August Stammtisch wieder mit Diethelm Textoris
Geschrieben von: Franz-Josef Fedrau   
Samstag, den 09. August 2014 um 18:10 Uhr

Die „1000-Feuer-Tour“  -  auf dem Fahrrad durch das Ruhrgebiet

Bei unserem Stammtisch im August, der trotz der Ferien- und Urlaubszeit mit mehr als 40 Teilnehmern wieder sehr gut besucht war, nahm uns Diethelm Textoris mit auf eine Radreise durch das Ruhrgebiet.

 

Grundlage der Streckenführung war ein „alter“ Radwanderführer mit dem Titel „Die 1000-Feuer-Tour“.  Dieser ist zwar nicht mehr im Buchhandel erhältlich, kann aber (mit Glück) noch über das Internet bezogen werden.

Um die ganze Strecke nicht in einem Rutsch abfahren zu müssen, empfiehlt es sich Etappen zu bilden, die der eigenen Leistungsfähigkeit entsprechen. Durch das dichte Nahverkehrsnetz besteht die Möglichkeit unterwegs fast überall aus- und wieder einzusteigen.

Die Radrundtour startet am „Schloss der Arbeit“, der Zeche Zollern II/IV in Bövinghausen.  Dieses Juwel der Industriekultur des Architekten Paul Knobbe wurde erst vor wenigen Jahren aufwendig restauriert. Mit seinem roten Ziegelmauerwerk in Backsteingotik erinnert es eine Schlossanlage. Auf dem Gelände befinden sich auch der Pferdestall,  heute ein  Restaurant , die zentrale Maschinenhalle mit den wichtigsten technischen Großgeräten und der Förderturm. Wer die Anstrengung einer Besteigung in Kauf nimmt, wird durch einen grandiosen Ausblick belohnt.

Ganz in der Nähe liegt das Haus Dellwig, eines der am besten erhaltenen Wasserschlösser der Region. Eine Besichtigung des privat genutzten Herrenhauses ist leider nur von außen möglich. Allerdings kann man die dreiflügelige Vorburg betreten, in der das Heimatmuseum Lütgendortmund untergebracht ist. Hier kann man zu den Öffnungszeiten viele Gerätschaften aus der Zeit der Jahrhundertwende bewundern.  Dazu gehören ein Frisörsalon, eine „gute“ Stube, Omas Küche, alte Kutschen und Trecker.

Weiter geht es durch den Südwesten von Dortmund zur Hohensyburg und dem Hengsteysee.  Die Kirche St. Peter zu Syburg ist der älteste Sakralbau Dortmunds.  Sie ist eine Gründung Karls  des Großen und wurde im Jahre 799 geweiht.  Auch Kaiser Wilhelm auf seinem Denkmal  genießt immer noch den Ausblick in das Ruhrtal, auf den Hengsteysee und den Zusammenfluß von Lenne und Ruhr. Am Nordufer des Sees ist ein großes Pumpspeicherkraftwerk. Hier dient der Höhenunterschied des Ruhrabhanges zur Energiegewinnung.

Auf der Syburger Dorfstraße, vorbei an Campingplatz und Naturbühne, geht es nun abwärts zur Ruhr. Hier treffen wir auf den Ruhrtal- Radweg, dem wir flussabwärts  (rechts) Richtung Duisburg folgen. Unser nächstes Ziel  ist Herdecke.  Ein besonders beliebtes  Objekt ist das Ruhrviadukt. Es spannt sich in 30 Metern Höhe mit einer Länge von 313 Metern und 12 Bögen über die Ruhr. Dabei beschreibt es eine leichte Kurve.  Im Mai 1943 wurde ein Pfeiler bei der anschließenden Flutkatastrophe nach der Zerstörung der Möhne-Sperrmauer weggerissen.

Ca. einen Kilometer abseits des Radweges liegt Wengen. Ein Blick  in die Ev. Dorfkirche lohnt sich ebenso wie der Besuch des Henriette-Davies-Museums und des historischen Feuerwehrhauses.

Im Muttental umfasst die Fahrzeugsammlung des Eisenbahnmuseums  bei der Zeche Theresia inzwischen an die 100 Lokomotiven mit den unterschiedlichsten Antrieben und ca. 200 Waggons.

Auf dem Schloss Steinhausen haben Künstler aus Afrika eine sehr große Anzahl an Skulpturen in allen Größen ausgestellt. Als Material dienen Steine, Holz (zum Teil Baumstämme) und Draht. Die Ergebnisse sind ganz erstaunlich und oft auch witzig.

Ein besonderes Highlight ist auch die „Ruhrtal Fähre“, die nur Fußgänger und Radfahrer befördert. An den Wochenenden und bei schönem Wetter kann es hier zu Wartezeiten kommen.

Endlich kommen wir zur Wiege des Ruhrbergbaus, dem Muttental mit der der Zeche Nachtigall am Eingang. Hier im Museum, in dem auch Führungen möglich sind, gibt es die Dauerausstellung „Bergbau damals“. Auch hier sind viele alte Fotos ausgestellt. Sie zeigen die damaligen Lebensumstände,  alte Bergmannshäuser, die Belegschaft mit Chef. Auch das  gesamte Gezähe (Werkzeug) für diese harte und gefährliche Arbeit ist zu u.a. im alten Steigerhaus zu sehen. Diverse Lampen,  Pickel, und Telefone  zur Kommunikation. Natürlich fehlt auch nicht das berühmte Arschleder.   Im ehemaligen Steigerhaus befindet sich eine kleine Gaststätte, die zur Pause einlädt.  Auch das Bethaus, in dem die Bergleute Gottes Hilfe erbaten ist noch zu besichtigen.

Mit dem alten Spruch:

Tiefe Schächte, kurze Nächte, nasse Arbeit, trockenes Brot – sind des Bergmanns früher Tod!

beendete Diethelm Textoris den ersten Teil seines Vortrages und entließ uns die die wohlverdiente Pause.

 

Während die Raucher ihr Rauchopfer brachten und frische kühle Getränke erworben werden konnten, erinnerte Hans-Ulrich Peuser an die anstehenden Termine.

 

 10.08., Abfahrt 9:15 Uhr am Heimathaus     Fahrradwallfahrt zur Laurentiuskapelle Leveringhausen 
 22.08. bis 24.08. 2014      Bürgerschützenfest
 25.08. bis 31.08. 2014    Jahresradtour zum Niederrhein
 05.09. bis 07.09. 2014    Michaelisfest
 14.09. 2014   Tag des Denkmals
 03.10. 2014   Schnadegang
 06.12.  bis 07.12. 2014  Nikolausmarkt

 

Wegen der Laurentiuswallfahrt und der Jahresradtour findet im August keine Monatsradtour statt. Der nächste Termin ist Dienstag, der 16.9., voraussichtliches Ziel ist der Yachthafen Waltrop.

 

Nach der Pause fuhren wir dann mit D. Textoris an der Ruine der Burg Hardenstein vorbei und erreichten wenig später eine  auch im Winter beliebte Grillhütte, bis wir schließlich den Kemnader See erreichten. Namensgeber ist das „Haus Kemnade, ein im Stil der Renaissance und des Barocks aus Ruhrsandstein erbautes Herrenhaus mit Gutshof.

Das alte Fährhaus mit Biergarten und sehr leckeren Speisen und Getränken erinnert an die „Ruhrschifffahrt“.  Von 1781 – 1890 wurde auf diesem Wege die Ruhrkohle an den Rhein befördert. Die Treidelpfade sind auch heute noch zum Teil gut erhalten. Nach einem stimmungsvollen Blick auf die Burg Blankenstein wie aus einem Wintermärchen erreichen wir Hattingen.  Neben der wunderschönen Altstadt mit dem  über die Grenzen bekannten Weihnachtsmarkt, dem Bügeleisenhaus, dem historischen Rathaus und der Kirche zieht es uns zum nächsten Industriedenkmal, der 1854 gegründeten  Henrichshütte. In der Hochzeit produzierten hier bis zu 10.000 Arbeiter  Eisen und Stahl. In ihrem Industriemuseum kann man auf Fotos, in Texten, Filmen und Tonaufnahmen Informationen über das frühere Arbeitsleben auf der Hütte erhalten.

Weiter fahren wir jetzt in Richtung Essen an den Baldeneysee. Hier sehen wir schon von weitem die Villa Hügel, dem Stammhaus der Familie Krupp. Die Firma Krupp galt als die Kanonen Schmiede des Reiches und profitierte von dem erhöhten Rüstungsbedarf jener Zeit. Kaiser Wilhelm (z.B. nach der Einweihung des Schiffshebewerkes in Henrichenburg) aber auch der Reichskanzler Adolf Hitler waren hier häufig zu Gast. Alfried Krupp, der das Unternehmen während des Krieges leitete, war Angeklagter bei den Nürnberger Prozessen und wurde zu 12 Jahren Haft verurteilt. Aber bereits Anfang der 50-iger Jahre übernahm er wieder die Leitung des Unternehmens „Krupp Stahl“.

Am Ende des Sees kommen wir nach Essen- Werden. Hier besteht eine direkte Verbindung zu unserem Mengede. In einer Urkunde des Klosters Werden wurde Mengede („Menghiti“) um 880 erstmals erwähnt. Aber auch die gut gepflegten Häuser und die Abteikirche, die 1993 vom Papst zu einer „Basilica minor“ erhoben  wurde, sind einen Besuch wert.

Vorbei am Kettwiger Stausee, der Bauernschaft Mintard mit der sehenswerten Hochzeitskirche und dem Wassermuseum in Mülheim Styrum erreichen wir endlich Duisburg- Ruhrort, den größten Binnenhafen Europas. Hier endet nicht nur der Rhein-Herne- Kanal sondern auch der Ruhrtal Radweg.  An der Mündung der Ruhr in den Rhein steht die „Rheinorange“, einer 1992 aufgestellten Skulptur aus Stahl des Kölner Bildhauers Lutz Fritsch.

Von Duisburg aus geht es jetzt durch das nördliche und mittlere Ruhrgebiet zurück Richtung Mengede. Durch den Landschaftspark Nord, ebenfalls ein eindrucksvolles Industriedenkmal, kommen wir zum Gasometer nach Oberhausen, einer beliebten Örtlichkeit für Ausstellungen. Diesen kann man mit dem Fahrstuhl bezwingen, aber wer sich kräftig genug fühlt, kann die 592 Stufen auch per Pedes angehen. Oben wird man mit einem wunderbaren Ausblick belohnt. Kanal und Emscher liegen friedlich nebeneinander, das Centro und das Schloss Oberhausen sind in voller Pracht zu sehen und auch unser nächstes Ziel, das Tetraeder ist gut zu erkennen. Vorher stärken wir uns aber noch im Brauhaus  „Zeche Jacobi“ mit dem leckeren, urtrüben „Gruben Gold und einer Portion Panhas.

Das Tetraeder wurde 1995 errichtet. Man kann über Treppen die Aussichtsplattformen, die in verschiedenen Höhen eingehängt sind, erreichen. Die erste in 18 m , die zweite in 32 m und die dritte in 38 m Höhe. Wer diese Sache angeht, sollte schwindelfrei sein.

Natürlich machen wir zum Abschluss auch noch einen Abstecher zum Weltkulturerbe, der Zeche Zollverein in Essen. Dieses Industriedenkmal ist wohl am bekanntesten. Es hat jährlich unzählige Besucher aus dem In- und Ausland. Sehenswert ist das anlässlich der “Kulturhauptstadt Ruhr“  eingerichtete Museum. Neben Präsentationen mit neuester Technik kann man hier auch die kleinen Dinge des Alltags (Waschbretter, Henkelmänner u. ä.) bewundern.

Auch auf dieser Tour, genau wie bei der Wandertour entlang der Emscher, hat Diethelm Textoris auch wieder auf der „Lippens Ranch“ bei Ente Lippens vorbeigeschaut und in dem herrlichen Biergarten eine Pause gemacht.

Durch die beiden sehr schön restaurierten Bergmannsiedlungen in Bottrop Weilheim und Teutoburgia in Herne Börning, sowie die landschaftliche Idylle bei Bochum Gerthe mit dem historischen Rathaus kommen wir an das Schiffshebewerk in Henrichenburg. Nach einer letzten Rast an der bestens bekannten Lohburg fahren wir am Kanal zurück nach Mengede.

Fast erschlagen von den vielen Eindrücken bedankte sich Hans-Ulrich Peuser für diesen wirklich informativen Abend bei Diethelm Textoris. Auch der dritte Auftritt im Heimathaus hat wieder alle begeistert. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen, vielleicht bei einem seiner Chanson-Abende oder bei einer Überquerung der Alpen, selbstverständlich zu Fuß.

 

 

 
 
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