Heimatblätter
Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.

Nr. 39 Juni 2014 13. Jahrgang
EP 0,50 Euro

 

 

 

Wir trauern um unser Ehrenmitglied

 

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Ernst Sonntag

Geistlicher Rat – Pfarrer i.R.

* 12.10.1935 – Priesterweihe 22.07.1960 - † 29.05.2014

 

Nach Christel Goltz hat unser Heimatverein jetzt ein weiteres Ehrenmitglied verloren: Im Alter von 78 Jahren verstarb am 29. Mai 2014 Ernst Sonntag nach längerer Krankheit.

Der ehemalige Seelsorger der katholischen Kirchengemeinde St. Remigius stammte aus Höxter. Bevor er 1976 – als Nachfolger von Pfarrer Heinrich Kleffner – die vakante Stelle in Mengede angetreten hatte, war er Vikar in Schildische (Bielefeld) und in der St. Ewaldi-Gemeinde in Aplerbeck.

1971 wurde Ernst Sonntag zum Dechanten gewählt, ab 1977 war er Regionalvikar und ab 1994 Regionaldekan für das Ruhrgebiet-West.

Bevor er kurz nach seinem 70. Geburtstag auf persönlichen Wunsch in den Ruhestand getreten war, hatte Ernst Sonntag noch den neuen Pastoralen Pfarrverband Nordwest geleitet. 2006 wurde er für seine seelsorgerische Tätigkeit vom Erzbischof in Paderborn zum Geistlichen Rat ernannt.

Ernst Sonntag war ein bescheidener freundlicher und immer kontaktfreudiger Mensch, der während seiner Tätigkeit in seiner Mengeder Gemeinde viel bewegt hat. Wie wichtig ihm diese war, hatte er übrigens schon am Anfang seiner Amtszeit bewiesen, als er in den ersten vier Jahren jeden seiner damals 5400 Gläubigen persönlich zuhause besucht hatte. Möge er in Frieden ruhen.

 

 

 

Heimatverein Mengede e.V.

Paul Gausepohl – Gerd Obermeit – Jürgen Karlshaus – Hans-Ulrich Peuser

 

 

Karlheinz Bohnmann

 

 

 


Über Mengedes Geschichte (2)


 Früher war unser Ort ein Königsgut

„Mengede hat eine lange Geschichte, die bis in die Zeit vor 1000 Jahren zurückgeht.“ Das schrieb in den 20er Jahren der evangelische Pfarrer Albrecht Stenger I. (1885 - 1928) in einer Fortsetzungsreihe, die unter dem Titel „Heimatbilder“ im „Mengeder Lokal-Anzeiger“ erschienen ist. Ein Rückblick, der nicht nur für Neu-Mengeder interessant ist. Deshalb berichten wir in einer von Karlheinz Bohnmann - unter Berücksichtigung aktueller Aspekte - bearbeiteten Serie in Auszügen über die Nachforschungen Stengers, die übrigens später von seinem Sohn Pfarrer Dr. Albrecht (1896 - 1988) fortgesetzt wurden. Im Jahr 928 schenkte Heinrich I. „seiner treuen Dienerin, Ministerialin Williburg“ (Namensgeberin für die Williburgstraße) das Königsgut. Sie bekam, wie Stenger in seinem „Heimatblätter“-Bericht erläuterte, „zweidrittel Hufe, Gebäude und einen Herrenhof mit Ackerland und Wiesen“.

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 Die Urkunde vom 13. April 928

1052 übergab Heinrich III. das Gut dem Domstift in Goslar, das es von einem Vogt - dabei handelte es sich um den Ritter Gerlach von Strünkede (Strünkedestraße) - verwalten ließ. Dieser war verpflichtet, an das Stift „2 1/5 Talente Dortmunder Geldes“ zu entrichten. Probleme gab es, als der Vogt mit seinen Leistungen in Rückstand geraten war. Deshalb schickte das Domstift im Jahr 1300 einen Bevollmächtigten zu dem Grafen von der Mark, der den säumigen Gisbert von Strünkede zur Rechenschaft ziehen sollte. Doch der traute sich nicht, gegen den säumigen Ritter vorzugehen. Außerdem hatte dieser angegeben, mit dem Gut nichts mehr zu tun zu haben. Schon vor 30 Jahren hätte er es seinem Vater übergeben. Ab 1270 war das Gut, das nun Osthoff hieß, also im Besitz des Ritters von Strünkede. 1275 verkaufte dieser einen Teil davon an die Mengeder Kirche. Abgeschlossen hatte er das Geschäft mit dem Gemeindepfarrer Gottschalk.1388 arrondierte Pfarrer Hanel den kirchlichen Landbesitz, indem er den Molenkamp (Mühlenkamp) hinzukaufte.

 

Mehr über die Mengeder Frühgeschichte können Sie in der nächsten Folge lesen.

 

 


Knappenvereine feiern Geburtstag


Nur einer hatte nach Stilllegung aufgegeben

Etwa 200 Jahre ist es her, dass die Zahl der Bevölkerung des bis dahin beschaulichen Amtes Mengede fast über Nacht in ungeahnte Höhen kletterte. Angelockt wurden die Neubürger von den Zechen „Adolf von Hansemann“ und „Westhausen“. Was Mengede damals erlebte war ein Beispiel für den Boom, den die Kohle im Ruhrgebiet ausgelöst hatte. Der aufstrebende Bergbau, der den bis dahin betulichen Ort total veränderte, hatte vor allem Familien aus dem Kohlerevier Schlesien, aber auch aus Ost- und Westpreußen und dazu viele polnische Familien angelockt, die sich - nicht ohne Grund - von der boomenden Kohle eine schönere  Zukunft und einen besseren Lebensstandard erhofften. Und heute? Inzwischen ist der Bergbau  Geschichte. Geblieben sind von dem ehemaligen Mengeder Pütt die architektonisch beeindruckenden Außenanlagen, die jetzt von der Handwerkskammer Dortmund für Ausbildungszwecke genutzt werden, sowie das in drei Räumen des früheren Pförtnerhauses eingerichtete Bergbau-Museum, das von unserem Mitglied Max Rehfeld inspiriert und aufgebaut wurde, und die Erinnerungen. Und geblieben sind zwei von früher drei Knappenvereinen, die heute neben den Erinnerungen inzwischen vornehmlich das gesellige Beisammensein pflegen. Anders war es bei ihrer Gründung. Da hatten sie wichtige soziale Aufgaben zu erfüllen, denn offizielle Versicherungen für den Notfall gab es damals noch nicht. Wenn Kumpel verunglückten, standen ihre Familien ohne finanzielle Hilfe da. Da sprangen die Knappenvereine in die Bresche. Sie richteten beispielsweise eigene „Sterbekassen“ ein. Die Situation besserte sich erst durch die von Bismarck eingerichteten Sozialgesetze. Die drei Knappenvereine aber existierten weiter. Erst 1967 löste sich der zweitälteste von ihnen auf. Die beiden anderen aber haben durchgehalten und feiern in diesem Jahr runde Jubiläen: Der Bergmanns-Unterstützungs-Verein (BUV) wird 130 und „Glück auf“ 90 Jahre alt. Der nicht mehr existierende Dritte im Bunde war der 1904 gegründete Knappenverein „Schlag und Eisen“, der nach der Schließung von „Hansemann“ im Jahr1967 für sich keine Zukunft mehr sah. Ein Jahr später ging es ihm wie dem Pütt. Er wurde - allerdings auf Mitglieder-Beschluss – „stillgelegt“. Seine alte Fahne wurde später per Zufall auf einem Trödelmarkt entdeckt und dem Bergbaumuseum in Bochum übergeben.

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Auf dem Foto von links: Gustav Bagner (BUV),

Albert Molkenthien (Schlag und Eisen) und Walter Müller (Glück Auf)

mit dem damaligen OB Samtlebe im (Jubiläumsjahr 1984)

Die „Mutter“ der Mengeder Knappenvereine war der BUV. Zur Gründung von „Schlag und Eisen“ kam es wahrscheinlich infolge interner Querelen. Daraufhin verabschiedeten sich im Jahr 1904 einige der BUV-Mitglieder und gründeten ihren eigenen Verein. 20 Jahre später gab es wohl auch dort wieder Meinungsverschiedenheiten, Ergebnis: 1924 entstand mit „Glück Auf“ Mengedes Knappenverein Nr. 3.) Ihre große Zeit erlebten die Vereine nach dem Ende des 2. Weltkrieges, als die Kohle das wichtigste Standbein des so genannten „Wirtschaftswunders“ war. Durch die Heimkehrer aus dem Krieg, die als begehrte Mitarbeiter hochwillkommen waren, stieg die Zahl der Bergleute auf „Hansemann“ zeitweilig über 5000 Kumpel. Darunter waren auch viele, die durch den verlorenen Krieg nicht mehr in ihre alte Heimat zurückkehren konnten. Wer von ihnen kein eigenes Zuhause hatte, wohnte damals im vor einigen Jahren abgerissenen Bergmannsheim an der Sperberstraße, das im Volksmund als „Bullenkloster“ bezeichnet wurde. Für die meisten war es Selbstverständlichkeit, in einen der Knappenvereine einzutreten, um in ihrer neuen Heimat Kontakte zu finden. Neben den Schützenfesten waren die Jubiläumsveranstaltungen der Knappen die großen geselligen Höhepunkte im Nachkriegs-Mengede. Ge- feiert wurde damals mit großen Umzügen und sowie mit Tanz und Unterhaltungskünstlern in Großzelten auf dem Marktplatz. Das letzte gemeinsame Fest fand 1984 - allerdings schon nicht mehr im Zelt, sondern im PZ des Schulzentrums in Nette - statt. Damals wurde der BUV 100, „Schlag und Eisen“ 80 und „Glück Auf“ 60 Jahre alt. Die beiden letzteren hatten übrigens früher eigene, bei diesem Jubiläen aber bereits aufgelöste Spielmannszüge, die durch ihre „Knüppelmusik“ bekannt waren, und „Glück auf“ danach einen über viele Jahre von Günter Szesny geleiteten erfolgreichen Jugendspielzug. Die Veranstaltung stand aber schon damals im Schatten der 20 Jahre zuvor begonnenen Zechen-Schließungen. Und mit dem Aus für die Kohle schrumpften auch die Mitgliederzahlen, so dass „Schlag und Eisen“ vor 26 Jahren für sich keine Zukunft mehr sah, und - wie bereits erwähnt - sprichwörtlich das schwarz-blaue Grubenhandtuch warf. Der Bergmanns-Unterstützungs-Verein und „Glück Auf“ begehen jetzt stolz - allerdings getrennt - ihre Jubiläen. Der BUV feiert am 4. Juli in der Sportklause und „Glück Auf“ am 6. September im Saal des katholischen Gemeindehauses „St. Josef“.

Karlheinz Bohnmann

 

 


Bruno Wisbar und Werner Locker


 Abschied von der politischen Bühne

Zwei Akteure der Bezirksvertretung und langjährige Mitglieder unseres Vereins beendeten im vergangenen Monat ihre über viele Jahre erfolgreiche politische Arbeit für die Menschen im Stadtbezirk. Was auch immer der Anlass für die Entscheidungen der politischen Gremien gewesen ist, ohne die bewährten Kräfte zukünftig zu arbeiten, ist nachrangig. Mit den zwei Ortspolitikern verliert der Stadtbezirk Repräsentanten, die immer für alle Belange der Bürger verlässliche Ansprechpartner waren. Die Lücke die sie hinterlassen ist groß, und die Zeit wird zeigen, ob die Nachrücker mit gleicher Intensität für uns Bürger eintreten können und werden.

Wir bedanken uns bei Bruno Wisbar und Werner Locker für den auch zeitaufwendigen Einsatz zum Wohle aller Bürger im Nordwesten unserer Stadt. Wir sind aber sicher, dass wir auch weiterhin mit „unserem alten Bürgermeister“ und seinem langjährigen politischen Partner rechnen können – sicher auch auf politischer Ebene.

Nochmals herzlichen Dank Euch Zweien! Ihr könnt sicher sein, wir beschäftigen Euch in der Zukunft gerne.

 

 Fr.-Heinrich Veuhoff

 

 

 


Gemalt von einem Mengeder


 Feldpostkarten aus dem 1. Weltkrieg

Am Anfang stand ein altes Fotoalbum mit einem militärischen Motiv auf dem Einbanddeckel. „Entdeckt“ hatte es Otto Schmidt beim Ausräumen unserer früheren Heimatstube. Anfangs war sein Interesse daran nicht besonders groß. Doch beim „zweiten Blick“ stellte sich heraus, dass er auf einen Schatz gestoßen war, denn das vergilbte Buch enthielt u. a. alte Feldpostkarten. Geschrieben vor 100 Jahren. Im I. Weltkrieg. Die erste stammt aus dem Jahr 1915. Das Besondere: Die Vorderseiten hat Karl Schusterschitz, der an der Westfront im Einsatz und auch mehrfach verwundet worden war, mit von ihm gezeichneten und gemalten Impressionen versehen. Die Adressaten, die manchmal bis zu fünf Karten am Tag erhielten, waren seine Familienangehörigen. Und die wohnten an der Dönnstraße. image007Das Haus gehört heute Petra Hemker (auf dem Foto mit Otto Schmidt beim Sichten der 100-jährigen Post) eine der beiden letzten Nachfahren der Familie. Doch das wusste Schmidt nicht, als er mit seinen Nachforschungen begann. Denn den Namen Schusterschitz gibt es in Dortmund nicht mehr, wohl aber noch in Österreich. Dass die Familie einen österreichischen Background hatte, konnte Schmidt, der akribisch ihrer Geschichte nachging - insgesamt standen ihm am Ende 569 Dokumente zur Verfügung - schon an den alten Bildern erkennen. Und in der Tat: Die Familie war aus der damaligen kaiserlich-königlichen Donau-Monarchie nach Mengede gekommen. Der Bergbau hatte sie angelockt. Doch als Kumpel hat wohl keiner aus der Familie gearbeitet, denn nicht nur Karl Schusterschitz sondern bereits sein Vater Jakob war „nebenbei“ ein recht begnadeter Maler, was auch seine Zechen-Chefs schnell erkannten - und nutzten. Statt vor Kohle stand er deshalb vor der Leinwand. Wahrscheinlich befinden sich auch heute noch viele seiner Landschaftsbilder im Besitz von Mengeder Bürgern. Der Sohn hatte das Talent geerbt. Doch den großen künstlerischen Durchbruch erlebte er nicht. Der Sohn starb nach dem Ende des Krieges im Alter von 29 Jahren an Tuberkulose. Über diese interessante Geschichte, an der er ein Vierteljahr gearbeitet hat. berichtete Otto Schmidt jetzt vor Mitgliedern unserer Bodelschwingher „Filiale“. Die Fortsetzung folgt am 10. Juli um 19.30 Uhr. Wieder im Aufenthaltsraum der Freiwilligen Feuerwehr Bodelschwingh.

 

 Karlheinz Bohnmann

 
 

 


100 Jahre Firma Adam Nickel


 

Gründer kam aus dem Hessenland

Sie ist eine der ältesten Mengeder Firmen: Die Adam Nickel GmbH, die in diesen Tagen ihr 100-jähriges Bestehen feierte.

image009Nach dem Tod des Gründers verlegte sein Sohn Willi sen. die Baufirma 1946 von Groppenbruch, wo diese am 21. Juni 1914 ins Leben gerufen worden war, nach Mengede. Für den nächsten Umzug, allerdings diesmal nur innerhalb des Ortsteils, nämlich zur Solmstraße, sorgte dann Willi Nickel jun.. Inzwischen - seit 2005 - ist dessen Sohn Frank der neue Chef der Firma.

Beide erinnern übrigens mit ihrem zweiten Vornamen Adam an den Firmengründer, der 1902 mit zwei Brüdern, von denen einer ebenfalls Maurer- und der andere Schneidermeister war, nach Mengede gekommen war.

Heute hat sich die Adam Nickel GmbH überwiegend auf die Sanierung von Altbauten spezialisiert. Ihr umfangreiches Angebot reicht von der Kleinstreparatur bis zur Komplettsanierung. Rund 100 km um den Firmenstandort reicht der Radius des Traditionsunternehmens, das in den 100 Jahren seiner Existenz viele Höhen und Tiefen erlebt hat.

Den 35 Mitarbeitern steht ein umfangreiches Fahrzeugprogramm - u. a. drei Kleinbagger, zwei Radlager und 20 Dienstwagen – zur Verfügung.

 

Karlheinz Bohnmann

 

 

Dauertermine monatlich:

 

1. Mittwoch

19.00 Uhr: Stammtisch in der „Heimathaus“

2. Dienstag

19.00 Uhr: Stammtisch in Bodelschwingh

3. Mittwoch

17:00-19:00 Uhr: Treffpunkt „Heimathaus“

3. Samstag

BUV-Kleinzeche, von 10.00 bis 16.00 Uhr

     

Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14, 44359 DO (0231 - 33 76 90)

 
 
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