Heimatblätter
Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.

Nr. 38 Ostern 2014 13. Jahrgang
EP 0,50 Euro

 

 

Wir wünschen allen Mitgliedern und Gönnern des Vereins sowie allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern im Stadtbezirk Mengede friedliche und fröhliche Ostertage

 

Gausepohl – Karlshaus – Obermeit - Peuser

 

 

 


Über Mengedes Geschichte (1)


 Früher war unser Ort ein Königsgut

„Mengede hat eine lange Geschichte, die bis in die Zeit vor 1000 Jahren zurückgeht.“ Das schrieb in den 20er Jahren der evangelische Pfarrer Albrecht Stenger I. (1885 - 1928) in einer Fortsetzungsreihe, die unter dem Titel „Heimatbilder“ im „Mengeder Lokal-Anzeiger“ erschienen ist. Ein Rückblick, der nicht nur für Neu-Mengeder interessant ist. Deshalb berichten wir in einer von Karlheinz Bohnmann - unter Berücksichtigung aktueller Aspekte - bearbeiteten Serie in Auszügen über die Nachforschungen Stengers, die übrigens später von seinem Sohn Pfarrer Dr. Albrecht (1896 - 1988) fortgesetzt wurden.

„Auf der alten Römerstraße drang Karl der Große bei seinen wiederholten Feldzügen gegen die Sachsen über den Hellweg gegen Sigiburg (Hohensyburg) vor, jene gewaltige Wallburg der Sachsen, die für unbezwingbar galt und nahm sie 775 ein“, so heißt es weiter in Stengers historischen Betrachtungen. Mit diesem Sieg habe „wie für ganz Sachsen, so auch für den Brukterergau, zu dem auch der Emschergau gehörte, eine neue Zeit“ begonnen. Grafen des Königs übernahmen die Herrschaft und richteten zahlreiche Königsgüter ein. Außer in Bochum, Dortmund und Castrop lag eines davon auch in Mengede.

Standort war die „Borgstätte“. Diese lag an der damals noch nicht aus dem Ortskern verlegten Emscher, etwas weiter westlich des in den 60er Jahren abgerissenen Herrensitzes (Haus Mengede).

Mit der Herrschaft Karl des Großen begann auch die Christianisierung. Mittelpunkt der Missionstätigkeit war ein 802 von Ludger von Werden an der Ruhr gestiftetes Benediktinerkloster. Aus dessen Heberegistern geht hervor, dass schon die Landsassen Rikuwini und Aholmund (nach ihnen sind die Rigwin- und die Adalmundstraße benannt) schon vor 900 Abgaben an die Benediktiner-Mönche zahlen mussten:

Rikuwini 18 Scheffel Gerste, einen Scheffel Spelz und acht Denare (Heerschilling), Aholmund die gleiche Menge und zusätzlich noch neun Maß Flachs, zehn Scheffel Getreide und ein „starkes Schwein“. Daraus schloss Stenger, „dass der Eichen- und Buchenwald hier schon gelichtet war und Ackerbau wie Viehzucht schon heimisch waren." Seine Einschätzung: „Dieses war ein Klostergut.“

„Mengede war“, so schrieb Stenger weiter, „aber auch ein Königshof, welcher in der Familie des Königs als Eigengut erblich war.“

Wie es mit der Mengeder Geschichte weiterging, das können Sie in der nächsten Folge lesen.

 


 Unser Stadtbezirk auf alten Karten


 Neue Perspektiven und Entdeckungen

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„Auf Karten wurde schon immer gefälscht, was das Zeug hielt.“ Daraus machte Ingo von Stillfried, stellvertretender Leiter des Vermessungsamtes der Stadt Dortmund und Vorsitzender des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum, bei der Eröffnung der Ausstellung „Mengede - Stadtbezirk auf alten Karten“, über die er inzwischen auch an unserem Februar-Stammtisch berichtet hat, kein Hehl.

Großes Interesse hatten schon seine Ausführungen bei der Eröffnung der Ausstellung gefunden, in der er einen Einblick in 20 000 Jahre Kartografie-Geschichte gab. Interessant, dass deren Ursprung schon vor der Erfindung von Schriftzeichen und der Schrift begonnen hat. Als Vorläufer gelten die Höhlenzeichnungen der Urmenschen. Sie hätten als Hinweisgeber auf günstige Jagdgebiete gedient.

Auch bei Ausgrabungen in Mesopotamien gefundene Fragmente von Tafeln mit Ritzmustern und eine Tonscherbe (etwa 1500 v. Chr.), die einen Stadtplan darstellt, gelten als weitere historische Beispiele. Das gleiche gilt für einen Rom-Stadtplan aus dem 2. Jh. vor Chr. und für eine weitere Rom-Karte aus dem Jahr 1500 mit detaillierten Informationen für Pilger.

Von Stillfried erinnerte auch an die wichtige Rolle von Gerd Mercator, der 1664 die erste navigationsfähige Karte anfertigte. Seekarten gab es aber auch schon in der Renaissance. Sie galten als Staatsgeheimnis. Ihre  Weitergabe an andere seefahrende Nationen wurde mit dem Tod bestraft. Außerdem wurden bewusst Karten gefälscht, um die Seefahrer-Konkurrenz in die Irre zu führen. Später wurden auch Objekte größer dargestellt als sie waren, so dass angriffswillige Feinde von ihren Plänen abließen.

Selbst in der Bundesrepublik wurde noch vor etwa 25 Jahren munter ge- bzw. verfälscht, damit beispielsweise auf Luftbildern weder Kasernen noch  Truppenübungsplätze zu sehen waren. Und auf der anderen Seite war es nicht anders. Die ehemalige DDR manipulierte z. B. ihre Karten im Grenzbereich, um eventuelle Flüchtlinge zu verwirren.

Wie wenig solche Geheimniskrämerei aber genutzt hat, zeigt eine Karte des KGB in kyrillischer Schrift aus dem Jahr 1981, auf der potentielle Angriffsziele in Dortmund detailliert  eingezeichnet sind. Auch diese Karte ist in der Ausstellung, die noch bis zum 27. April läuft, zu sehen.

Wie wertvoll aber exakte Landkarten sind, hatte Napoleon schon 1800 bei der Planung seiner Eroberungskriege  erkannt. Fünf Jahre später zog der preußische Generalstab nach. So entstand vor 170 Jahren auch die Karte für das heutige Ruhrgebiet.

Im Mittelpunkt der Ausstellung aber steht der Stadtbezirk Mengede. An historischen Großfotos, Schaubildern und historischen Karten - u. a. das Urkataster von 1827 - kann man erkennen, welche Veränderungen es in den vergangenen 250 Jahren gegeben hat. Zu sehen ist auch das Instrumentarium, das von den Kartografen bei ihrer Arbeit verwendet wurde und heute noch wird.
Ingo von Stillfried hofft, dass sich auch viele junge Menschen für die Ausstellung interessieren werden, denn: „Es gibt keine Zukunft ohne Vergangenheit.“

Karlheinz Bohnmann

 


Heinz Mause verstarb mit 74 Jahren


 Auch für den Heimatverein war er ein Freund

 Drei Wochen vor Weihnachten verstarb nach einer schweren Krankheit ein Mann, der sich nicht nur auf politischer Ebene - speziell auch in und für Mengede - einen Namen gemacht hat: Heinrich Mause (74): Er spielte auch eine wichtige Rolle bei der Gründung unseres Heimatvereins. Als damaliger Bezirksvorsteher (heute: Bezirksbürgermeister) hatte er am 22. Februar 2002 im Burghof die Gründungsversammlung geleitet. 

Der aus Castrop- Rauxel stammende Vermessungsingenieur wohnte seit 1952 in Mengede. Politisch engagierte er sich ab 1974 in der örtlichen CDU, in der er kontinuierlich Karriere gemacht hatte: Vorsitzender der Ortsunion Mengede- Groppenbruch- Mengeder Heide, Vorsitzender des CDU-Stadtbezirks Mengede, zwölf Jahre Mitglied und Fraktionssprecher der Christdemokraten in der Bezirksvertretung, Stellvertreter des Bezirksvorstehers, um dann nach der Kommunalwahl 1992 das Amt des Bezirksvorstehers zu bekleiden. Ab 2004 vertrat Heinz Mause schließlich unseres Stadtbezirk im Rat der Stadt Dortmund. 

Außerdem gehörte Mause dem Pfarrgemeinderat der katholischen Kirchengemeinde St. Remigius an, davon acht Jahre als Vorsitzender. 

Egal, in welchem Bereich er sich engagierte: Heinrich Mause wurde bei Freund und „Feind“ wegen seiner Ehrlichkeit und Sachlichkeit geschätzt. Und so wird er in Erinnerung bleiben.

 

Karlheinz Bohnmann

 


„Branntwein wie Wasser“


 Was so alles im Kirchenbuch steht

"Sie fraßen und tranken den ganzen Tag und Nacht", notierte vor 200 Jahren ein Chronist im Kirchenbuch der Remigius-Kirche über ungewöhnliche Besucher in Mengede. Dabei handelte es sich um vier russische Soldaten, die sich im Pastorat einquartiert hatten: Ein Wachtmeister, ein Quartiermeister und zwei Husaren, von denen einer leidlich Deutsch sprach.

Die Russen gehörten zu einer 300-köpfigen Kavallerie-Eskadron, die nicht als Feinde, sondern als willkommene Preußen-Unterstützer im Kampf gegen den „Deutschenfeind“ (Zitat) begrüßt wurden. Auf dem Weg in Richtung Rhein hatten sie für zwei Tage in Mengede eine Rastpause eingelegt.

So weit, so gut. Doch die ungewöhnlichen Ess- und Trinkgewohnheiten der Besucher irritierten den Chronisten so sehr, dass er echauffiert notierte: „Die Menschen aßen ganz anders, wie wir. Brandwein können sie wie wir das Wasser trinken und tranken ein jeder täglich wenigstens 2 Maß (Anm.: etwa zwei Bierkrüge) auch wohl 4 Maß, Zwiebeln, grünes Suppenkraut aßen sie roh, Kappes Salat mit schwarz vor Pfeffer, Essig, Zwiebeln und Butter überschwemmt war ihre liebste Speise und mit einem Worte: Alles für unseren deutschen Magen unverdaulich.“

Der Major der Eskadron trug übrigens den deutschen Hausnamen Dick. Er hatte sich "standesgemäß" bei der Familie des Drosten zu  Vischering im Haus Mengede einquartiert.

Karlheinz Bohnmann

 


Ortsumgehung?  Nein Danke!


 Städteplanung um 1810

„Es liegt klar am Tage, dass die Verlagerung des Weges … dem allgemeinen Interesse ganz angemessen ist …“ so beschreibt Bürgermeister Biggeleben 1810 die Notwendigkeit, den schlechten, um Mengede herumführenden Weg zugunsten einer Ortsdurchfahrt zu beseitigen.

Vor 200 Jahren führte die Landstraße von Bochum nach Lünen westlich an Mengede vorbei, das war etwa die heutige Siegenstraße vom Burghof bis zur Kreuzung mit Burgring und Waltroper Straße und von dort aus direkt auf das „Haus am Schlagbaum“ und den jetzigen katholischen Friedhof zu. In die Heide ging kein direkter Weg, die Bevölkerung musste in Richtung Ickern mit der damaligen „Schwarzteichstraße“ (heute etwa der Verlauf der Großen Riedbruchstraße) vorliebnehmen, die in der Nähe des Schlagbaums als Weg nach Ickern abknickte. Die Nutzung dieser Strecke war eine morastige Angelegenheit, einige Emscherbrücken waren zu queren und Überschwemmungen des Gebietes waren keine Seltenheit.

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Ortsplan 1810 für die Straßenplanung; genaue Pläne der Urvermessung1826 können noch bis zum 27. April im Heimathaus eingesehen werden

Die heutige Waltroper Straße, etwa ab der Einfahrt zum Bodendenkmal Haus Mengede war in Richtung Waltrop/Brambauer kein öffentlicher Weg und an der Einmündung der Große Riedbruchstraße war die Zufahrt durch einen Schlagbaum gesperrt, denn der Weg bis zu den Mühlen bei Haus Mengede war ein privater Weg zum Hof. Bis heute hat sich die Bezeichnung „Am Schlagbaum“ bekanntlich im Volksmund erhalten.

Die Gewerbetreibenden im alten Ortskern hatten ein verständliches Interesse daran, den Verkehr zukünftig durch den Ort, über die heutige Williburgstraße und den Christel-Goltz-Platz in Richtung Waltrop/Brambauer zu führen.Mit der Begehung am 9. Juni 1810 wurde die Örtlichkeit aufgemessen und es war auch finanziell ein Vorteil für die Gemeinde und Haus Mengede, den Verkehr durch den Ort zu leiten. Die Instandsetzung der maroden Emscherbrücken nördlich von Haus Mengede konnte unterbleiben und Haus Mengede wurde durch die Übergabe des bisherigen Privatweges an die Gemeinde von der Belastung befreit, die Emscherbrücken von der Mühle bis zum „Schlagbaum“ zu unterhalten.

Erst mit dem Ausbau des Burgrings Ende der 60-er Jahre wurde der alte Ortskern nach rund 150 Jahren wieder entlastet, denn auch der Fernverkehr aus westlichen Richtungen musste bis vor rund 50 Jahren durch den Ort, um die Autobahn Köln/Hannover zu erreichen. Deutlich machte dies auch die Beschilderung zur Autobahn. Diese zierten die Häuserfronten des Burghofs, der ehemaligen Gaststätte Vahle (Kindergarten Sterntaler) und von Quellenberg.

Fr.-Heinrich Veuhoff

 

 


Vandalismus im Amtshauspark


Das Kreuz wurde wieder beschädigt

image003Das ehemalige Friedhofskreuz im Amtshauspark, das auf Initiative und Kosten des Heimatvereins Mengede im September 2006 vom Restaurator Dr. Christoph Hellbrügge vollständig instand gesetzt worden war und bereits im Oktober 2006 von Farbschmierereien gereinigt werden musste, ist im Januar 2014 wiederum beschädigt worden. Ein auf dem Kreuzsockel angebrachtes Grablicht wurde mitsamt der Pflanzen am Kreuz mutwillig zerstört. Von diesem Vandalismus war insbesondere Dodo Schulte-Mues, die seit Jahren das Amtshauskreuz und die letzte Grabstelle des ehemaligen Friedhofs pflegt, betroffen. Auch zahlreiche Mengeder haben ihren Unmut über die mutwillige und unsinnige Zerstörungswut zum Ausdruck gebracht.

Vor dem Kreuz befindet sich die Grabstätte des früheren Pfarrers der Katholischen Kirchengemeinde, Johann Eberhard Auwermann (1809 – 1871), der von 1856 bis 1871 Pfarrer dieser Kirchengemeinde war. Der Amtshauspark war in den Jahren 1856 bis 1998 katholischer Friedhof. Das Amtshauskreuz wurde als Friedhofskreuz 1856 eingeweiht und ist somit als ältestes Denkmal im Stadtbezirk bereits 158 Jahre alt.

Nach Bekanntwerden der neuen Schäden und Rücksprache der Bezirksverwaltungsstelle mit der örtlichen Denkmalbehörde hat der Heimatverein Mengede die Beseitigung der Schäden in die Hand genommen. Ein örtlicher Landschaftsbauer und Friedhofsgärtner wurde beauftragt, ein neues Grablicht aufzustellen und die Pflanzschäden zu beseitigen. Diese Arbeiten wurden im März erledigt.

Das Amtshauskreuz ist zudem von Witterungsschäden betroffen und die Grabplatte von Pfarrer Auwermann nahezu unleserlich geworden. Der Heimatverein wird in Zusammenarbeit mit der Bezirksverwaltung im Rahmen der in Kürze vorgesehenen Neugestaltung des Amtshausparkes eine Lösung herbeiführen.

Paul Gausepohl

 

 


Heimatvereinsausflug 2014


Haselünne - junge Stadt an alter Straße

Gemeint ist die alte Heerstraße, die schon im 12. Jahrhundert durch die Gegend um Haselünne führte. Der so günstig gelegene Ort mit einer Furt durch die Hase ließ schließlich die ersten Siedler hier ansässig werden.

Viele Kostbarkeiten konnten bis heute erhalten bleiben. Sie prägen nachhaltig das historisch gewachsene Stadtbild der alten Hansestadt.

Haselünne ist Ziel unseres diesjährigen Ausflugs. Wir starten am Samstag, dem 24. Mai und die genaue Abfahrtszeit wird noch bekannt gegeben. Die Stunden in Haselünne beginnen mit einem geführten Stadtrundgang und gegen Mittag werden wir uns im Kolpinghaus mit einem Tellergericht stärken. Für den Nachmittag ist eine Stammhausführung bei der bekannten Likörfabrik „Berentzen“ geplant. Abschließen werden wir den erlebnisreichen Tag mit einer Besichtigung des Haselünner Freilicht- und Heimatmuseums.

Gegen 18:00 Uhr steigen wir zur Heimreise wieder in den Bus. Geplant sind Kosten von 39,00 Euro pro Person einschließlich des Mittagessens. Bitte melden Sie sich bis zum 10. Mai 2014 zur Mitfahrt an. Anmeldungen nimmt Jürgen Karlshaus unter 0231-339518 entgegen. Sie können Ihre Mitfahrt aber auch über den Anrufbeantworter im Heimathaus buchen, Tel.: 0231 – 47 60 10 46.

 

 

 

Dauertermine monatlich:

 

1. Mittwoch

19.00 Uhr: Stammtisch im „Heimathaus“

2. Dienstag

19.00 Uhr: Stammtisch in Bodelschwingh

3. Mittwoch

17:00-19:00 Uhr: Treffpunkt „Heimathaus“

3. Samstag

BUV-Kleinzeche, von 10.00 bis 16.00 Uhr

     

 

Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14, 44359 DO 

 
 
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