Schloßkirche Bodelschwingh
Geschrieben von: Otto Schmidt   

Die Kirche wurde im Jahr 1312 vom Ritter Giselbert gen. Speke gestiftet, 1322 geweiht und diente zeitweise als Begräbnisort der Familie von Bodelschwingh.

 

 

Merkmale des Denkmals

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Archäologische Untersuchungen im Innern der Kirche 2001 ergaben, dass der von der Familie von Bodelschwingh gestiftete Bau kein Neubau war. Man hatte Bauteile einer kleineren Kirche einbezogen.
Der heutige, einschiffige, zweijochige Saalbau auf querrechteckigem Grundriss wird von zwei tief herabgezogenen Kreuzrippengewölben überspannt. Der Chor mit 5/8 Schluss entstand in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der West-Turm mit dem achteckigen Helm und das Dach des Langhauses stammen vom Ende des 17. Jahrhunderts, als nach der Zerstörung im französisch-brandenburgischen Krieg die Kirche neu errichtet wurde. Am Südportal ist über dem Eingang die Jahreszahl 1693 erkennbar.

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Die Glocken „Maria“ und „Anna“ stammen aus dem Jahr 1506. Anna wurde im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt, ausgebaut und im Jahr 1955 durch einen neuen Glockenguss ersetzt.
Die prächtige, geschnitzte Barock-Kanzel wurde nach 1728 geschaffen. Sie zieren Akanthuselemente, Engelsköpfe und Früchte sowie kugelförmige Voluten.

Die jetzige Orgel mit einem sogenannten Freipfeifen-Prospekt wurde 1941 von der Firma Walcker, Ludwigsburg, unter Verwendung einiger Register aus dem vorherigen Instrument gefertigt. Aufgeschreckt durch die Kriegskosten befürchtete das Presbyterium eine Beschlagname des Gemeindevermögens und beschloss, dass Geld vorher für eine neue Orgel auszugeben.

Maßgeblich beteiligt an der Planung der Disposition (Werk- und Klangaufbau) der Orgel war der Oberstudienrat Max Lorf, der auch 1958 zusammen mit dem Organisten und Komponisten Gerhard Bunk die Disposition der Walker-Orgel in der Reinoldikirche entworfen hatte. 1964 wurde die Orgel in Bodelschwingh um zwei Register erweitert und auf den Kirchenraum hin intoniert (abgestimmt). Dies war im Kriegsjahr 1942 nach ihrer Aufstellung nicht möglich gewesen.

Heute ist die Orgel in einem spielfähigen, jedoch dringend überholungsbedürftigen Zustand. Leider sind die Geldmittel der heutigen Noah-Gemeinde begrenzt (s. u.). Darum ist es noch nicht erkennbar, ob und wann eine Bestandssicherung und Renovierung stattfinden kann.

Die evangelische Kirche in Bodelschwingh ist der Raum, in dem sich Gemeinde versammelt um Gott zu ehren, sein Wort zu hören und danach zu leben. Deshalb ist auch die Geschichte der Gemeinde untrennbar mit ihrer Kirche, ihrem Versammlungsort verbunden. Die Geschichte der Bodelschwingher Gemeinde, die äußeren religiösen und politischen Einflüsse, die Ereignisse innerhalb der Gemeinschaft, ist hier in Form einer Zeittafel wiedergegeben.

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Anfang der 1950er Jahre ziehen die Konfirmanden, von Pfarrer Rudolf Brink geführt, in die Kirche ein. Musikalisch werden sie durch den Posaunenchor der Gemeinde empfangen.

 

 

 Zeittafel der evangelischen Gemeinde in Bodelschwingh

1312  Genehmigungsurkunde von Probst und Kloster Scheda zum Bau einer Kapelle. In diesem Jahr werden 12 Höfe in Bodelschwingh genannt. 
1322  Stiftungsurkunde des Gyselbert von Bodelschwingh gen. Speke und Einweihung der Kapelle am2. Juli 1322, dem Fest Maria Heimsuchung.
1506 Die Kirche erhält zwei Glocken zu Ehren von Maria und Anna.
1512/13  Martin Luther veröffentlicht seine Rechtfertigungslehre
(Rechtfertigung allein durch die Gnade Gottes (Paulus an die Römer, 1. 17))
1517 Martin Luther veröffentlicht seine 95 Thesen durch Anschlag an die Schloßkirche zu Wittenberg.
1523 Veröffentlichung des Reformprogrammes von Zwingli
1541 Veröffentlichung der Genfer Kirchenordnung, die wesentlich durch Johannes Calvin verfasst wurde.
1583 stirbt Wennemar von Bodelschwingh. Er war als Lehnsträger der freien Reichstadt Dortmund und Mitglied des märkischen Adels katholisch geblieben. Einige seiner Kinder hatte er im reformierten Glauben erziehen lassen. Gisbert von Bodelschwingh führte als Nachfolger seines Vaters Wennemar die Reformation durch. Die Bodelschwingher traten mit ihrer Grundherrschaft vom katholischen zum reformierten Glauben nach Calvin über.
1611 16. März, findet die erste reformierte Synode der Grafschaft Mark in Unna statt. Bodelschwingh ist mit 14 weiteren Gemeinden vertreten. Die Gemeinden und die Synoden haben eine Organisationsstruktur „von unten nach oben“.
1648 endet der 30 – jährige Krieg.
1673 Die Kirche in Bodelschwingh wird durch die Truppen des Fürstbischofs zu Münster (französisch-verbunden) im französisch-holländischen Krieg (1672-1678) weitgehend zerstört.
1674 beginnen die Aufzeichnungen im Kirchenbuch.
1693 Wiederaufbau der Kirche nach Kriegszerstörungen in ihren heutigen Abmessungen (belegt durch Rechnungen des Hauses von Bodelschwingh). Der Wiederaufbau ist von außen sichtbar belegt durch eine Inschrift über dem südlichen Eingang: Psalm 84, 2.,
WIE LIEBLICH SEIN DEINE WOHNUNGEN HERR ZEBAOTH. ANNO 1693.
1694 Die Kirche erhält eine erste Orgel, (nach A. Esser) gebaut von dem Organisten der Dortmunder Reinoldikirche, Johann Georg Alberti. Die Orgel wurde gestiftet von Wessel Wirich von Bodelschwingh (1655 – 1717) und seiner Frau Alstein Almod Loise Anna Freiin von Ketzgen. Diese erste Orgel wurde 1890 durch eine neue Orgel ersetzt.
1733 Erste Kirchhofordnung: „Actum Bodelschwingh, den 31. Januarii ...
(Esser Bodelschwingher Kirchengeschichte, 3. Auflage, S.13). Danach werden 29 Grabstätten mit ihrer Lage und Bewerbern namentlich genannt.
1750 Etwa aus der Mitte des 18. Jahrhunderts soll die Barockkanzel stammen, die wohl von dem Patron Gisbert Wilhelm von Bodelschwingh (1695 – 1753) und seiner Ehefrau Katharina Sophie Vogt Elspe gestiftet worden ist. Ihr Wappen befindet sich über dem Schalldeckel. Alle Elemente der Kanzel sind mit reichem Schnitzwerk versehen.
1813 Der Pfarrer Wilhelm Bäumer liefert einen Entwurf für eine gemeinsame Kirchenordnung der Reformierten und der Lutheraner.
1817 Zusammenschluss der Reformierten und Lutherischen Kirchen in Preußen zur evangelischen Kirche altpreußischer Union.
1822  Der Pfarrer Bäumer aus Bodelschwingh wird Präses der Gesamtsynode der Grafschaft Mark und tritt für die Wahrung und Durchsetzung der märkisch synodal-presbyterialen Verfassung in der Union und gegenüber der preußischen Regierung (König Friedrich Wilhelm III.) ein.
1829 beginnen die Aufzeichnungen im Schatzbuch (festes und bewegliches Inventar der Kirchengemeinde).
1835  Nachdem die lutherischen und reformierten Gemeinden in der Union vereinigt sind, wird für alle Gemeinden die Liturgie des Gottesdienstes verbindlich.
1872 Ab diesem Jahr war Pastor Friedrich von Bodelschwingh (1831 bis 1910) bis zu seinem Tode Leiter der „von Bodelschwinghschen Anstalten" in Bethel bei Bielefeld. Ebenfalls in diesem Jahr begann die Gewerkschaft Westhausen mit dem Abteufen von Schacht 1 an der heutigen Bodelschwingher Straße.
1889 Die Kirche wird mit einem Zementputz „eingekleidet“. Offensichtlich war der Ruhrsandstein im Lauf der Jahrhunderte schadhaft geworden. Nach heutiger Auffassung hatte das Aussehen sehr darunter gelitten.
1890 wird die erste Orgel durch eine neue ersetzt. Sie wird nur 53 Jahre alt.
1902 In Folge des Zuzuges von katholischen Bergarbeitern und deren Familien wird in Bodelschwingh im Saal der Gastwirtschaft Thiel nach Jahrhunderten wieder der erste katholische Gottesdienst gefeiert.
1943 Im Zweiten Weltkrieg wird die Marienglocke vom Staat enteignet. Sie hatte zusammen mit ihrer kleineren Schwester Anna 437 Jahre die Gemeinde zum Gottesdienst, zu fröhlichen und traurigen Anlässen gerufen. Durch die Wegnahme der Glocke aufgeschreckt, beschließt das Presbyterium das angesparte Vermögen der Gemeinde auszugeben und kauft einen Taufbrunnen von der Holzbildhauerin Edel vom Berge. Die Orgel von 1890 wird durch eine Orgel der Fa. Walcker ersetzt. Sie war schon 1941 unter Verwendung einiger Register aus der alten Orgel fertig gestellt worden.
1955 Die Kirche erhält wieder eine zweite Glocke (Maria). Der Innenraum wird vollständig renoviert.
1968 Große Kirchenrenovierung mit Entfernung des Zementputzes der Fassade.
1976 Erneuerung des Kircheninnenraumes
1977 Die Kirchenfenster erhalten jetzt eine Buntverglasung. Entwurf: Glaskünstlerin Hilde Hoffmann-Schulte, Dortmund.
2007 geht die Ev. Kirchengemeinde Bodelschwingh in die neu gegründete Noah- Gemeinde auf.
2012 Gründung des Förderkreises Evangelische Schloßkirche Bodelschwingh e. V.
2013 Renovierung und teilweise Erneuerung des Maßwerks der Fenster des Chores und der daran anschließenden Fenster des Kirchenschiffes, Neufassung und Stabilisierung der Fenster und deren Wiedereinbau. Renovierung des Kragwerkes und Ersatz von zerstörten Steinen. Teilsanierung des Mauerwerks.
2013 Das Presbyterium beschließt den Bau eines neuen dritten Gemeindehauses rechts vom Turmeingang auf dem ehemaligen Kirchhof, vor dem Standort des ersten abgetragenen Gemeindehauses.
2013 Von der Gemeinde wird der Bauantrag gestellt und damit nach dem nach dem Denkmalschutzgesetz die Denkmalbehörde tätig, um das vermutete Bodendenkmal im Bereich der geplanten Bebauung aufzunehmen und zu sichern.
2014 Nach Beendigung der Arbeiten an dem Bodendenkmal (F. Jentgens u. Partner) wurde nach Erteilung der Baugenehmigung unverzüglich mit den Bauarbeiten begonnen und schon am 25. April Richtfest gefeiert. Eröffnet wurde es mit einem feierlichen Gottesdienst und anschließendem Umtrunk am 25. Oktober.  

  

10 Richtfest Erweiterungsbau Schlosskirche April21014
April 2014: Am und im Erweiterungsbau neben der Kirche wird Richtfest gefeiert
11 Einweihung Erweiterungsbau Schlosskirche
Oktober 2014: Feierliche Einweihung und Übergabe des Erweiterungsbaus an die Noah-Gemeinde in Bodelschwingh.

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Quellen (ohne Seitenangabe)
1. Archäologisch?historischer Spaziergang durch Bodelschwingh, Hrsg.: Arbeitskreis „Archäologie und Denkmalpflege“ im Historischen Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark,2014
2. Bodelschwingher Kirchengeschichte, 2. Umgearbeitete Auflage, Adolf Esser, 1956
3. Bodelschwingher Kirchengeschichte, 3. Umgearbeitete Auflage, Adolf Esser, 196

 
 
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