Stationskreuz der Fronleichnamsprozession
Geschrieben von: Franz H. Veuhoff   

Geschichte der großen Fronleichnamsprozession der katholischen Kirchengemeinde St. Remigius Mengede
Der Bau der Autobahn A 45 hatte gravierende Änderungen der Wege in der Mengeder Heide zur Folge. Das Kreuz stand vor dem Bau der Autobahn A 45 und der neuen Wegeführung der Rittersho-ferstraße am Hofeingang von „Gut Rittershof“.
Gesetzliche Bestimmungen machten im März 1850 den Weg für „althergebrachte“ Prozessionen frei und Mengedes Pfarrer Schnettler war beseelt von dem Gedanken, eine Prozession durch die Feldflur ins Lebens zu rufen. Die adeligen Familien Rump zu Dellwig und Droste zu Vischering stellten die Nutzung ihres Grundbesitzes um Gut Rittershofe bzw. Haus Mengede für das Vorhaben zur Verfügung, das Generalvikariat in Paderborn war ebenfalls einverstanden bat aber, der Polizeibehörde vorher Anzeige zu machen und den vorgesehenen Weg genau anzugeben.
Zu dieser Anzeige kam es erst gar nicht, denn der Mengeder Ortsvorsteher Wünnenberg erhob schon frühzeitig Protest, er untersagte ausdrücklich, Kommunaleigentum mit der Prozession zu betreten. Aufgrund schriftlicher und mündlicher Verhandlungen und unter Einschaltung des Dekanats des Kreises Dortmund war der Mengeder Pfarrer und die Gemeinde schließlich der Meinung, das Verbot sei aufgehoben gewesen.
Der 06. Oktober 1850 war dann der große Tag für die Gemeinde und, wie sich später herausstellte, ein folgenschwerer für den tapferen Kirchenmann Pfarrer Schnettler. Am 20.10.1850 berichtete das „Sonntags-Blatt“, Münster u.a.:

Nach vollendetem Levitenamte wallte in unübersehbaren Reihen die Prozession mit Geistlichen und Laien aus mehr als 8 Gemeinden und zwei Bistümern durch Mengede in der Grafschaft Mark. Mehr als 1000 Gläubige waren unterwegs, und in einer begeisternden Rede durch den hochwürdigen Kaplan Stumpf, Altlünen, an der dritten Station, wurde der versammelten Menge der heilige Remigius dargestellt.

Die Prozession begann an der katholischen Schule (Standort Freihof-/Ecke Siegenstraße), führte über den Kommunalweg nach Brüninghausen (heute: Strünkedestraße), bei Isbruch vorbei zum Gut Rittershofe, nach Jansen „Am Schlagbaum“ (später Borgmann, heute Birnbreier), dann über den Mühlenweg zur Kapelle bei Haus Mengede (heute Autokrane Wiemann) und von dort aus zur ehemaligen Pfarrkirche (1908 abgebrochen) an der heutigen Freihofstraße 5.
Die Polizeibehörde hatte die Prozession im Gegensatz zur Meinung der Gemeinde nicht genehmigt. Nur kirchliche Prozessionen „in der hergebrachten Art“ bedurften nach geltendem Recht keiner Genehmigung. Da die Mengeder Prozession nicht als „althergebracht“ galt wurde Pfarrer Schnettler vor die Schranken des Gerichts bestellt und am 11.02.1851 verurteilt. Urteilsbeschwerden, Niederschlagungs- und Begnadigungsanträge an den König hatten keinen Erfolg, und auch das Armenrecht wurde dem Mengeder Pfarrer nicht gewährt. Am Ende des Verfahrens, nach fast einem Jahr, waren die Bemühungen Pfarrer Schnettler's umsonst. Der Mengeder Prozession wurde keine Tradition zuerkannt und das Urteil wurde rechtskräftig. 10 Taler Strafe und 12 Taler, 6 Silbergroschen, 7 Pfennige für die Kosten des Verfahrens wurden im September 1851 durch Pfarrer Schnettler geleistet, ein Summe, von der er gut ein halbes Jahr hätte leben können.
Der Pfarrer plante trotz Verurteilung auch für 1851 die Prozession. Zwar hatte Amtmann Gutjahr, Castrop, am 07.06.1851 wieder ein Verbot ausgesprochen, der Pfarrer ließ aber nicht locker und erwirkte am 21.06.1851 die Genehmigung der Prozession für den folgenden Fronleichnamstag (22.06.1851).
Jahr für Jahr zogen die Katholiken durch die Mengeder Feldflur und seit 1861 wurde auch ausdrücklich dem Abschießen von Böllern zugestimmt. Die Prozessionen einschließlich des Salvenschießens an den einzelnen Stationen waren zum festen Bestandteil des Gemeindelebens geworden.
Den ersten Weltkrieg überstand die Fronleichnamsprozession ebenso wie die Zeit, in der die Franzosen Mengede besetzten. Allerdings legten die Franzosen Wert darauf, dass nur religiöse Fahnen mitgeführt wurden.
Unterbrechungen der Prozession sind bis zum Jahre 1940 nicht zu erkennen, obwohl einige Jahre nicht protokolliert wurden. Was die unruhigen Verhältnisse im 19. Jahrhundert, der erste Weltkrieg und die Franzosen in den 20er-Jahren nicht schafften, vollbrachten die Herrscher im „1000jährigen Reich“.
Ab 1939 wurde der Weg immer mehr eingeschränkt und 1944 schließlich in das Innere der Kirche verbannt. Nach Kriegsende führte der Weg nur um die Kirche, da die Straßen noch für das Militär blockiert waren. Ab 1946 ging es dann wieder „althergebracht“ durch die Felder um Haus Mengede und Gut Rittershofe. Die Emscher-Notbrücke an der Siegenstraße war für eine so große Menschenmenge jedoch nicht geeignet, daher führte der Weg hin und zurück noch über die Waltroper Straße ehe 1950, hundert Jahre nach der ersten Prozession, annähernd der frühere Weg wieder eingeschlagen werden konnte.
Geschmückt und herausgeputzt waren Straßen, Wege, Höfe und Haus, und die Bürger, die die Stationen herrichteten, schnitten Grün und Schilf, banden Schleifen und Blumen für Altäre und Plätze und schufen kleine Kunstwerke, die leider auch manchmal den Wetterkapriolen vor Beginn der Prozession zum Opfer fielen. Stellvertretend für Mägde, Knechte, Nachbarn und Freunde der Erbauer der Stationen soll hier Frau Kraft verw. Minnerop erwähnt werden, die im Jahre 1965 zum 50. Male für die Organisation auf Gut Ritterhofe verantwortlich gezeichnet hätte. Eine grundlegende Änderung war für dieses Jahr vorgesehen, denn bei Gut Rittershofe sollte an der dritten Station eine hl. Messe mit Kommunion gefeiert werden. Ein anhaltender Sturzregen machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung und erst im folgenden Jahr konnte dieses Vorhaben realisiert werden. Der Innenhof des Gutes bot älteren und kränklichen Gemeindemitgliedern im Auto die Teilnahme.
Die Prozession 1966 entsprach schon nicht mehr dem Traditionellen, und ab 1967 unterlag die Gestaltung des Fronleichnamstages grundlegenden Erneuerungen. Mit einem Hochamt auf dem Schulhof am Markt und anschließender Prozession in die Kirche fand das Fest entgegen der Tradition seine neue und für die Zukunft festgeschriebene Würdigung. Mehrere Tausend Teilnehmer gingen in den frühen 50-er Jahren durch die Mengeder Heide.
Geblieben ist neben der Erinnerung der Standort des ehemals schlichten Eichenkreuzes am Waldesrand an der Rittershofer Straße (vor dem Autobahnbau kennzeichnete es den Eingang zum Gutshof), vor dem Jahr für Jahr auf Rittershofe der Altar aufgebaut worden war. Das alte Kreuz hat 2016 den Sommerstürmen nicht standgehalten und wird seinen neuen Platz auf dem katholischen Friedhof erhalten. Fleißige Hände gestalteten den Platz 2016 und schufen ein neues Kreuz zur Erinnerung an die große Fronleichnamsprozession im Kirchspiel.

Das Kreuz am Rittershofer Walde
(aus der Sonderbeilage der Mengeder Zeitung zur Tausendjahrfeier 1928)

In meiner Heimat ist ein Raum, da steht ein Kreuz am Waldessaum.
Es ist kein Marmor, prunkend stolz, ganz einfach schlicht und nur von Holz.
Hier, wo es steht, bin ich bekannt – es ist im lieben Heimatland,
Im Dorf, wo ich geboren bin, und meine Wiege stand darin.
Hier hörst du Lerchenjubelschall noch eh sich zeigt der Sonnenball
Im Frühling, kommt der junge Tag, gibt’s gleich ein lust’gen Finkenschlag.
Dann fällt am grünen Waldesrain die Amsel und die Drossel ein,
Und schmelzend süß im Strauch am Wall die kleine, graue Nachtigall.
Und wenn die Sonn am Himmelbom gewandert über Berg und Strom,
bis sie am späten Abend müd’ sich senkt, hörst du noch manches Lied.
Im Sommer bei der Prozession steigt Gott, der Herr, umhüllt vom Thron,
umhüllt vom Brot in Priesters Hand, kommt er zum Kreuz am Waldesrand.
Er segnet alle, Groß und Klein, beim schlichten Kreuz am Waldesrain,
Wo ein Altärchen aufgeschlagen, der Herr von Priesters Hand getragen.
Für mich ist heilig dieser Ort, denn in der Näh des Kreuzes dort,
Da wohnte einst vor langer Zeit, mein herzig Lieb, die beste Maid.
Die Zeiten sind dahingerauscht, seit ich voll Glück ihr’m Wort gelauscht.
Den Arm um ihren Nacken schlang und oftmals wie ein Vogel sang.
Manch Woge stürzte über Bord – die letzte riss die Liebste fort
Aus meiner Hütte, von der Welt, trug sie hinauf zum Sternenzelt.
Nun bin ich alt – mein Haar ist bleich – die Liebste längst im Himmelreich –
Ihr Aug’ längst starr, der Mund längst stumm, still geh ich heut’ im Dorf herum.
Eh’ ich nun abends eingenickt, stumm zu den Sternen aufgeblickt,
Seh ich im wachen, süßen Traum, mein Lieb beim Kreuz am Sternensaum.
W. Lübbert, sen.

 
 
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