Heimatblätter
Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.

Nr. 41 Oktober 2014 13. Jahrgang
EP 0,50 Euro

 

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Hochverdiente Auszeichnung


 Vereine freuen sich mit Wilfried Jürgens

Wilfried Jürgens mit Orden und Frau Erika

Wenn man die Bilanz seiner vielen Tätigkeiten in über 70 Jahren für das Mengeder Vereinsleben (und darüber hinaus) zieht, dann kann man nur bestätigen: es hat den Richtigen getroffen: Wilfried Jürgens (84) wurde durch Bürgermeisterin Birgit Jörder mit der von Bundespräsident Joachim Gauck verliehenen Verdienstmedaille am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

„Eine hoch verdiente Auszeichnung“, freut man sich sowohl beim Mengeder Bürgerschützenverein, beim Heimatverein als auch beim Kulturzentrum Mengeder Saalbau.

Die Chronologie seiner vielen ehrenamtlichen Vereinstätigkeiten begann im Evangelischen Jugendbund der Remigius-Gemeinde Mengede und in dessen Chor. Später gehörte Jürgens auch dem Presbyterium der Gemeinde an. Gesungen hatte er übrigens bis zu dessen Auflösung auch im Gesangsverein „Einigkeit Groppenbruch“.

Im Mittelpunkt seines Engagements aber stand und steht noch immer der Mengeder Bürger-Schützen-Verein, dem er 1955 beitrat und der ihn sogleich mit Vorstandsaufgaben (Schießwart und Geschäftsführer) betraute und den er (damals schon als Vorsitzender) auch zweimal als Schützenkönig „regierte“. Seine vielen Verdienste um den Verein mit der über 500-jährigen Tradition wurden inzwischen mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden honoriert.

Der Ur-Mengeder war aber auch dabei (und dann sechs Jahre lang dessen Geschäftsführer), als vor 14 Jahren im Jahre 2002 der Heimatverein gegründet wurde, der ihn im vorigen Jahr zum Ehrenmitglied ernannte.

Dass er sich aber auf seinen Lorbeeren nicht ausruht, beweist Jürgens heute als Schriftführer und Veranstaltungsleiter des Kulturzentrums Mengeder Saalbau.

Karlheinz Bohnmann

 


Über Mengedes Geschichte (4)


 Früher war unser Ort ein Königsgut

„Mengede hat eine lange Geschichte, die bis in die Zeit vor 1000 Jahren zurückgeht.“ Das schrieb in den 20er Jahren der evangelische Pfarrer Albrecht Stenger I. (1885 - 1928) in einer Fortsetzungsreihe, die unter dem Titel „Heimatbilder“ im „Mengeder Lokal-Anzeiger“ erschienen ist. Ein Rückblick, der nicht nur für Neu-Mengeder interessant ist. Deshalb berichten wir in einer von Karlheinz Bohnmann - unter Berücksichtigung aktueller Aspekte - bearbeiteten Serie in Auszügen über die Nachforschungen Stengers, die übrigens später von seinem Sohn Pfarrer Dr. Albrecht (1896 - 1988) fortgesetzt wurden.
Von 1807 bis 1818 - unter der Herrschaft des Franzosen-Kaiser Napoleons - wurde Mengede vorübergehend französisch. Das bis dahin selbstständige Amt wurde der Mairie (Anm.: Bürgermeisterei) Castrop zugeschlagen.
1828 bestand der Ort aus 87 Häusern und 48 Nebengebäuden sowie aus zwei Mühlen, die in der Nähe des Hauses Mengede am Urverlauf der später verlegten Emscher gestanden hatten. Von den 600 Einwohnern waren, so Stenger in seinen historischen Betrachtungen, 416 evangelisch, 118 katholisch und elf jüdischen Glaubens.
Ein Jahr vorher hatte man die Mengeder Heide, die bis dahin gemeinschaftlicher Besitz der Bürger (Gemeinwohl) war, aufgeteilt. 790 Ruten (Anm.: eine preußische Rute hatte eine Länger von 3,77 m und die Quadratrute war gleich 14,21 qm) wurden dabei für den Ausbau der Wege und Brücken mit Kosten von 500 Talern (Anm.: Ein Taler bestand aus etwa 27 Gramm Feingold) ausgebaut.
1831 wurde im alten Ortskern an der evangelischen Kirche das erste Straßenpflaster angelegt, „so dass diese Gegend, die durch schlechte Wege weit und breit gefürchtet war, nur wegen der guten Wege beinahe anfing, berühmt zu werden.“ Stenger notierte auch, wessen Verdienst das war: „Bürgermeister Biggeleben, der damals noch in Mengede wohnte, ebenso wie auch der Steuereinnehmer der direkten Steuern für Castrop und Lünen.“ 1827 wurde das Verwaltungsbüro nach Castrop verlegt.
Im Laufe der Jahre waren auch die Einwohnerzahlen in Mengede  angestiegen.1871, nach dem Krieg, wurden 1033 Bewohner gezählt. 

In der nächsten Ausgabe geht es um den Beginn der Industrialisierung in Mengede.

 

 


Die Emscher wieder im Wandel


11. Schnadegang des Heimatvereins

Der bereits zur Tradition gewordene Schnadegang des Heimatvereins Mengede am „Tag der deutschen Einheit“ fand in diesem Jahr bereits zum elften Mal statt. Mit dieser Wanderung pflegt der Heimatverein den alten Brauch der „nachbarschaftlichen Grenzkontrolle“. Seit 2004 werden auf diese Weise historisch bedeutende Teilabschnitte der Mengeder Stadtbezirksgrenzen begangen, so dass – wie im Mittelalter – in absehbarer Zeit nahezu lückenlose „Stadtbezirksgrenzbegehungen“ stattgefunden haben sollten.
Die über 70 Teilnehmer starteten um 14:00 Uhr am jüdischen Friedhof (Siegenstraße/Groppenbrucher Straße). Franz-Heinrich Veuhoff, der wieder das informative Begleitheft zum Schnadegang erstellt hat, erklärte mit kurzen Worten die Geschichte der jüdischen Begräbnisstätten in Mengede. Danach wanderten wir über die Siegenstraße in den Ickerner Busch. Dort führte uns der Weg am Groppenbach entlang durch die Flure (nach der Urkatastermessung 1826) Mengeder Heide, Groppenbruch und Howarde (heute Ickern und Brüninghausen).
In Ickern überquerten wir zunächst die Bundesautobahn (A 2) und die Emscher (an der Mündung des Groppenbachs, bevor wir auf dem Emscherweg zum Hochwasserrückhaltebecken gingen. Unterwegs stieß Andreas Mölls von der Emschergenossenschaft zu uns. Er gab uns am Auslassbauwerk Informationen zur der Anlage, deren Ziel, Technik und Bauverlauf. Das inzwischen fast fertiggestellte Bauwerk hat sich mittlerweile zu einem artenreichen Biotop entwickelt und ist ein wirkliches Naherholungsgebiet. Auch die zahlreichen Fragen der Teilnehmer konnte er zufriedenstellend beantworten.
Ein besonderes Highlight war die geöffnete Aussichtsplattform, die sonst immer verschlossen ist. Alle, die den Aufstieg mitmachten, hatten eine herrliche Aussicht auf das „Naturwunder Rückhaltebecken“. Nach einer kurzen Verschnaufpause, bei der Dank des Getränketransportes von Hans- Ulrich Peuser und Jürgen Wlecklinski auch der Flüssigkeitshaushalt der Wanderer wieder ausgeglichen wurde, starteten wir die zweite Hälfte des Schnadegangs.
Vorbei am Heimanngraben und dem Hof Isbruch wanderten wir immer entlang der Emscher am Haus Hubbert vorbei zu unserem Heimathaus. Dort hatten fleißige Hände ein Zelt mit Tischen und Stühlen aufgebaut und auch der Grill war schon vorgeheizt.
So konnten wir völlig entspannt diesen herrlichen Spätsommertag mit einer Wurst auf der Hand, diversen Kaltgetränken und gemeinsamen Gesprächen in Ruhe ausklingen lassen.

Franz-Josef Fedrau  

 

 

 


Erinnerungen an Joachim Fuchsberger


Als junger Mann in Mengede

Nach Ende des Krieges war der gebürtige Stuttgarter, der in Düsseldorf zur Schule ging, nach Mengede gekommen, um seinem Vater, der Setz- und Druckmaschinen verkaufte, beim Aufbau einer Setzmaschine in der Buchdruckerei Ernst Arnold zu helfen.Einer der ersten Prominenten, die nach dem 2. Weltkrieg in Mengede weilten, war der am 11. September im Alter von 87 Jahren in München verstorbene Joachim Fuchsberger. Damals war er allerdings noch nicht als der berühmte „Blacky“, der als Schauspieler, Show- und Talkmaster eine große Karriere machte.

Daran erinnerte er sich noch genau, als er der früheren Dortmunder Nordwest-Zeitung 1970, die Sylvester 1990 eingestellt wurde, zu ihrem 50-jährigen Bestehen gratulierte: „Eine der ersten meiner vielen beruflichen Aufgaben, bevor ich zur Schauspielerei kam“, schrieb er in seinem Grußwort.

        Karlheinz Bohnmann

 

 

 


Wie Heino zu seiner „Mütze“ kam


Mengeder stellte Kontakt zu Hair-Stylisten her

Eigentlich hätte Elsa Lammering, die früher ein Geschäft für Damenmode an der Siegburgstraße hatte, dem Volkslied- und Schlagersänger Heino, der inzwischen auch erfolgreich auf neuen musikalischen Wegen wandelt, zu seinem 75. Geburtstag 

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eine Glückwunschkarte schicken müssen. Denn der ewige Blondschopf war vor Beginn seiner großen Karriere oft bei ihrer Familie am Eckei zu Besuch. 
Aber zurück zum „Blondschopf“: Heute ist es längst kein Geheimnis mehr, dass Heinos üppige Mähne nicht auf seinem, sondern auf den Köpfen anderer gewachsen ist. Schon bei seinem Auftritt beim Gewerbeverein war deutlich zu erkennen, dass sein Haupthaar relativ dünn aussah, so dass bereits zu ahnen war, dass der endgültige Abschied davon nicht mehr lange auf sich warten lassen würde.
Der Kontakt war über ihren Ehemann Heinz zustande gekommen. Der war damals so etwas wie der Maitre de Plaisir des Gewerbevereins und hatte den Sänger, der damals noch nicht als Solist auftrat, Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts mit dem Trio „Die Ok-Singers“ zu einer geselligen Veranstaltung des Gewerbevereins ins Volksgarten-Restaurant geholt.
Ein Prozess, den Heinz Lammering schon hinter sich und geschickt durch ein Toupet  getarnt hatte. Angefertigt von einem Zweithaar-Stylisten in Berlin.
So war es kein Wunder, dass Heino, der gerade auf dem Weg zu seiner großen Solo-Karriere war, sich einen kahlen  Schädel (damals unmöglich) nicht leisten konnte, und deshalb Heinz Lammering um Rat und Hilfe bat. Und der stellte den Kontakt zu dem Spezialisten in Berlin her.
So kann man heute mit Recht sagen, dass Heinos erster Haarersatz über den Umweg Mengede realisiert wurde.

  Karlheinz Bohnmann

 

 

 

 


Die erste Wasserleitung (1)


Brunnen- und Emscher-Wässer ungenießbar

Die Emscher prägte nicht nur das Ortsbild, sondern war in früheren Zeiten Grundlage der Existenzsicherung für Handwerk und Gewerbe. Jahrhunderte lieferte sie neben den Tiefbrunnen im Ort den an ihren Ufern liegenden Haushaltungen und Betrieben Wasser für den täglichen Bedarf. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war auch Leben in ihr so groß, dass die Fischerei prächtig von den Beständen an Hecht, Barsch, Karpfen, Aal, Weißfisch und sogar Krebsen leben konnte. In Mengede allein wurden 800 bis 1000 Pfund Fische jährlich gefangen. Die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts geborene Generation erzählte noch ihren Nachkommen von klappernden Mühlrädern, tanzenden Libellen, lustige springenden Forellen und anderen Naturerlebnissen, die die lauschigen Stunden am Ufer unseres Flusses abrundeten.

Das idyllische Ortsbild wurde jäh gestört, als teer- und ammoniakhaltige Abwässer aus der Dortmunder Gasanstalt und einer chemischen Fabrik und in Gärung übergehende Abwässer der Dortmunder Brauereien in die Emscher eingeleitet wurden. Dies geschah in größerem Ausmaß erstmalig am 15. Mai 1860. Das Fischsterben setzte in einem solchen Maß ein, dass die hochgezogen Schütten bei den Emscher-Mühlen kaum Wasser hindurch ließen. Von 1860 bis 1866 wiederholte sich dieser Schaden 15 bis 20 Mal und danach kam die Wiederbevölkerung der Emscher und ihrer Nebenbäche völlig zum Erliegen. Der Fischbestand war vernichtet.

Die weitere Industrialisierung und Zunahme der Bevölkerung vor allem in Dortmund führten dazu, dass Abwasser vermehrt über Aalbach und Leckenbecke ungeklärt in die Emscher eingeleitet wurden. Diese Verhältnisse wurden noch durch die Anlage der Kanalisation in Dortmund verschlimmert, weil nun sämtliche Abwässer konzentriert über einen unterirdischen Kanal in die Emscher gelangten. Der einst saubere Fluss wurde mehr und mehr zur Kloake.

Diese allgemeine Entwicklung beeinflusste auch das Grundwasser und damit die vorhandenen Brunnen. Die Qualität des Gebrauchswassers genügte nicht mehr den Mindestansprüchen. Kein Wunder, dass mit der Zeit der Gesundheitszustand der Bevölkerung eine bedenkliche Entwicklung nahm. Zahlreiche Opfer forderte eine im November 1889 auftretende Grippe-Epidemie unter Kindern und älteren Bewohnern. Tuberkulose-, Typhus- und Scharlach-Epidemien traten fast regelmäßig auf und von diesen Krankheiten wurden in erster Linie die Familien betroffen, die in der Nähe der Emscher wohnten. So erlag der Müller der zum Haus Mengede gehörenden Mühlen mi tseiner gesamten Familie binnen kurzer Zeit dem Typhus. Ein besonders tragisches Beispiel ist der Tod von 30 Kindern in Deusen während einer Masern-Epidemie. Die Sterblichkeitsziffer der Emscherorte spricht für sich: 2,7 Prozent betrug sie im gesamten Amte und verdoppelte sich z.B. in Deusen und Ellinghausen.

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Die Häuser am Wiedenhof – idyllisch?

Massive Beschwerden der Emscher-gemeinden über Jahrzehnte bei der königlichen Regierung in Arnsberg und bei den zuständigen Ministerien in Berlin waren notwendig, bis die Stadt Dortmund 1882 mehrere Klärbassins an der Grenze zur Gemeinde Deusen bauen ließ. Pfarrer Hausemann notiert dazu in der Kirchenchronik:


Von 1877 bis 1886! Viele Schreibereinen mit den bezüglichen Behörden (Amtmann, Landrat, Regierung in Arnsberg, Ministerium in Berlin) wegen Verunreinigung der Emscher von Seiten der Stadt Dortmund. Da der Verwaltungsweg sich als nutzlos erwies beschritt ich den Rechtsweg!

 

Und 1891 war zu lesen:

Im Prozess Kirchengemeinde / Stadt Dortmund ist Dortmund mit der Klage zurück gewiesen, in die Kosten zum Schadenersatz verurteilt. Mengede hat als in quasi gewonnen. 

Von einer endgültigen Lösung des Problems war man jedoch noch weit entfernt, denn die getroffenen Maßnahmen (z.B. Bau einer Kläranlage) waren bei weitem dem anfallenden Schmutzwasser nicht gewachsen. Die Wassermassen ergossen sich bei Regenfällen mit Schmutz und Unrat weiter in die Emscher. Die Stadt Dortmund widmete sich der Lösung des Falles nur widerwillig, verlor Rechtsstreit um Rechtsstreit. Trotz weiterer Anordnungen der Regierung dauerte es von 1892 bis 1898, ehe Dortmund die Rieselfelder bei Lünen in Benutzung nahm. Aber schon zu diesem Zeitpunkt wurde kritisiert, dass der Kanal zu den Rieselfeldern zu geringe Dimensionen aufwies.
Durch die immer wiederkehrenden Krankheitsfälle stand die Einrichtung einer Apotheke im Stadtbezirk ganz oben auf die Liste der Wünsche der Bevölkerung. Einer dieser Wünsche ging nach langwierigen Verhandlungen im Dezember 1894 endlich in Erfüllung. Der Apotheker Eick erhielt die Konzession zur Eröffnung der ersten Apotheke in Mengede, der „Alten Apotheke“ am Bahnhof. Dadurch war zumindest der Weg zu Arzneien kürzer geworden, denn bis zu diesem Zeitpunkt stand die nächste Apotheke in Waltrop.
Die Krankheitsfälle mit tödlichem Ausgang nahmen glücklicherweise durch die Entwicklung der Vorsorgemaßnahmen ab und die Bevölkerung erhoffte sich eine grundlegende Besserung der Verhältnisse mit dem Bau von Wasserleitungen. Ein Projekt, mit dem sich die Amtsverwaltung seit Jahren ergebnislos befasste.

(wird fortgesetzt)

Fr.-Heinrich Veuhoff

 

 

 

Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14, 44359 DO (0231 - 33 76 90)

 
 
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