903

Die ersten Aufträge werden vergeben

23.06.1903

Die Amtsversammlung genehmigt den Kostenvoranschlag über 105.000 Mark und stimmt den Beschlüssen der Baukommission zu

01.07.1903

Erster Spatenstich

20.10.1903

Richtfest der Arbeiter nach althergebrachter Sitte mit Pfefferpotthastessen in der Wirtschaft Wiemann (heute: Westfalenhof, Fam. Kaffsack)

November 1904

Anfang November wurde das Gebäude fertig gestellt, Mitte November erfolgte der Einzug der Verwaltung

02.01.1905

„Zu der am 15.1. stattfindenden Amtshauseinweihung offeriere ich kalte Platte á 1,50 M und Rhein-Wein á 1,50 M. Ww. August Wiemann“

09.01.1905

Amtmann Schragmüller lädt alle Amtsbeamten zur Einweihung des Amtshauses ein. „Das Gebäude wird gemeinsam besichtigt. Ich bitte solange auf den einzelnen Bureaus zu verweilen, bis die Besichtigung Ihres Raumes stattgefunden hat und sich dann der Festteilnehmer anzuschließen. 9.1.05 Schragmüller“

12.01.1905

„Infolge des heute Morgen hier ausgebrochenen Bergarbeiterstreiks muss ich die Einweihung des Amtshauses auf unbestimmte Zeit verschieben. Schragmüller“

24.05.1905

Die Kosten einer Denkschrift werden von der Amtsversammlung einstimmig gebilligt.

Amtsversammlung beschließt: von einer Einweihungsfeier des Amtshauses wird einstimmig Abstand genommen.

15.12.2008

Beginn der Sanierung; Einbau eines Aufzugsschachtes im Amtshaus, Teilabbruch des Verbindungstraktes zum ehemaligen Sparkassengebäude an der Remigiusstraße, barrierefreier Umbau, Wartebereich im verglasten Anbau, Holzfenster ersetzen Kunststofffenster, der historische Bunkerbereich bleibt einschließlich der dortigen Gefängniszelle (aus der Bauzeit) erhalten.

22.03.2010

Am Amtshaus beginnt der Abbau der Gerüste. Das Wetter spielt mit und lässt das Gebäude im Sonnenschein erstrahlen.

03.05.2010

Der Umzug vom Provisorium ins restaurierte Amtshaus beginnt

 

 

4. Denkschrift zur Einweihung des Amtshauses

 

 

Denkschrift

zur Einweihung

des

Amtshauses des

Amtes Mengede

 

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Mengede i. Westf., im Januar 1905

 

 

Die Denkschrift wurde 1905 von der Buch- und Kunstdruckerei Karl Strauch in Dortmund gedruckt. Diese Ausgabe ist ein Nachdruck des Heimatvereins Mengede e.V.

DO-Mengede, im November2003                                           w. b.

 

 

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Geschichte des Baues

Durch Verfügung der Königlichen Regierung zu Arnsberg vom 1. März 1887 wurden über die Teilung des Amtes Castrop Verhandlungen eingeleitet, denen zufolge am 28. November 1888 die Vertretungen der Gemeinden Bodelschwingh, Brüninghausen, Deininghausen, Deusen, Dingen, Ellinghausen, Groppenbruch, Ickern, Mengede, Nette, Oestrich, Schwieringhausen und Westerfilde einstimmig der Abzweigung von Castrop zustimmten und die Bildung eines eigenen Amtes mit dem Sitze in Mengede beschlossen. Dieser Beschluss fand am 7. Februar 1889 die Genehmigung des Herrn Ministers und trat am 1. April 1889 in Wirksamkeit. Am 8. Mai desselben Jahres erfolgte die Übersiedelung der Amtsverwaltung von Castrop nach Mengede. Die Beschaffung geeigneter Diensträume machte erhebliche Schwierigkeiten. Bis zum 15. August 1891 war das Bureau in 2 vordem als Metzgerladen benutzten Räumen des Kaufmanns Eberhard Heinrich Baukloh, Bahnhofstraße Nr. 22, untergebracht. Dann wurde die neben der Kirche befindliche, der Gemeinde Mengede gehörige alte Schule angemietet und nach und nach 10 darin befindliche Zimmer zu Dienstzwecken benutzt. Die Gemeindekassen und die Sparkasse wurden in verschiedenen Häusern, entfernt vom Amte, untergebracht.

Bei der Neubildung des Amtes betrug die Seelenzahl 6.299, dagegen im Jahre 1904 15.261 d. i. eine Zunahme von 142 % oder das 1 ½ fache.

Die Steuerkraft (Staatssteuer einschl. Grund?, Gebäude?, Gewerbesteuer) 1889 39.783 Mark oder pro Kopf 6,31 Mark und 1904 103.276 Mark oder pro Kopf 6,11 Mark. Hand in Hand mit dem Anwachsen der Bevölkerungszahl trat auch eine erhebliche Zunahme der Dienstgeschäfte ein.

Die Anmeldungen auf dem Standesamte für das Kalenderjahr 1890 521 (48 Heiraten, 303 Geburten, 170 Sterbefälle) 1904 1212 (143 Heiraten, 768 Geburten,. 291 Sterbefälle), Zunahmen 130 %.

Der Verkehr auf dem Meldeamte stieg von 2060 Gesamtmeldungen im Jahre 1890 auf 13500 im Jahre 1904, Zunahme 550 %.

An Armenunterstützungen wurden 1889/90 8034 Mark gezahlt oder 88 Pfg. pro Kopf, 1903/04 20 884 Mark = 1,50 Mark pro Kopf, Zunahme 160 %.

Die Eingänge an Dienstsachen betrugen 1890 8.270, im Jahre 1904 21.616, Zunahme 160 %.

Bei Errichtung des Amtes waren an Amtsbeamten vorhanden 1 Amtssekretär, 1 Gehülfe und 2 Polizeisergeanten. Jetzt sind vorhanden 1 Amtssekretär, 1 Polizeikommissar, 1 Gemeindeempfänger, 1 Sparkassenrendant, 1 Amtsbaumeister, 6 Assistenten, 6 Gehülfen, 4 Lehrlinge, 6 Polizeisergeanten, 2 Vollziehungsbeamte und 1 Amtsbote.

Bei Errichtung des neuen Amtes im Jahre 1889 genügte 1 Aktenschrank, jetzt sind deren 70 vorhanden. Welche Wandflächen werden allein schon hierdurch erforderlich!

Sitzungen von größeren Korporationen mussten in den Sälen der Wirtschaften abgehalten werden. Die nötigen Akten mussten vom Amte aus dorthin geschafft. werden.

Die Notwendigkeit der Beschaffung eines eigenen Dienstgebäudes wurde daher von Jahr zu Jahr dringlicher. Die Amtsversammlung beschloss am 24. Januar 1895 ein an der Bahnhofstraße dem Grafen Droste-Vischering gehöriges Grundstück in Größe von 25 ar 32 qm zum Preise von 50 Mark pro Rute in Summa von 9031 Mark zu erwerben. Außerdem wurde dem Architekten Dickhöfer in Cöln die Anfertigung von Skizzen für den Bau eines Amtshauses übertragen. Am 8. Mai desselben Jahres wurden diese der Amtsversammlung vorgelegt, welche daraufhin beschloss, 60000 Mark zum Bau des Amtshauses zur Verfügung zu stellen.

Aber die Verhandlungen über den Bau des Amtshauses wurden abgebrochen. Man darf wohl sagen, zum Glück für das Amt. Denn abgesehen von der primitiven architektonischen Ausgestaltung würden die Diensträume schon längst zu klein geworden sein und die Vergrößerung hätte erhebliche Schwierigkeiten gemacht.

Zum Bau des Amtshauses standen zur Verfügung die Abfindung des Amtes Castrop, die auf 13682,50 Mark vereinbart war und ein zu diesem Zwecke besonders angesammelter Fond.

Erst im Jahre 1900 kam die Sache wieder in Fluss und zwar dadurch, dass beabsichtigt wurde, das angekaufte Grundstück, welches nur eine verhältnismäßig schmale Front an der Bahnhofstraße hat, gegen einen anderen dem Grafen Droste-Vischering gehörigen Bauplatz umzutauschen.

Infolge dieses Projektes entstanden in der Amtsversammlung Meinungsverschiedenheiten, die noch dadurch vergrößert wurden, dass der Graf von Bodelschwingh-Plettenberg einen in Mengede gelegenen Bauplatz, den so genannten Gahlens Platz, zum Kaufe anbot.

Wegen der Bauplatzfrage entspann sich leider in der Amtsversammlung ein unerquicklicher Streit, der hier nicht weiter erörtert werden soll, der aber zunächst zur Folge hatte, dass der so notwendige Bau wieder aufgeschoben wurde.

Erst am 2. August 1902 wurde mit 14 gegen 9 Stimmen die Entscheidung für die Beibehaltung des Bauplatzes an der Bahnhofstrage gefällt und gleichzeitig beschlossen, zu diesem Bauplatze noch einen weiteren Platz zum Preise von 20 Mark pro Rute hinzuzukaufen.

Die Gesamtgröße beträgt nunmehr 64,54 ar im Preise von 16515 Mark und umfasst das Gelände zwischen derBrüninghauserstraße, der Amtsstraße und der Bahnhofstraße mit Ausnahme der Gebrüder Bender'schen Besitzung und der der katholischen Kirchengemeinde gehörigen Fläche.

Die von der Amtsversammlung gewählte Amtshausbaukommission bestehend aus dem Unterzeichneten und den Herren Gemeindevorsteher D. H. Schröder?Prein, Groppenbruch, Gemeindevorsteher D. Schröder, Mengede, Landwirt W. Heymann, Brüninghausen, Landwirt W. Schaarmann, Schwieringhausen, Landwirt W. Schween, Ellinghausen, ging rüstig ans Werk und beschloss am 5. Oktober 1902 unter Mitwirkung der Herren Baurat Spanke und Kreisbaumeister Sommer der Amtsversammlung vorzuschlagen, zum Bau eines Amtshauses die Summe von 100.000 Mark bereit zu stellen und die Veranstaltung eines Wettbewerbes zur Erlangung von Bauprojekten unter den Mitgliedern des Dortmunder Architektenvereins zu genehmigen. Es wurden hierbei 3 Preise in Höhe von 1000, 600 und 400 Mark ausgesetzt.

Diese Vorschläge wurden von der Amtsversammlung am 30.Oktober 1902 genehmigt.

Nach dem gestellten Einlieferungstermin - 15. Februar 1903 - trat am 28. März 1903 das Preisgericht, bestehend aus den Herren Baurat Spanke, Stadtbaurat Kullrich, Kreisbaumeister Sommer, Gemeindevorsteher Schröder und dem Unterzeichneten zusammen. Es waren 16 Entwürfe eingegangen mit folgenden Kennwörtern: 1) Central ; 2) In dulcijubilo; 3) Tauscht mit Bender die Ostecke ein, dann wird das Amtshaus auch schmuck und recht fein; 4) Frauenkopf; 5) Glückauf; 6) H. S. M.; 7) †; 8) Emscher; 9) Luft und Licht; 10) (†) (weißes Kreuz); 11) Einfach und licht ? bequem und übersicht; 12) Westfalenland, 13) Freie Lage; 14) Bitte schön: 15) Im Hurrah; 16) Südwest- und Nordostlicht.

Einstimmig wurde der erste Preis dem Entwurfe mit dem Kennwort "Luft und Licht" des Architekten H. Markmann, der zweite Preis dem Entwurf "Central" des Architekten E. Marx und der dritte Preis dem Entwurfe "Bitte schön" der Architekten D. & K. Schulze, Dortmund zuerkannt.

Dem Architekten Markmann, dessen Entwurf mit dem 1. Preise gekrönt und als durchaus geeignet zur Ausführung erachtet worden war, wurden die Anfertigung der Spezialkostenanschläge und die Bauleitung übertragen. Die Baukommission konnte am 9. Juni 1903 zusammentreten, um die ausgearbeiteten Pläne und Kostenanschläge, die sich auf insgesamt 105.000 Mark beliefen, einer Prüfung zu unterziehen. Am 15. Juni 1903 wurden die eingegangenen Offerten geöffnet und gleichzeitig Beschluss gefasst über die Vergrößerung des Sparkassenraumes, über Ausführung massiver Decken statt Holzbalkendecken, Verwendung von Linoleum statt Tannenfußboden und bessere Ausführung der Tischlerarbeiten.

Einige Tage später, am 19. Juni 1903, fand die Vergebung der Erd-, Maurer-, Schmiede-, Klempner- und Walzarbeiten statt.

Am 23. Juni 1903 genehmigte die Amtsversammlung den Kostenanschlag in Höbe von 105.000 Mark und stimmte den weiteren Beschlüssen der Baukommission zu. Gleichzeitig wurde diese bevollmächtigt, Abänderungen des Baues und Überschreitungen der Teilkostenanschläge bis zur Höhe von 3000 Mark und ferner den Verding der sämtlichen Arbeiten und der damit verbundenen Abschließung der Verträge ohne ausdrückliche Zustimmung der Amtsversammlung vorzunehmen.

Am 26. August 1903 beschloss die Baukommission die diebes- und feuersichere Herstellung der Tresorräume, wodurch eine Überschreitung des Kostenanschlags um 4047 Mark entstand.

Am 31. August 1903 stimmte die Amtsversammlung diesem Beschlusse zu. An demselben Tage vergab die Baukommission diese Mehrarbeiten. Am 28. September 1903 wurde die Dacheindeckung vergeben.

Am 19. Dezember 1903 Vergebung der Tischlerarbeiten. Ferner wurde beschlossen, vor den Bureaufenstern an der Sonnenseite Rollläden anzubringen.

Am 18. Januar 1904 Vergebung der Heizungsanlage.

Am 26. Februar 1904 Vergebung der massiven Treppen und der Kanalisationsarbeiten.

Am 25. März 1904 Vergebung der Beleuchtungsanlagen, der Be- und Entwässerungsanlagen, sowie der Wascheinrichtungen; Beschluss, im Sitzungssaal Holzdecke und Holzpaneel anzubringen, sowie den Standesamtsraum würdiger auszubilden, ebenso bessere Ausbildung des Treppenhauses.

Am 8. April 1904 genehmigte die Amtsversammlung die vorstehenden Beschlüsse der Baukommission und bewilligte die für die innere Einrichtung und für die Nebenanlage erforderlichen, im Anschlage nicht vorgesehenen Kosten.

Am 8. Juli 1904 Vergebung der Plattierungsarbeiten und der Glaserarbeiten, sowie der Lieferung und Montage der Beleuchtungskörper.

Am 30. Juli 1904 Vergebung der Anstreicherarbeiten, der Telefon und Klingelleitungen, der Kunstverglasung, der Kunstschlosserarbeiten, der Feuerlöscheinrichtungen und des Linoleumbelags.

Am 9. September 1904 Vergebung der Bureaueinrichtung und Fensterdekorationen.

Am 28. September 1904 Vergebung der Einfriedigung nach den Straßenseiten und des Anstrichs der alten Möbel. Beschlossen wurde die Anbringung einer Drehscheibe im Sparkassenlokal.

Am 4. November 1904 Vergebung der Pflasterarbeiten.

Am 27. November 1904 wurde die Anlage einer Aschengrube und eines Kohlenkastens für die Dachgeschoßwohnung beschlossen und die Herstellung und Aufstellung des eisernen Einfriedigungsgitters, der Fahnenstangen, der Transport der Geldschränke und die Lieferung eines Waschkessels vergeben.

Am 30. November 1904 Vergebung der Einfriedigung an der Amtsstraße.

Am 30. Dezember 1904. Beschlussfassung über die Gartenanlage und über die Einweihung des Amtshauses.

Am 30. Januar 1905. Beschlussfassung über eine gegen einen Lieferanten festzusetzende Konventionalstrafe.

Am 31. Januar 05 beschloss die Amtsversammlung über die Einweihung.

Es haben somit 7 Sitzungen der Amtsversammlung, die den Amtshausneubau zum Gegenstand der Beschlussfassung hatten und 17 Kommissionssitzungen stattgefunden.

Nach dem öffentlichen Verdinge der Arbeiten des Rohbaues erfolgte der erste Spatenstich am 1. Juli 1903. Die Oberleitung verblieb in den bewährten Händen des Architekten Markmann, während der Amtsbaumeister Dübbert die örtliche Leitung und die Beaufsichtigung der Arbeiten übernahm.

 

 

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Ausführung des Baues

Die Erdarbeiten wurden gegen Mitte Juli 1903 in der Hauptsache beendet. Gegen Mitte August war das Gebäude zum Teil bis auf Terrainhöhe und teilweise bis auf Kellergeschoßhöhe fertig gestellt. Am 5. August wurde in Gegenwart der Herren der Bau­kommission eine Urkunde eingemauert. Anfangs September waren die Maurerarbeiten bis auf Erdgeschosshöhe vorgeschritten. Anfangs Ok­tober konnte mit dem Richten der Dachkonstruktionen begonnen werden. Diese Arbeiten waren bis zum 20. Oktober in der Hauptsache beendet. Am 24. Oktober wurde im Saale der Wirtschaft Wiemann hierselbst mit einem vorzüglich bereiteten Pfefferpotthastessen ein Richtfest der Arbeiter nach althergebrachter Sitte gefeiert. Die Dacheindeckung begann sofort nach Beendigung der Richtarbeiten und wurde im Dezember desselben Jahres in der Hauptsache beendet. In diesem Monat begann man mit der Herstellung der massiven Decken und den Rauputzarbeiten.

Am 22. März 1904 ist die Montage der Dampfheizungsanlage in Angriff genommen und anfangs April die der Beleuchtungs?, Be? und Entwässerungsanlage. Die Fenster wurden anfangs Mai eingesetzt und gegen Mitte Mai mit dem Einsetzen der inneren Türen pp. begonnen. Die inneren und äußeren Verputzarbeiten waren im Monat Juni 1904 vollständig beendet. Nachdem sämtliche Installations? und Nachputzarbeiten fertig waren, die Plattenbeläge und massiven Treppen verlegt, die Holz? und massiven Fußböden pp. hergestellt, wurde anfangs August 1904 mit den Anstreicherarbeiten begonnen. Zu gleicher Zeit wurden die Fenster verglast und die Kunstschmiedearbeiten in Auftrag gegeben. Während der Zeit der Ausführung der Anstreicherarbeiten wurden die Kunstverglasungen eingesetzt und das Linoleum verlegt. Sämtliche Bauarbeiten waren Anfang November 1904 fix und fertig, sodass gegen Mitte November die Uebersiedelung aus dem alten in das neue Gebäude erfolgen konnte. Die Einfriedigung an der Bahnhofstraße, Gartenanlage und Hofbefestigung ist in den Monaten Oktober und November 1904 zur Ausführung gebracht worden. Die wesentlichen Arbeiten und Lieferungen sind von folgenden Unternehmern und Meistern ausgeführt:

  1. Die Erd?, Maurer?, Asphalt?, Zimmerer?, Dachdecker?, Klempner?, Blitzableiter? und Walzarbeiten, ferner Verlegen der massiven Treppen, Kanalisationsanlage vom Unternehmer D. Schröder in Mengede, wobei jedoch die Dachdeckerarbeiten durch den Dachdeckermeister Josef Schäfer, die Klempnerarbeiten durch den Klempnermeister Heinrich Schlenkert, beide in Mengede, und die Blitzableiteranlage durch die Firma Ernst Eckardt in Dortmund, für D. Schröder ausgeführt wurden.
  1. Die Werksteinarbeiten einschließlich der Bildhauerarbeiten und die massiven Freitreppen von der Firma C. Winterhelt in Miltenberg a. H. Das Versetzen der Werksteine ist durch D. Schröder in Mengede erfolgt.
  1. Die Lieferung der inneren Hauptetagentreppe, welche aus Granitimitation besteht, von der Firma J. B. Schröer in Dortmund.
  1. Die Kunstschmiedearbeiten für das Gebäude selbst vom, Schlossermeister Otto Haarmann in Mengede.
  1. Das Einfriedigungsgitter an der Bahnhofstraße vom Schlossermeister Schreiber, das Einfahrtstor und die Eingangstür pp. an der Amtsstraße von der Firma H. Kaupe, beide in Dortmund.
  1. Die Plattierungsarbeiten und Granitfensterbänke von der Firma H. Hempelmann in Dortmund.
  1. Die inneren Stuckarbeiten von der Firma Joh.Walch in Dortmund.
  2. Die Schreiner? und Schlosserarbeiten von der Firma J. H. Mesem in Dülmen.
  3. Die Glaserarbeiten von dem Anstreichermeister Bergbauer in Nette.
  4. Die Kunstverglasungen von der Firma Ferd. Müller in Quedlinburg.
  5. Die Maler? und Anstreicherarbeiten von der Firma Hemming & Witte in Düsseldorf.
  6. Die Zentralheizungsanlage und die Badeeinrichtungen pp. von der Firma Louis OpländerWwe. in Dortmund.
  7. Die Gasbeleuchtungsanlage einschl. Lieferung der Beleuchtungskörper, die Wascheinrichtung, Klosetanlage, sowie Be? und Entwässerungsanlage von der Firma Gebrüder Kuckuk in Dortmund.
  8. Die Lieferung der Tapeten, des Lincrustas, des Linoleums von der Firma Schröder & Baum in Dortmund.
  9. Die Telephon? und Klingelanlage von der Firma Wilhelm Maeß in Dortmund.
  10. Die Tresoranlage und Einrichtung derselben, Transport der Geldschränke von der Firma Pohlschröder& Co. in Dortmund.
  11. Die Lieferung der gesamten neubeschafften Einrichtungsgegenstände von der Firma W. Landmann in Hamm.
  12. Die Lieferung und Verlegung des Parkettfußbodens für den Sitzungssaal von der Firma Sterkel& Sonderhoff in Dortmund.
  13. Die Fensterdekorationen und Fußmatten pp. vom Sattlermeister Höfener in Mengede.
  14. Die Instandsetzung, teilweise Neulieferung der Einrichtungsgegenstände von dem Tischlermeister Heinrich Kümper in Mengede.
  15. Die Herstellung der Hofbefestigungen, der Pflasterarbeiten und der Regulierungen um das Gebäude von der Firma Kesser & Co. in Wanne.
  16. Die Herstellung der Gartenanlagen von dem Gärtnermeister Fr. Graßmann in Oestrich.

 

 

 

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Beschreibung des Baues

Das Amtshaus, mit seiner Hauptfront nach der Bahnhofstraße, ist nach der Südseite zu einem kleinen Teil direkt von dem Nachbargrundstück begrenzt, im Übrigen aber als freistehendes Gebäude errichtet.

Zwischen der Bahnhofstraße und dem Amtshaus ist nach der Straße zu ein durch niedriges Gitter eingefriedigter freier Platz von 15 m Tiefe belassen, mit gärtnerischen Anlagen versehen, durch welche in bequemer und praktischer Weise Wege zu dem Haupteingang, zu dem Eingang der Amtswohnung und zu der Kastellanwohnung führen.

Der freiliegende Bauteil an der Südseite, der durch einfache gärtnerische Anlagen geschmückt ist, hat seinen Zugang von der Amtsstraße erhalten, von der er durch Gitter und Tor abzuschließen ist.

Die Nord? und Westseite des Gebäudes sind mit Hofraum und gärtnerischen Anlagen umgeben.

Bemerkt muss noch werden, dass ein kleiner Teil des Grundstücks an der Südfront als Gefangenhof hergerichtet und mit hohen Mauern umgeben ist.

Die bebaute Grundfläche des Gebäudes beträgt im Erdgeschoß 570,00 qm. Das Gebäude besteht aus einem Vorderbau von 30,80 m größter Länge und 31,30 m größter Tiefe und einem flügelartigen Anbau von 19,20 m Länge und 15,00 m größter Breite mit Kellergeschoß (Souterrain), Erdgeschoß, Obergeschoß und Dachgeschoß.

Das Kellergeschoß enthält die Wohnung des Amtsdieners, bestehend aus 1 Küche, 3 Zimmern, Vorrats? und Kellerraum; außerdem 1 großen Vorraum, 6 Gefangenzellen, die Räume für die Zentralheizung, für Koks und Kohlen, eine Waschküche und die Kellerräume für die Amtswohnung.

Das Erdgeschoß enthält außer dem Vestibül, der Vorhalle, den Korridoren, dem Klosetraum und den Treppenhäusern: 1 Zimmer für den Amtmann, das Vorzimmer, 1 Zimmer für den Amtssekretär, die Aktenstube, 1 Zimmer für den Polizeikommissar, die Polizeischreibstube, die Polizeiwachtstube, die Sparkasse mit Tresor, das Kassensitzungszimmer, die Gemeindekasse mit Tresor, die Gemeindekassenschreibstube, 1 Zimmer für die Steuersachen, das Meldeamt und die Schreibstube.

Das Obergeschoß enthält außer den Korridoren, Treppenhäusern und Klosets: den Sitzungssaal mit Vorraum, das Bauamt mit dem Zimmer des Amtsbaumeisters, das Standesamt mit Trauzimmer und die Amtmannswohnung, bestehend aus Küche, Diele, Esszimmer, Wohnzimmer, Salon, zwei Schlafzimmern und dem Badezimmer. Die Diele ermöglicht eine Verbindung mit dem Korridor der Geschäftsräume. Auch ist ferner eine Verbindung zwischen Salon und Sitzungssaal vorgesehen, die durch eine unwesentliche bauliche Änderung ohne Schwierigkeiten hergestellt werden kann, wenn die Amtmannswohnung, welche zurzeit noch von dem Amtssekretär bewohnt wird, eine solche Verbindung wünschenswert macht.

Im Dachgeschoß sind außer Trockenboden, Flure und Abort folgende Räume untergebracht: Die Wohnung für einen Amtsbeamten, bestehend aus Küche und 4 Wohnräumen, ferner eine Kammer und einen Aktenraum für den Sitzungssaal.

Das Kellergeschoß hat eine lichte Höhe von 3 m, das Erdgeschoß eine solche von 3,80 m, das Obergeschoß eine solche von 3,70 m, wobei aber der Sitzungssaal, der zum Teil in das Dachgeschoß hineingebaut ist, eine lichte Höhe von 4,60 m hat. Die Wohnräume des Dachgeschosses haben eine größte lichte Höhe von 2,80 m.

Die Vorder?(Haupt?)front des Gebäudes ist im Stile der Frührenaissance mit moderner Formengebung hergestellt und unter Verwendung von Basaltlava für die Plinte zu einem großen Teil mit Tuffstein verblendet, wobei die einzelnen Architektursteine in weißem Mainsandstein ausgeführt sind.

Die freien Flächen der Front haben Zementputz erhalten. Die übrigen Fronten des Hauses sind in schlichtem Ziegelrohbau mit Putzflächen in einfacher Weise ausgebildet.

In der Vorderfront erkennt man durch den hohen Giebel mit dem großen 5teiligen Fenster den Sitzungssaal als den bevorzugten Raum des Hauses, an den sich, durch einen Erker, welcher über dem Hauptportal turmartig ausgebaut ist, architektonisch vermittelt, die Amtmannswohnung anschließt.

An der rechten Seite der Front führt eine überdachte Freitreppe zum Treppenhaus der Amtmannswohnung, links an der Vorderfront führt die Tür in das Kellergeschoß zur Wohnung des Kastellans und zu den Gefangenenzellen.

Die Dächer des Hauses sind mit roten Biberschwänzen gedeckt, ebenso ist ein Teil der Wandflächen des Treppenhausanbaues in gleicher Weise verkleidet.

Die Decken des Kellers, des Erd? und Obergeschosses sind als massive Schürmann'sche Patentdecken mit Eiseneinlage, die Decke im Dachgeschoß in Spalierdeckenputz ausgeführt.

Die Flure im Keller sind mit Saargemünder Tonplatten belegt, die Gefangenenzellen und die Wohnräume im Keller sind mit Brettern gedielt.

Im Erdgeschoss und Obergeschoß haben Vestibül, Vorraum, Flur und Klosets Mettlacher? bzw. Merziger Mosaikplattenbelag erhalten, der Flur und die Diele in der Amtmannswohnung ist aber in Linoleumbelag hergestellt, aus welchem Material auch die Fußböden der sämtlichen Geschäftsräume des Hauses bestehen, mit Ausnahme des großen Sitzungssaales, der eichenen Parkettboden erhalten hat.

Die Wohn? und Schlafräume der Amtmannswohnung haben Fußböden aus Tannendielen, die mit Ölfarbe gestrichen sind, in gleicher Weise sind die Fußböden des Dachgeschosses hergestellt, die Küche der Amtmannswohnung ist mit Mettlacher Platten und die Küche im Dachgeschoß mit eichenem Fußboden belegt.

Die Waschküche im Keller ist mit Asphaltbelag versehen.

Die Eingangstreppen, sowie die Treppen im Vestibül bestehen aus Basaltlava. Die Treppe von der Vorhalte zum Obergeschoß ist aus Kunststein in Granitimitation ausgeführt, die Treppe zur Amtmannswohnung und zum Dachgeschoß ist aus Eichenholz und mit einer feuersicheren Rabitzverkleidung versehen.

Das Vestibül mit der Vorhalte hat Kreuzgewölbe erhalten, in analoger Weise ist die Decke des Standesamts?Trauzimmers ausgeführt.

Die Decke des Sitzungssaales besteht aus Holzbalken mit Putzflächen. Die Täfelung, Türen und Fensterbekleidung in diesem Raum sind in Eichenholz hergestellt.

Die Erwärmung des Gebäudes geschieht durch eine Niederdruckdampfheizung, wobei durchweg für die Heizkörper Radiatoren verwandt worden sind.

Die Beleuchtung geschieht durch Gaslicht.

Bei der Ausstattung der Geschäftsräume ist auf eine dauerhafte Bemalung der Wandflächen mit Kaseinfarben in verschiedenen Farbtönen Wert gelegt, wobei je nach der Bedeutung dieser Räume der Maler auf eine mehr oder minder künstlerische Gestaltung Bedacht genommen hat.

Besonders bevorzugt sind bei dieser Bemalung der Sitzungssaal, die Vorhalle und das Treppenhaus sowie, das Trauzimmer, welches dem Zwecke des Raumes entsprechend eine stimmungsvolle Farbengebung und künstlerische Behandlung erhielt.

Die Wohnräume der Amtmannswohnung sind tapeziert, die Diele ist bemalt, die Wandflächen des Treppenhauses daselbst und das Badezimmer haben in erforderlicher Höhe einen Sockel aus Lincrusta erhalten.

Erwähnenswert sind noch die verschiedenen geschmackvoll und künstlerisch ausgeführten Bleiverglasungen des Sitzungssaales, des Haupttreppenhauses und des Standesamts-Trauzimmers.

Die Möbel des Sitzungssaales, des Amtmannszimmers und einzelner Bureauräume sind neu beschafft, im Übrigen sind die alten Möbel des früheren Amtshauses renoviert und den Räumen angepasst aufgearbeitet.

Den Sitzungssaal schmückt ein Bildnis Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm II., welches in patriotischer Gesinnung und in hochherziger Weise gestiftet worden ist von dem Gemeindevorsteher Diedrich Schröder, Mengede; gemalt ist dasselbe von dem Maler Eugen Siegert in Berlin.

 

 

 

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Baukosten

Die Kosten des Amtshausbaues werden sich einschließlich der Einfriedigung an der Front, Kanalisierung, Pflasterungen und Gartenanlagen auf rund 136 000 Mark belaufen. Sie werden gedeckt durch das im Laufe der Jahre angesammelte Barvermögen in Höhe von 46 000 Mark und durch das bei der Landesbank aufgenommene Darlehn im Betrage von 90 000 Mark.

MENGEDE, im Januar 1905.

Schragmüller

Amtmann

 

 

 
 
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