Heimatblätter
Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.

Nr. 36 November 2013 12. Jahrgang
EP 0,50 Euro





Liebe Freunde des Heimatvereins,

ein voller Terminkalender hat uns manche interessante Stunde in unserem gemütlichen „Heimathaus“ beschert. Berichte von den Veranstaltungen erscheinen regelmäßig auf unserer Internetseite. Auf einige möchten wir aber auch auf diesen Seiten zurückkommen, aber lesen Sie selbst, welch interessante Themen der „Stammtisch“ geboten hat.

Ihre Heimatblätter-Redaktion





Krippenausstellung im Saalbau


Zur Einstimmung auf die Adventszeit
Wilfried Jürgens war einer der Initiatoren der ersten Mengeder Krippenausstellung und hat es sich nicht nehmen lassen, auch für die Neuauflage 2013, der zehnten Ausstellung die Organisation zu übernehmen. Wenn Sie Zeit haben, schauen Sie einmal rein in den weihnachtlich geschmückten Saalbau. Die Ausstellung ist noch bis zum 4. Dezember geöffnet.




Ehrenplatz für Christel Goltz

Sohn Theo Schenk malte unser Heimathaus


Theodor Schenk und Bruno Wisbar enthüllen das Schild

Postume hohe Ehrung für unser vor drei Jahren im Alter von 96 Jahren verstorbenes Ehrenmitglied Christel Goltz: Nur einen Steinwurf entfernt von ihrem früheren Elternhaus an der Freihofstraße und neben unserem Heimathaus - wurde der kleine Platz mit der Stichstraße vor der evangelischen Remigius-Kirche nach ihr benannt.

An der Feier nahm auch Goltz-Sohn Theo Schenk (71) teil, der zu dem feierlichen Anlass aus Baden bei Wien angereist war. Zusammen mit Bezirksvorsteher Bruno Wisbar nahm er die Enthüllung des Straßenschildes „Christel-Goltz-Platz“ vor.

Wisbar erinnerte daran, dass der inzwischen verstorbene Goltz-Großneffe Heinrich Kolöchter als erster angeregt hatte, die Sängerin am Ort ihrer Kinder- und Jugendzeit durch einen nach ihr benannten Platz zu ehren und unser Heimatverein hatte das Anliegen weiter verfolgt. „Jetzt ist es endlich soweit.“ Wisbar umriss auch kurz den Lebensweg der wohl berühmtesten Tochter Mengedes. Sie sei „eine wunderbare charmante Diva mit einer unheimlichen Herzlichkeit und Ausstrahlung“ gewesen.

Als einen weiteren Höhepunkt im Vereinsjahr 2013 bezeichnete Paul Gausepohl die hohe Auszeichnung unseres verstorbenen Mitglieds. Er strich heraus, wie groß die Zuneigung von Christel Goltz` für ihre „ach so geliebte Heimat“ war, die sie regelmäßig besucht hatte. Zuletzt ein Jahr vor ihrem Tod. Ein besonderer Tag sei für sie die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft durch den Heimatverein gewesen. Mit bewegten Worten hätte sie sich bedankt.


Aquarell des Heimathauses von Th. Schenk

Beim anschließenden Empfang im Heimathaus bedankte sich Goltz-Sohn Theo Schenk, der wie seine Eltern ursprünglich auch künstlerisch tätig war, aber sich dann für eine sehr erfolgreiche Bank-Karriere entschied, für die große Ehrung seiner Mutter. Sie hätte immer Mengede, Dresden und Wien als die wichtigsten Stationen in ihrem Leben bezeichnet, und sie wäre sicherlich sehr stolz gewesen, „wenn sie das heute mitbekommen hätte“.

Unserem Verein schenkte er neben anderen historischen Exponaten mehrere Plakate für die Christel-Goltz-Erinnerungs-Wand in unseren Heimathaus und ein Aquarell von unserem Heimathaus, das er erst am Morgen gemalt hatte.

Sein Besuch in Mengede, versprach Schenk, soll nicht sein letzter gewesen sein. Sein erster war es übrigens auch nicht: Als 16-jähriger hatte er seine Mutter begleitet, als diese 1958 im Saalbau, vermittelt durch den früheren Schuldirektor Hermann Pöttker, ein Konzert gegeben hatte.

Wenn er das nächste Mal wieder kommt, hat sich etwas verändert. Denn unser Verein will unter dem Schild „Christel-Goltz-Platz“ als Ergänzung die wichtigsten Lebensdaten der großen Dame der Musik anbringen lassen.

Karlheinz Bohnmann






Stammtischthema: Ziegen

Auf diesem Stammtisch wurde „gemeckert“!



Alut Brinkmann bei ihrem Vortrag

Sie hat ihr Herz an Ziegen verloren: Alut Brinkmann vom Hof Heidbauer in Ickern erzählte in ihrer lockeren Art vor in großer Zahl erschienenen Stammtischbesuchern, warum es ihr und ihrem Bruder so viel Spaß und Freude bereitet, einen Hof mit dem Haupterwerbspunkt der Ziegenhaltung zu bewirtschaften. Das Melken von Ziegen sei eine Herausforderung, im Gegensatz zum Melken von Kühen; das sei ihr zu langweilig! Im Verhältnis zu Kühen (ca. 30 ltr.) gibt eine Ziege zwei und drei ltr. Milch pro Tag. etwa 200 Ziegen hält Alut Brinkmann z.Zt. auf ihrem Hof. Stolz ist sie darauf, den Hof inzwischen vollständig nach Biokriterien zu bewirtschaften. Das benötigte Futter wird zum Großteil selbst angepflanzt. Genetisch veränderte Futtermittel sind gänzlich tabu! Zurzeit hat Alut Brinkmann im wahrsten Sinne des Wortes noch alle Hände voll zu tun, um ihre Ziegen täglich zu melken. In Kürze wird ihr eine gebraucht erstandene vollautomatische Melkmaschine diese zeitaufwendige Arbeit erleichtern. Neben der Milchgewinnung stellt Alut Brinkmann seit gut einem Jahr in ihrer Käserei Frisch- und Weichkäse her, den sie auch in ihrem Hofladen zum Kauf anbietet. Übrigens sind Ziegenprodukte für Laktose intolerante Menschen perfekt geeignet. Sie sind Laktose frei!

Einen weiteren Erwerbszweig bildet z.Zt. noch die Herstellung von Rohalkohol mittels einer alten Brennmaschine, dessen Produktion jedoch nach dem Wegfall des Brennmonopols aufgegeben wird. Neben dem Schwerpunkt Ziegenhaltung werden auch noch Rinder (eine französische Rasse) ebenfalls nach Biorichtlinien gehalten. Zum Ende des unterhaltsamen Vortrages reichte Alut Brinkmann einige Kostproben aus der eigenen Käseherstellung, die, zunächst mit Neugier, dann mit Appetit verzehrt wurden.


Zur Person: Alut Brinkmann hat Landwirtschaft studiert. Das Bauernhaus an der Voerstestrasse in Ickern stammt aus dem Jahr 1823. Schon der Urgroßvater hat diesen Hof bewirtschaftet.

Jürgen Küster





Nach der Liebe folgt der Tod

Silvia Veuhoff über die Rolle der Bienen

Zum Schluss zitierte Silvia Veuhoff Albert Einstein. Von ihm stammt die Prophezeiung, dass der Mensch, „wenn die Biene verschwindet“, nur noch vier Jahre zu leben hat.

Wie wichtig die Rolle der Bienen für die Natur ist, darüber hatte die Mengeder Hobbyimkerin interessant und informativ auf unserem Stammtisch berichtet. Dabei räumte sie gleich zu Beginn mit dem (falschen) Bild auf, das durch die Biene Maja im Fernsehen vermittelt wird: „Bienen haben keine schwarzen und gelben Streifen. Sie sind eher bräunlich-beige und ein wenig pelzig.“ Und sie sind - ebenfalls anders als die TV-Biene - auch keine „Einzelgänger“, denn Honigbienen leben im Verbund.

Ein Volk besteht im Sommer aus bis zu 80.000 Bienen, im Winter reduziert sich diese Zahl auf 10.000 bis 30.000 Tiere. Ein Volk besteht aus einer Königin sowie aus den fleißigen, für das Honigsammeln zuständigen Arbeitsbienen und aus den lediglich für die Fortpflanzung benötigten Drohnen. Deren Liebesglück ist allerdings nur kurz, denn der erfolgreiche Vollzug bedeutet gleichzeitig auch ihren Tod.

Die „beglückte“ Königin hingegen sorgt für reichlich Nachwuchs. Rund 2.000 Eier legt sie pro Tag. Aus den unbefruchteten entwickeln sich Drohnen und aus den befruchteten Arbeitsbienen. Weitere Aufgaben hat die Königin nicht. Alles andere überlässt sie ihrem „Hofstaat“. Von dem wird sie gefüttert, beschützt und geputzt. Wie Silvia Veuhoff weiter berichtete, wird die Königin nur einmal in ihrem Leben von ca. 15-20 Drohnen begattet.

Während sie ihre Rolle genießt, müssen die Arbeitsbienen, die sich übrigens über ein eigenes Navigationssystem orientieren und sich über den so genannten Schwänzeltanz darüber informieren, wo reichlich Pollen und Nektar zu finden sind, fleißig auf ihre Sammeltour fliegen.

Um 1 kg Honig zu produzieren, müssen sie etwa 3 kg Nektar einsammeln. Dafür sind 100.000 Ausflüge erforderlich, auf denen 150.000 000 Blüten angesteuert werden müssen. Die Flugstrecke aller Bienen reicht dazu 6 x um die Erde.

80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen werden durch die Honigbienen bestäubt.


Zur Anschauung im Heimathaus: Minivolk mit Königin,
Arbeitsbienen und Drohnen

Die Rohmaterialien, die sie von ihren Ausflügen mitbringen, sind Nektar und Honigtau. Darin sind etwa 200 verschiedene Inhaltsstoffe enthalten: Davon 27 bis 44 Prozent Frucht-, 22 bis 41 Prozent Trauben- und andere Zuckerarten sowie etwa 18 Prozent Wasser. Hinzu kommen Pollen, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine sowie Farb- und Aromastoffe.

Silvia Veuhoff erläuterte auch wie wichtig und gesund Honig („Das einzige Lebensmittel, das nicht schlecht wird“) für uns Menschen ist. Er hilft bei der Verdauung, reguliert den Mineralstoffwechsel und fördert den Aufbau von Knochen und Zähnen. Außerdem ist Honig Nervennahrung, fördert die Blutbildung und regt den Appetit und auch die Drüsensekretion an. Honig wirkt auch bei der Wundheilung und verhindert Bakterienwachstum. Kein Wunder, dass dieser schon zu Urzeiten in Speisen und Getränken - z.B. Milch und Tee - als Stärkungsmittel beigefügt wurde.

Doch die fleißigen und so wichtigen Bienen leben nicht ohne Gefahren: Insektizide, Krankheiten wie die „amerikanische Faulbrut“ und die Varroa-Milbe sind für sie eine ständige Bedrohung.

Unabhängig davon macht ihnen bei der Suche nach Nektar auch die zurückgegangene und weiter zurückgehende Pflanzenvielfalt zu schaffen.

           Karlheinz Bohnmann





Vom Schloss bis zum „Kapps“

Interessante Fotoschau auf der Kirmes

Ein Freibad in Westerfilde und ein „Kapps“ in Bodelschwingh? Nie davon gehört? Doch beides hat es gegeben. Fotos davon konnte man auf der diesjährigen Bodelschwingher Kirmes sehen. Drei Tage lang zeigte die Bodelschwingher „Filiale“ unseres Vereins auf ihrer inzwischen bereits achten Kirmes-Ausstellung rund 300 historische Fotos. 70 davon wurden zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt Otto Schmidt und Werner Grasmann hatten die alten Aufnahmen aus ihrer aus 850 Fotos und Dokumenten bestehenden Sammlung herausgesucht. Weil das evangelische Gemeindehaus verkauft worden ist, fand die Bilderschau diesmal im früheren Schlecker-Geschäft an der Deininghauser Straße statt.

Ganz neu waren Fotos, die Friedrich Schopohl, Sohn eines früheren Rektors und engagierten Heimatforschers, der sich schon mit 14 Jahren eine „Leica“, damals das Nonplusultra der Kleinbild-Fotografie, gekauft hatte und damit alles festhielt, was ihn im Ort interessierte. Viele dieser Aufnahmen entstanden am Bodelschwingher Schloss. Sie zeigen beispielsweise Schlittschuhläufer auf der Gräfte, die im 2. Weltkrieg zerstörte Orangerie sowie das ehemaligen Billard- und Teehaus, das (sogar noch nach dem Krieg) im Schlosspark gestanden hatte. Und eine Portrait-Galerie informierte über die Vorfahren der Freiherren-Familie.

Andere Bilder zeigten z. B. wie sich einige Straßen im Laufe der Zeit verändert haben. Interessant auch die Fotos von früheren Vereinen, von denen viele nicht einmal mehr dem Namen nach bekannt sind, und vom eingangs erwähnten Freibad in Westerfilde, das der Lehrer Karl Schleef 1911 mit Schülern angelegt hatte und das 1942 durch Bomben zerstört wurde. Bei dem ebenfalls bereits erwähnten früheren „Kapps“ hatte es sich um Behelfswohnungen für in Armut geratene Mitbürger gehandelt. Die „Häuser“ standen an der Bodelschwingher Straße und wurden erst nach dem Krieg abgerissen. Heute stehen dort Wohnhäuser. Auch an große Ortsfeste mit stattlichen Umzügen erinnerten zahlreiche alte Fotos.

Paul Gausepohl, der die Ausstellung eröffnet hatte, brachte es auf den Punkt: „Die Bilder geben einen ausgezeichneten Einblick in die örtliche Geschichte und erinnern an altes Brauchtum und an schöne Traditionen“. Außerdem regten sie dazu an, „die Vergangenheit in die Gegenwart zu transportieren.“ Zu denen, die ebenso von der Schau begeistert waren wie viele der Besucher gehörte auch Bürgermeister Bruno Wisbar: „Es ist Zeitgeschichte!“

Bei künftigen Ausstellungen möchte der Heimatverein auch Bilder aus jüngerer Zeit zeigen. Deshalb sucht er Fotos, die nach dem 2. Weltkrieg entstanden sind. Wer leihweise Bilder zur Verfügung stellen möchte, kann sich an die Gruppe Bodelschwingh-Westerfilde des Heimatvereins wenden. Die Ansprechpartner Gerd Obermeit, Otto Schmidt und Werner Grasmann sind an jedem zweiten Dienstag im Monat bei den Zusammenkünften der Bodelschwingher Gruppe des Heimatvereins in Hürsters Kochwirtschaft (auch telefonisch) erreichbar.

Karlheinz Bohnmann





Michaelisfest war ein Volltreffer

Teilnehmer zogen eine zufriedene Bilanz


Zufriedene Gesichter auf der ganzen Linie sah man am Ende des diesjährigen Michaelisfestes. Schon der erste Tag war ein voller Erfolg. „Der beste Freitag, den wir seit Bestehen des Festes hatten“, stellte Schausteller-Chef Patrick Arens erfreut fest. Und an den beiden weiteren Veranstaltungstagen war es nicht anders: Gedränge vor den Zelten des Gewerbevereins, auf dem Handwerkermarkt und z. B. auch vor und in unserem Zeltcafé.

Am Freitag hatte Bezirksbürgermeister Bruno Wisbar das Fest eröffnet und dabei vor allem auch unsere ausländischen Mitbürger zum Mitfeiern eingeladen. Das Wetter war so angenehm, dass sogar nach dem Feuerwerk vom Saalbau-Turm die wenigsten schon an den Heimweg dachten.

Am Samstag war das leider anders. Kurz vor Beginn hatte es noch geregnet, überhaupt war es recht trübe, so dass der dreistündige „Interkulturelle Nachmittag“ auf der Bühne im Amtshaus-Hof anfangs nur mager besucht war, was sich im Laufe der Veranstaltung, die von Erika Wiedemann-Huß organisiert und auch moderiert wurde, aber positiv änderte.

Ilan Asato, seit 32 Jahren in Dortmund lebende Kabarettist, dessen türkischer Vorname übersetzt Kaiser, König oder Herrscher bedeutet, und der sich deshalb König vom Borsigplatz nennt, knüpfte an sein Programm „Herr Ober, ein Gedicht, bitte!“ an. Der schlagfertige Poesie-Liebhaber trug den Zuhörer(inne)n ihre Wunschgedichte vor und sparte auch mit humorigen Zwischenbemerkungen und Anspielungen auf sich und seine türkische Herkunft nicht.

Mit viel Musik ging es danach weiter. Klavier-Virtuose Anton Peisakhof aus Russland, früher Mitglied des Israel-Philharmonie-Orchestra Tel Aviv und Mitglied der Philharmonie der Nationen sowie Duygo Aydogen, Solo-Harfenistin des Symphonie-Orchesters der Universität Ankara und Meisterklassen-Absolventin der Hochschule für Musik in München sowie u. a. Preisträgerin des Internationalen Harp Competition Felix Godefroid (Belgien) bewiesen, dass man klassische Musik auch unter freiem Himmel genießen kann.

Ganz andere Klänge folgten. Deutsche, russische, persische und arabische Folklore präsentierte die seit 1982 bestehende multikulturelle Gruppe Maydam, der auch der Schwieringhauser Thomas Hopf angehört. Dabei kam auch ein 72seitiges Instrument aus Persien zum Einsatz. Beendet wurde der unterhaltsame Nachmittag mit einem Trommelwirbel. Ausgeführt von Aladi Tuoré mit seiner afrikanischen Tanz- und Trommelband.

14 Mitglieder des Gewerbevereins präsentierten sich mit ihren Angeboten auf Mengedes Einkaufsmeile Siegburgstraße / Am Amtshaus. Neben bekannten Firmen stellte sich auch eine junge Schneiderin vor, die neu in Mengede ist. Einige Aussteller hatten auch zu Gewinnspielen eingeladen. Beispielsweise galt es bekannte Gebäude zu erkennen, die sich auf technisch verfremdeten Fotos „versteckten“. Und vor allem die Kinder freuten sich über einen Stelzenmann, der Luftballons zu lustigen Figuren verknotete.

Außerdem hatte der Gewerbeverein Christina Mohr, alias Emmi Meyer, engagiert, die als „komischer Gast“ mit ihrem Saxophon vor der Zeltstadt musizierte, sich humorvoll mit den Besuchern unterhielt und auch mit einem Kurzauftritt auf der Bühne  erheiterte. Einkaufen konnte man nicht nur auf dem Gewerbemarkt, sondern auch in den Mengeder Geschäften, die am Sonntag geöffnet hatten, sowie an den 19 Ständen auf dem Handwerkermarkt. Ein Verkaufsrenner war übrigens wieder die Erbsensuppe aus der Gulaschkanone der Bürgerschützen.

Den Unterhaltungsteil auf der Bühne am Amtshaus bestritten am letzten Tag der Fanfarenzug Ruhrlandbühne Bochum, unterstützt von seiner Puscheln schwingenden Kindertanzgruppe, und das Akkordeon-Orchester Heider Spielgruppe, das einmal mehr bewies, welche Klänge es seinen „Quetschkommoden“ zu entlocken weiß, während der Chor Heimatliebe wieder einen bunten Liederstrauß gebunden hatte.

Tänzerisches Können präsentierte die TanzSportGemeinschaft (TSG) Bodelschwingh mit drei Paaren aus ihrer der A-Landesliga-Formation.

Begonnen hatte der letzte Tag des Michaelisfestes mit einem ökumenischen Gottesdienst. Die Pfarrer Gerd Springer (evangelisch) und Karl Kudla (katholisch) hatten die Themen Sonne, Freude und Dank in den Mittelpunkt gestellt. In dem Gottesdienst, der von über 200 Gläubigen besucht wurde, wirkten auch der Kindergarten Emscherwichtel und der Bläserchor der Noah-Gemeinde mit.

Karlheinz Bohnmann






Juden in Mengede

Reichspogromnacht

Als zwei SA-Männer gewaltsam seine Haustür aufbrachen, sprang der Mengeder Kaufmann Salomon Heimberg aus einem Fenster und verletzte sich dabei so schwer, dass er nicht mehr laufen konnte. Der Überfall ereignete sich in der von den Nationalsozialisten zur Kristallnacht verklärten Reichspogromnacht vor 75 Jahren. Als am 9. November überall in Deutschland Synagogen brannten, jüdische Geschäfte geplündert wurden und 2500 Juden den Tod fanden, war auch den in Mengede lebenden Familien jüdischen Glaubens klar, dass sie im „Dritten Reich“ keine Zukunft mehr hatten. Bis 1811 hatten Juden, gleichberechtigt und angesehen, in Mengede gelebt.

Dass es damit vorbei sein würde, hatten sie schon am 1. April 1932 zu spüren bekommen, als die am 9. Juni 1922 gegründete Mengeder NSDAP-Ortsgruppe, eine der ersten jenseits des Weißwurst-Gürtels, in einer Kundgebung auf dem Markt zum Boykott jüdischer Geschäfte aufgerufen hatte.

Schon kurz nach der Pogromnacht wurde die Fenster des Geschäftes der Heimbergs an der Williburgstraße 6, an dessen Ladenfront noch der Name des Schwiegervaters Bachmann stand, und dessen Fenster von Unbekannten eingeworfen wurden, und daraus das sogenannte Judenhaus eingerichtet. Dort wurden die zum Abtransport bestimmten Juden vor der Deportation zusammengetrieben.

Links im Bild: Williburgstr. 6,
das sog. „Judenhaus“, ehem. Fam. Bachmann

1940 auch die aus Bottrop stammende und nach zwei Jahren Gestapo-Haft nach Dortmund umgezogene Jeanette Wolff. Die spätere SPD-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende des Zentralverbandes der Juden in Deutschland und eine ihrer drei Töchter hatten als einzige aus ihrer Familie die KZ-Grauen überlebt.

1944 hatte noch ein Dutzend jüdischer Familien in Mengede gelebt. Einige hatten rechtzeitig emigrieren können, wie z. B. die Familie Kywi aus Nette, die Mengede schon 1938 in Richtung Holland entkam. Die  Nachkommen leben in Ecuador. Wer nicht dieses Glück hatte, rechtzeitig zu entkommen, wurde in ein Konzentrationslager abtransportiert.

An der Williburgstraße erinnern in den Bürgersteig eingelassene „Stolpersteine“ aus Messing des Künstlers Günter Dening an die Familien Heimberg und Bachmann.

Dass es in der Pogromnacht nicht zu weiteren größeren Exzessen in Mengede gekommen war, sei, wie er selbst in einem Gespräch mit dem Verfasser dieses Textes behauptet hatte, dem 1972 verstorbenen Gastwirt Wilhelm Waldeier („Zur Krone“; heute China-Lokal) zu verdanken. Er habe den Ortsgruppenleiter in der Pogromnacht in seinem Lokal eingeschlossen gehabt und ihm, während draußen laute Geräusche zu hören waren, immer wieder abgelenkt und ihm ständig ein neues Bier gezapft.

Ihr Bethaus hatten die 56 Mengede und die sechs in Bodelschwingh wohnenden Juden, die zur Synagogen-Gemeinde Castrop gehörten, seit dem Jahr 1900 an der Siegenstraße. Das Haus steht noch heute.

Vorsteher der Gemeinde war der Kaufmann Levi Baum, dessen Kaufhaus über 50 Jahre in Mengede existiert hatte.

Ein Nachkomme war nach Ende des 2. Weltkrieges regelmäßig jährlich aus seiner neuen Heimat Schweden (weitere Angehörige leben in New York) nach Mengede gekommen, um auf dem rund 130 Jahre alten jüdischen Friedhof in der Mengeder Heide die Gräber seiner verstorbenen Angehörigen zu besuchen.

Dort hatte die letzte Beerdigung vor dem Ende des Krieges sogar noch im April 1945, einen Monat vor dem Zusammenbruch des Hitler-Reiches, stattgefunden, als Frieda Stein nach jüdischem Ritus bestattet wurde. Auf Wunsch der Angehörigen hielt der evangelische Pfarrer Dr. Albrecht Stenger die Traueransprache.

1952 fanden auf dem Friedhof nur noch die Beisetzungen der Eheleute Dreesen statt. Außerdem wurden Gedenksteine für die 1944/45 im KZ verstorbenen Gerda und Joel Fraenkel, aufgestellt.

Heute gibt es in Mengede keine jüdische Gemeinde mehr, aber einige jüdische Mitbürger. Einer ist der ehemalige Inhaber der früheren „Brotstube“ am Markt, und ein anderer war vor etwa 20 Jahren Mitglied der Mengeder Bezirksvertretung.

Karlheinz Bohnmann





„Häuser der Ewigkeit“

Jüdische Friedhöfe im Stadtbezirke

Die bürgerlichen Verhältnisse der jüdischen Einwohner wurden durch Friedrich Wilhelm von Preußen per Erlass vom 11. März 1812 grundlegend neu geregelt, Juden wurden Inländer und preußische Staatsbürger. U. a. hatten jüdische Bürger binnen sechs Monaten zu erklären, welchen Familiennamen sie beständig führen wollen und neben sonstigen Rechten und Pflichten konnten sie gleich den christlichen Einwohnern Grundstücke jeder Art erwerben.

Die Mengeder Juden gehörten zur Synagogen-Gemeinde Castrop und folglich ist anzunehmen, dass bis zur Einrichtung eines eigenen Friedhofs die hiesigen jüdischen Bürger auf dem Friedhof in Castrop begraben wurden. Hinweise auf Bestattungen aus Mengede finden wir dort aber nicht.

Der Erlass von 1812 ermöglichte den Juden zwar die Anlage eines eigenen Friedhofs, aber erst am 15. Dezember 1845 erwarben die Juden vom Landwirt Anton Grasmann ein Grundstück an der Mengeder Straße in Nette 

(etwa an der jetzigen Kurve am Hallenbad) und richteten dort ihr „Haus der Ewigkeit“, wie Juden ihren Friedhof nennen, ein. Die königliche Regierung in Arnsberg genehmigte die Nutzung als Friedhof am 20. März 1846. Der kleine Friedhof war bei seiner Anlage nur 192 qm groß und wurde wegen Platzmangels Anfang des 20. Jahrhunderts geschlossen. Die Familie Mendel betrieb an der Mengeder Straße (ehem. Eisdiele) ein „Schuhwaren-Haus“ und Moses Mendel wurde nach heutigen Erkenntnissen als letzter Jude in Nette am 4. Januar 1907 bestattet.

Für den Straßenausbau erwarb die Stadt Dortmund 1958 das Grundstück an der Mengeder Straße, weshalb am Vorabend des „Schawouth“ 1959 (10. Juni) die Gebeine und Grabsteine von sechs Grabstellen zum jüdischen Friedhof in der Mengeder Heide überführt wurden.


Grabsteine vom früheren Friedhof in Nette
stehen nun in der Mengeder Heide

Als abzusehen war, dass der kleine Friedhof in Nette keine Bestattungen mehr zuließ, sorgte die jüdische Gemeinde vor und erwarb vom Landwirt Schween gen. Schulte zu Groppenbruch am 14. Dezember 1885 für einen neuen Begräbnisplatz ein Grundstück in Größe von 1852 qm. Die Einrichtung des Friedhofes genehmigte die Königliche Regierung in Arnsberg am 9. Juli 1886. Als Käufer traten damals acht jüdische Bürger der Familien Bachmann, Baum, Neugarten, Rosenberg und Rosenthal auf und sie bzw. ihre Erben blieben als Eigentümer bis zur Eigentumsübertragung auf die Jewish Trust Corperation London 1951 im Grundbuch verzeichnet. Einige der damaligen Erwerber fanden in der Heide ihre letzte Ruhestätte. Heutiger Eigentümer ist der Landesverband der jüdischen Gemeinden Westfalens in Dortmund. Der älteste Grabstein ist vom 13. Januar 1911 und bis zum 1.September 1952 fanden hier 23 Bestattungen statt, von denen die 16 aufstehenden Grabmäler Zeugnis geben. An den alten Friedhof an der Mengeder Straße, der heute zur Straße vergraben und nicht mehr in der Örtlichkeit zu erkennen ist, erinnert ein schlichter Gedenkstein.

Im Norden des Stadtbezirks, an der Einmündung der Groppenbrucher in die Siegenstraße, liegt seit fast 130 Jahren, etwas versteckt als kleine Grünanlage hinter einer Hecke, der jetzige Friedhof und erinnert an die Existenz jüdischen Bürgertums in Mengede.

Fr.-Heinrich Veuhoff





Die Barbarazweige

Am 4. Dezember kommen sie in die Vase

Seit Bestehen der Heimatblätter berichten wir über Sitten und Gebräuche unserer Heimat und passend zur Zeit möchten wir heute an den Barbarazweig erinnern, der in fast jeder Familie vor rund fünf Jahrzehnten zur Ausschmückung der Wohnung in der Adventszeit beigetragen hat. Was aber war ein Barbarazweig? Traditionell wurden Zweige vom Kirschbaum oder auch anderen Laubgehölzen, die zuerst Blüten und erst später Blätter bilden, (Birnen, Pflaumen, Pfirsiche oder auch Schwarzdorn) abgeschnitten und im warmen Zimmer oder der Küche in einer Flasche oder Vase mit Wasser aufgestellt und von Zeit zu Zeit wird der Wasserbestand mit abgestandenem Wasser nachgefüllt. Schon bald fangen die Zweige an zu „treiben“ und die Knospen werden von Tag zu Tag praller. Aus den ganz spitzen Knospen kommen kleine zarte Blättchen hervor, aber das Schönste sind die hauchzarten weißen (bei Kirschen und Pflaumen) und rosa (bei Pfirsichen) Blüten. Ein solcher „Barbarazweig“ ist dann für den Blumenfreund ein reicher Lohn. St. Barbara ist bekanntlich die Schutzpatronin der Bergknappen. Deshalb war es in den Bergmannsfamilien selbstverständlich, ein solches Schmuckstück in seiner Wohnung zu haben.

Fr.-Heinrich Veuhoff


Dauertermine monatlich:


1. Mittwoch

19.00 Uhr: Stammtisch „Heimathaus“

2. Dienstag

19.00 Uhr: Stammtisch in Bodelschwingh

3. Mittwoch

17:00-20:00 Uhr: Treffpunkt „Heimathaus“

3. Samstag

BUV-Kleinzeche, von 10.00 bis 16.00 Uhr









Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14, 44359 DO (0231 - 33 76 90)

 
 
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