Heimatblätter
Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.

Nr. 34 11. März 2013 12. Jahrgang
EP 0,50 Euro




Glückwunsch der Osterausgabe der „Mengeder“ 1928


Der Kalender meint es gut mit uns und kündigt den Abgang des Winters und die bunte Zeit des Frühlings an. Wir hoffen gemeinsam auf schöne sonnige Stunden und wünschen allen Mitgliedern und Freunden des Heimatvereins zur Einstimmung auf diese Jahreszeit schöne und geruhsame Ostertage.

Ihre Heimatblätter-Redaktion





Ehrenplatz für Christel Goltz

Neben unserer neuen Heimatstube

Kammersängerin Christel Goltz, am 15. November 2008 in Baden bei Wien im Alter von 96 Jahren verstorben, erhält in Mengede, wo sie ihre Jugend verbracht hat, einen Ehrenplatz.

Ganz in der Nähe ihres Elternhauses Freihofstraße 7, der alte Saal brannte Anfang der 50er-Jahre ab, wird die Grünanlage vor der evangelischen Remigius-Kirche und neben unserem neuen Domizil ihren Namen erhalten.

Unserem Antrag auf Benennung des Platzes hat die Mengeder Bezirksvertretung in ihrer letzten Sitzung einstimmig zugestimmt.

Christel Goltz, übrigens unser 50. Mitglied und erstes Ehrenmitglied, hatte die Wiese vor der Kirche bei ihren häufigen Heimatbesuchen als ihren früheren Spielplatz bezeichnet.

Geboren wurde die weltberühmte Sängerin zwar nicht in Mengede, sondern in der Dortmunder Innenstadt. Zur Freihofstraße kam sie, als ihre Eltern - international bekannte Hochseil-Artisten - sich von der Zirkuskuppel verabschiedeten, um die Festsäle Goltz (nach dem 2. Weltkrieg von der Familie Tittmann geführt) übernahmen.

Obwohl es sich um eine wahre Goldgrube gehandelt haben muss, hielt es Christel Goltz nicht in Mengede. Mit 18 Jahren zog sie nach München, um sich als klassische Tänzerin ausbilden zu lassen. Dort wurde auch ihr gesangliches Talent, das ihre Leben bestimmen sollte, entdeckt.

Ihre Bühnenlaufbahn begann die Tänzerin und Sopranistin mit 23 Jahren in Fürth. Wenige Monate später wechselte sie nach Plauen, wo sie von Karl Böhm, Vater des Schauspielers Karlheinz Böhm und Leiter der Semperoper, 1936 nach Dresden geholt wurde. Erst 1950 wechselte sie an die Staatsoper Wien, wo sie zur Österreichischen Kammersängerin ernannt wurde. 20 Jahre später verabschiedete sie sich nach 110 Opernrollen, mit denen sie auf alle berühmten Bühnen der Welt begeistert hat, und mit ihrer Interpretation der „Salome“ Musikgeschichte geschrieben hat, auf eigenen Wunsch in den Ruhestand.

Christel Goltz (hier ein Foto von ihrem Saalbauauftritt 1958 mit ihrem Gatten Theo Schenk am Flügel) wurde mehrfach hoch ausgezeichnet. So verlieh ihr die Wiener Staatoper beispielsweise den Ehrenring und die Ehrenmitgliedschaft, und in der Semperoper in „Elbflorenz“ steht eine ihr gewidmete Büste, die allerdings nach ihrer „Flucht“ in den Westen auf Geheiß der DDR-Nomenklatura vorübergehend in den Keller verbannt werden musste. Außerdem vergibt die Semperoper alljährlich einen Christel-Goltz-Nachwuchspreis. Wie unvergessen die Sängerin auch sonst in Dresden geblieben war, wurde ihr im Jahr 2000 mit der Ehrung zur Frau des Jahrhunderts erwiesen.

Christel Goltz wurde am 1. Dezember 2008 in einem Ehrengrab neben ihrem bereits 1967 verstorbenen Ehemann, dem Kammervirtuosen Theodor Schenk, auf dem St. Veiter Friedhof in Wien zur letzten Ruhe gebettet. Ihr Sohn Theo Schenk lebt in Wien. Er freut sich, dass der Name Christel Goltz in Mengede einen Ehrenplatz erhält.

Karlheinz Bohnmann






Als die Mühlen noch „klapperten“

Otto Schmidt über Mengeder Vergangenheit

Über eine Zeit, als noch niemand in Mengede sich vorstellen konnte, dass eines Tages über den heutigen Burgring Verkehr fließen würde, berichtete Otto Schmidt (Bodelschwingh) in unserer Januar-Stammtischrunde. Denn dort, wo heute die Autos rollen, plätscherte einst munter die (später verlegte) Emscher und trieb mit ihrer Wasserkraft eine Korn- und eine Ölmühle an.

Daran erinnert der Mühlstein, der vor der evangelischen Remigius-Kirche und neben unserer künftigen Heimatstube in der ehemaligen Gaststätte Ellinghaus (übrigens einst Mengedes älteste) liegt.

Beide Mühlen, so notierte der damalige Amtmann Schragmüller, existierten schon im Jahr 1912 seit 260 Jahren. Ihr Besitzer war das Adelshaus Mengede, von dem heute leider nur noch die Grundmauern stehen Der Wasserlauf der ursprünglichen Emscher wurde durch vier Stauwehren geregelt. Die Mühlen wurden von Pächtern geführt, die allerdings nicht mit Geld bezahlt wurden, sondern mit der so genannten „Multer“. Das waren 5 Prozent vom gemahlenen Getreide. Ein Drittel des Korns durften sie behalten, während die adeligen Mühlenbesitzer den Löwenanteil kassierten.

Trotz ihrer wichtigen Aufgaben für die Versorgung der Bevölkerung hatten die Müller einen schlechten Ruf. Ihnen wurden nämlich Betrügereien und Gewalttätigkeiten vorgeworfen. Zudem mussten sie bei Hinrichtungen die benötigten Galgenleitern liefern. Dieser „unehrliche“ Teil ihres Gewerbes war vielleicht mit ein Grund dafür, dass ihnen erst im Mittelalter erlaubt wurde, eine Zunft zu bilden.

Das Aus für die Emscher zeichnete sich ab, als der einst so liebliche Fluss, der so fischreich war, dass er zwei im Ort lebenden Fischern und ihren Familien einen sicheren Lebensunterhalt sicherte, im 19. Jahrhundert durch die Einleitung des Schmutzwassers der anwachsenden Industrie und durch Fäkalien immer mehr in eine Kloake verwandelt wurde. Die bitteren Folgen waren mehrere große Fischsterben. Wie berichtet wird, stauten sich die Kadaver der Flossentiere schließlich vor den Wehren in so großer Menge, dass sie den Wasserlauf hemmten. Und zudem stank die Emscher inzwischen auch unerträglich zum Himmel. Eine Lösung musste unbedingt her.

1899 wurde deshalb die Emschergenossenschaft gegründet. Damit aber war das Schicksal der Wassermühlen an der Emscher endgültig entschieden. Sie mussten schließen und wurden zum Teil sogar zwangsenteignet. Insgesamt wurden 15 an der Emscher liegende Betriebe "abgewickelt".

Neben den beiden Anlagen in Mengede wurde Halfmanns Korn- und Ölmühle (Gut Königsmühle) 1900 stillgelegt und danach als Stromgenerator weiter betrieben. So hatte der Hof als erster im Raum Mengede eine eigene Stromversorgung. Weitere „Opfer“ waren u. a. die Wassermühlen in Ickern (Ickern gehörte bis zur Bildung der Stadt Castrop-Rauxel im Jahr 1926 zum damals noch selbstständigen Amt Mengede), Huckarde und Dorstfeld.


Mühlenpartie, zukünftige Heimatstube und der „Emscherdom“ um 1900


Mühlen im Mengeder Raum befanden sich aber nicht nur an der Emscher, sondern auch an einigen benachbarten Wasserläufen, z. B. am Schloss Bodelschwingh und in Deininghausen (Fuckmühle) und am Nettebach nahe Haus Westhusen.

Otto Schmidt erläuterte auch die Techniken, mit denen die Mühlen betrieben wurden. Einige wurden später mit Turbinen- und Dampfantrieb ausgestattet. Dazu gehörte die 1900 neu errichtete Hoeings-Mühle an der heutigen Dohlenstraße. Sie wurde von der früheren Zeche „Adolf von Hansemann“ mit dem Abfallprodukt „Dampf“ beliefert.

Wie Paul Gausepohl, der den Vortrag zusätzlich um weitere interessante Details bereichert hatte, ergänzte, gibt es heute noch rund 700 Mühlen in Deutschland. Davon werden 300 industriell genutzt.

Karlheinz Bohnmann




Umzug der Heimatstube fast perfekt

Neuer Name wird noch gesucht


Eine Sanierung mit hohem Wiedererkennungswert

Bald ist es soweit: Noch etwa zwei Monate, dann kann der Umzug der Heimatstube in unser neues künftiges Domizil in der ehemaligen Gaststätte Ellinghaus gefeiert werden. Fast fünf Monate haben die Renovierungsarbeiten gedauert, die eher einer Grundsanierung geglichen haben.

Entstanden, das kann man jetzt schon erkennen, ist ein wahres Schmuckstück, das allerdings ohne den großen freiwilligen Einsatz einiger unserer Mitglieder, die etwa 50 Prozent der angefallenen Arbeiten (zusammen rund 3000 bis 4000 Stunden) ausführten, und ohne finanzielle Unterstützung durch Sponsoren - an der Spitze die Volksbank Nordwest und die NRW-Stiftung - nicht zu realisieren gewesen wäre.

Die Inbetriebnahme soll Anfang Mai erfolgen. Bis dahin soll auch ein neuer Name gefunden werden. Bisheriger Favorit: "Heimathaus am Widum"


Karlheinz Bohnmann




Gemeindehaus Deininghausen verkauft

Freie evangelische Gemeinde übernimmt

Mit dem Verkauf des Gemeindehauses in Deininghausen zum 31. Dezember 2012 ging nach wechselvoller Zeit mit teilweise tiefen Einschnitten in das Gemeindelieben vor Ort eine mehr als 40-jährige Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde im Ortsteil Deininghausen zu Ende.

Überlegungen zum Bau eines Gemeindehauses in Deininghausen bestanden seit Mitte der 1960er Jahre. Am 27. September 1970 wurde das Gemeindehaus feierlich mit einem Gottesdienst eröffnet.

Damals gehörte der Gemeindeteil Deininghausen noch zur Kirchengemeinde Mengede. Er war allerdings in dieser Zeit durch den Bau der Siedlung Deininghausen stark angewachsen, so dass der Bau eines Gemeindehauses mit einem integrierten Gottesdienstraum angeraten erschien. Pfarrer Reinhard Hoch, der für diesen Bezirk zuständig war, hat dieses Unternehmen von Anbeginn an begleitet. Etwa zur gleichen Zeit wurde auch das neben dem Gemeindehaus stehende Pfarrhaus errichtet und von Familie Hoch bezogen.

Durch seine sehr gemischte Bau- und Bevölkerungsstruktur zeigten sich in Deininghausen von Anfang an viele soziale Probleme, die einen wesentlichen Anteil der Gemeindearbeit ausmachten. 1983 wurde der Ortsteil Deininghausen mit Dingen und Oestrich zu einer Gemeinde zusammengelegt. In den Jahren 1990 und 1991 stand eine umfangreiche Renovierung des Gemeindehauses an. Im Zuge dieser Renovierung bekam es ein Satteldach und neue Fenster, die wie das Abendmahlsfenster von dem Künstler Paul Reding (ehemaliger Schüler der Mengeder Realschule) entworfen waren. Im Jahre 2000 schloss sich der Gemeindeteil Dingen-Deininghausen mit Mengede zusammen. Am 1. Januar 2007 schließlich wurde Deininghausen Teil der Großgemeinde Noah. Von vorneherein zeichnete sich ab, dass nicht alle Gemeindehäuser in der neuen Großgemeinde zu halten sein würden. Die Gemeindegliederzahlen insgesamt und besonders in Dingen-Deininghausen waren seit den 1970iger Jahren rückläufig. Deshalb entschloss sich die Gemeinde zur Aufgabe von drei Gemeindehäusern - auch um die Finanzen der Gesamtgemeinde langfristig zu sichern. Dies betrifft die Gemeindehäuser in Deusen, Dingen Deininghausen und Bodelschwingh. Nach landeskirchlicher Vorgabe müssen solche gemeindlichen Räume beim Verkauf entwidmet werden, in denen bisher regelmäßig Gottesdienste stattgefunden haben. Dies ist in Deininghausen, in das als einziges der drei genannten Gemeindehäuser ein Gottesdienstraum integriert ist, der Fall. Den Antrag auf Entwidmung hat das Presbyterium im Sommer 2012 gestellt.

Nachdem sich nach langen Bemühungen ein Kaufinteressent in der Freien evangelischen Gemeinde Castrop gefunden hat, hat das Presbyterium nun die Schließung des Hauses zum 31. Dezember 2012 beschlossen. Die Kaufverhandlungen waren bei Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen. Das Presbyterium begrüßt eine mögliche Übernahme durch die Freie evangelische Gemeinde Castrop, weil dann ein Stück evangelischen Gemeindelebens in Deininghausen weitergeht.

Gerd Springer/Andreas Bader/Paul Gausepohl




Über 100 Jahre Mengeder Wochenmarkt

Antrag kam von den Bürgern

Seit alters her hatte Mengede das Recht, am 1. Januar und am Tag vor Michaelis (Michaelis 29. September) zwei Jahrmärkte abzuhalten. Die Abhaltung eines dritten Markttages wurde von der königlichen Regierung in Arnsberg ab 1851 gestattet. Einen Wochenmarkt gab es aber nicht, obwohl sich die Bürger eine Einführung seit langem wünschten.

Dies lag aber nicht an einer grundlegenden Ablehnung der Gemeinde sondern vielmehr an einem geeigneten Platz. Die engen Straßen Mengedes boten nicht den Raum, den man sich für die Abhaltung eines Wochenmarktes vorstellte. Ein Bürgerantrag mit zahlreichen Unterschriften gab schließlich 1899 den endgültigen Anstoß zur Einrichtung.

Am 3. Dezember 1900 wurde durch die Gemeinde Mengede eine Wochenmarkt-Ordnung erlassen und diese genehmigte der Bezirksausschuss zu Arnsberg mit der Maßgabe, dass der Markt am 1. Juni 1901 eröffnet werden soll.


Noch unbefestigt ist der Platz, als zum ersten Mal Wochenmarkt gehalten wurde


Am Samstag, dem 1. Juni 1901 war es dann soweit. Einen geeigneten Platz hatte man im Ortskern nicht, da wurde nach der Wochenmarkt-Ordnung vom 3. Dezember 1900 kurzerhand das „Trottoir der Königstraße von Kaffsacks Garten bis Schröder“ als Marktplatz genutzt, also der Bürgersteig vor den Häusern Williburgstraße 1-15, etwa von der Mengeder Straße bis zur evangelischen Kirche. Der Markt dauerte vom 1. April bis 30. September von 7 – 11:00 Uhr in der übrigen Zeit von 8 – 12:00 Uhr. Die Ordnung bestimmte was und wie verkauft werden sollte aber auch, dass Kaufgespräche zwischen Händlern und Käufern durch Kauflustige nicht gestört werden durften und das laute, marktschreierische Anpreisen, sowie das öffentliche Versteigern von Waren verboten war.

Es war ein „grüner Markt“, den angeboten wurden rohe Naturerzeugnisse, Produkte der Land- und Fortwirtschaft, des Garten- und Obstbaus, der Jagd und Fischerei sowie frische Lebensmittel aller Art. Ergänzt wurde das Angebot dann noch durch große Porzellan-, Glas-, Ton- und Bürstenwaren. Bis 1914 gaben sich die Händler der Region im alten Ortskern ein Stelldichein.

Anfang des 20. Jh. hatte sich die Gemeinde entschlossen, ein neues Ortszentrum in der Nähe des Amtshauses zu schaffen. Wohnhaus um Wohnhaus wurde südlich des alten Ortskerns errichtet und trotz der Kriegsjahre konnten auch die öffentlichen Gebäude rund um den neuen Markt fertigstellt werden.

Die Trinkhalle auf dem Platz mit ihren öffentlichen Toilettenanlagen eröffnete bereits am 23. April 1915 und am 17. August 1915 beschloss die Gemeinde die Wiedereröffnung des Wochenmarktes am Mittwoch und Samstag auf dem neuen Marktplatz an der Hardenbergstraße (heutige Siegburgstraße). Als erster Marktmeister wurde der Polizeisergeant Kosbab berufen. Für die drei jährlichen Jahr- bzw. Krammärkte in Verbindung mit einem Viehmarkt wurden drei Termine bestimmt und zwar jeweils der zweite Montag im Februar, April und September.

Der Wochenmarkt hat sich bis in die heutige Zeit gehalten und auch die Termine der Jahrmärkte sind irgendwie zum Bestand des öffentlichen Lebens in Mengede geworden, denn die heutigen Kirmestage im Jahresverlauf haben letztlich ihren Ursprung als Jahrmärkte „in alter Zeit“.

Fr.-Heinrich Veuhoff




Bauernregeln April - Juni

Wenn der April Spektakel macht, gibt’s Korn und Heu in voller Pracht.

Ein kühler Mai wird hochgeacht‘, hat stets ein gutes Jahr gebracht.

Ist der Juni warm und nass, gibt’s viel Korn und noch mehr Gras.



Dauertermine:


1. Mi i.Mon.

19.00 Uhr: Stammtisch in der „Heimatstube“

2. Di i.Mon..

19.00 Uhr: Stammtisch in Bodelschwingh

3. Sa. i.Mon.

BUV-Kleinzeche, von 10.00 bis 16.00 Uhr






Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14, 44359 DO (0231 - 33 76 90)


 
 
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