Heimatblätter 33 - 17 Dezember 2012

 

Heimatblätter
Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.

Nr. 33 17. Dezember 2012 11. Jahrgang
EP 0,50 Euro

 

 

 

Wir wünschen allen Mitgliedern und Gönnern des Vereins sowie allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern im Stadtbezirk Mengede eine besinnliche und ruhige restliche Adventszeit, ein friedliches und frohes Weihnachtsfest, sowie ein


Mengede im Dezember 2012

Der Vorstand

Gausepohl – Karlshaus – Pöpping - Obermeit

 


Krippenausstellung 2012


Über 600 Besucher

Dass aus der vor neun Jahren von Wilfried Jürgen kreierten Idee, in der Vorweihnachtszeit in unserer Heimatstube eine Krippenausstellung aufzuziehen, ein Dauerbrenner werden würde, der alle Jahre wieder bei der Mengeder Bevölkerung auf großes Interesse stößt, damit hatte niemand gerechnet. Auch im diesem Jahr waren es wieder über 600 Besucher, die sich an den - klassischen Vorbildern nachempfunden oder einfach nur der Phantasie entsprungenen - Krippen erfreuten. Weil unsere Heimatstube für die heutige Größenordnung der Ausstellung zu klein wäre, so dass man bereits andere Standorte in Mengede genutzt hatte, fand die Krippenschau dieses Mal wieder im Kulturzentrum Saalbau statt.

Nachdem Rolf Krönke die Ausstellung einige Jahre lang vorbereitet hatte, ist inzwischen Helmut Palm unser „Krippenpapst“. Diesmal standen ihm beim Aufbau - neben den Mitarbeitern des Saalbaus - besonders die Jürgens-Geschwister Wiebke Fichner und Peter Jürgens zur Seite. Sie hatten sich eine neue Konzeption ausgedacht. Statt wie bisher rund 80 unterschiedliche Herbergen für die heilige Familie zu präsentieren, hatten sie diesmal einen „Krippenpark“ entwickelt, der sich bewusst auf 18 Exponate und einige „Beigaben“ beschränkte. Ein Experiment, das - auch wegen seiner größeren Übersichtlichkeit - sehr gut ankam.

Etwa die Hälfte der ausgestellten Krippen war erstmals auf der Ausstellung zu sehen. Dazu gehörte u. a. die Krippe der Dortmunder St.-Martin-Gemeinde, die aus zwölf 50 cm großen Figuren und 14 Tieren besteht, die vor etwa 70 Jahren von einem Künstler aus Oberammergau geschnitzt wurden. Zwei weitere Großkrippen (eine davon belegte eine Fläche von zwölf Quadratmetern) stellte das Krippenmuseum Telgte, zu dem wir auch einen guten Kontakt haben, zur Verfügung. Außerdem waren - mit einer Ausnahme - auch wieder die Krippenfiguren aller heimischen Kirchengemeinden zu sehen.


Ausschnitt aus der großen Krippe von St. Martin

 

Neben Kaufkrippen - u. a. aus Israel und aus dem Senegal - waren auch einige Entwürfe „Marke Eigenbau“ vertreten. Dazu gehörte eine Krippe, die unser Mitglied Heinz Treppner einem Firststock im Bergbau nachgestaltet hatte. Ein besonderes Einzelstück stellte Jürgen Möller, ebenfalls Mitglied unseres Heimatvereins, aus. En Miniatur baut er die kath. Kirche „St. Remigius“ nach. Jüngste Ausstellerin war übrigens eine 15-jährige Huckarderin, die eine Wurzelkrippe gestaltet hat.

Zu den Novitäten in diesem Jahr gehörte auch, dass die Schau täglich mit einem einstündigen musikalischen Konzert beendet wurde. Und wie Paul Gausepohl in seiner Eröffnungsansprache betonte, brüten die Organisatoren der Krippenschau bereits darüber nach, wie man die Ausstellung im nächsten Jahr präsentieren kann.

Karlheinz Bohnmann

 


29. Mengeder Nikolausmarkt 2012


Vorweihnachtliche Stimmung am Widum

Der im Jahre 1984 erstmals vom „Gildenverein“ zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr Mengede durchgeführte Nikolausmarkt wurde rund um den Marktbrunnen am 2. Adventssonntag abgehalten. Dieser erst Nikolausmarkt mit sechs Ständen fand bei der Bevölkerung einen so guten Anklang, dass die Veranstalter sofort die Neuauflage für 1985 planten und die damalige Rollschuhbahn als Veranstaltungsort mit einbezogen.

In den Folgejahren wurde der Standort mehrfach verlegt: Kirchhof der kath. St.-Remigius-Gemeinde, Kirchhof der ev. St.-Remigius-Gemeinde und bis 2010 Mengeder Marktplatz.

Nachdem Gildenverein, Gewerbeverein und Freiwillige Feuerwehr den Nikolausmarkt aufgeben wollten, entschieden sich die Verantwortlichen von Heimatverein und Bürgerschützen im Jahr 2003, diese inzwischen zur Tradition gewordene Veranstaltung zu planen und zu organisieren. Die Veranstaltung 2003 wurde mit großer Bühne und etwa 35 Ständen auf den Mengeder Markt verlegt.

Die mangelnde Atmosphäre und der unzureichende weihnachtliche Budenzauber, aber auch die strengen behördlichen Auflagen führten schließlich dazu, den Standort vom Marktplatz in das Zentrum des alten Ortskerns rund um die Ev.-Remigius-Kirche zu verlegen, wo die Nikolausmärkte 2011 und 2012 stattfanden.

Mit einem Hauch von Winter – leichte Schneefälle hatten den Kirchhof und die Dächer der um das Widum gelegenen Fachwerkhäuser in ein zartes Weiß verkleidet – begann der erste Markttag. Die mehr als 2000 Besucher erfreuten sich am Angebot der Markthändler; das von Handarbeiten über Schmuck und Holzarbeiten bis hin zu Kunstartikeln reichte, und am Angebot der Veranstalter vom Reibekuchen bis Bratwürsten sowie Glühwein und Punsch. Und nicht zuletzt wurden im Pfarrheim Weihnachtsgebäck nebst Kaffee und Kuchen angeboten.

Besonders gut angenommen wurde auch das kulturelle Programm in der St.-Remigius-Kirche. Advents- und Weihnachtslieder wurden vom Chor der Regenbogen-Grundschule, des Kindergartens Emscherwichtel sowie von Flötenspielern der Musikschule Dortmund vom deutsch-russischen Chor „Liederstrauß“ und vom Bläserchor der ev. Noah-Gemeinde dargeboten, während die „Casanova-Jazzband“ bis zum Ende des ersten Markttages im Kirchgarten mit flotten Rhythmen begeisterte.

 

Der Nikolaus unterhält die Kleinen und sie ihn

Trotz des ununterbrochenen Regens am zweiten Tag kamen mit Eintritt der frühen Dunkelheit noch 300 Besucher, die sich in der geheizten Kirche am Gesang der Chöre und den Erzählungen der Vorleser erfreuten.

Höhepunkt war an beiden Tagen der Nikolausbesuch, dem die Kinder Kurzgeschichten und    –gedichte vortragen durften.

Die Veranstalter (Stadtbezirksmarketing, Heimatverein, Männerverein, Bürgerschützen und ev. Kirchengemeinde) als auch die Sponsoren (Linneweber-Nachtigall, Volksbank und Sparkasse) waren mit dem Ablauf und Besuch der Veranstaltung insgesamt zufrieden.

Mit Fertigstellung der Heimatstube (ehemals Gaststätte Ellinghaus, Williburgstr. 27) dürfte ein zusätzlicher Ort, wo weihnachtliche Alternativen angeboten werden können, den Platz am Mengeder Widum für den Nikolausmarkt 2013 noch attraktiver machen.

Paul Gausepohl

 


Neujahr war früher am 1. März


Päpste leiteten Kalender-Reform ein

Der Jahresbeginn 2013 ist greifbar nahe. Hätten wir aber etwa rund 400 Jahre früher gelebt, dann allerdings hätten wir noch etwas warten müssen. Denn bis weit ins 17. Jahrhundert feierte man den Jahresbeginn nicht am Tag nach Silvester, also am 1. Januar, („Jänner“), im nach Gott Janus benannten Monat, sondern am 1. März.

Bevor Papst Gregor XIII. am 4. Oktober 1582 eine Kalenderregelung beschloss, hatte es im christlichen Europa weitere fünf Neujahresanfänge gegeben.

Gregor hatte versucht, das damalige Datenchaos zu beenden, indem er kurzerhand elf Tage aus dem Kalender strich, so dass auf den 4. Oktober gleich der 15. Oktober folgte. Allerdings gelang es ihm dennoch nicht, das halbe Dutzend der verschiedenen Jahresanfänge abzuschaffen.

1691 - 109 Jahre später - nahm sich dann Papst Innozenz XII. wieder der Sache an. Er verfügte endgültig, dass das neue Jahr einen Tag nach dem Namenstag des „heiligen“ Silvester begangen werden sollte.

Widerstand gegen den neuen Kalender kam nur von Seiten der Protestanten. Doch neun Jahre später kapitulierten auch sie und erkannten die neue Regelung an.

Nur eine kleine Gemeinde in der Schweiz ignorierte weiterhin den päpstlichen Ukas, so dass sie erst (!) 1810 und sogar mit Waffengewalt gezwungen werden musste, den neuen Kalender zu akzeptieren.

1792 lieferten dann die Franzosen eine weitere Kalender-Variante, in der sie beispielsweise den Jahresanfang als das "Erste Jahr der Vernunft" bezeichneten. Diesen Spleen beendete Kaiser Napoleon 1806. Seitdem wird der Jahresbeginn international am 1. Januar gefeiert. Versuche, daran noch etwas zu ändern, scheiterten beispielsweise 1923 und 1956.

Karlheinz Bohnmann

 


Die „Neue Straße“ - Erste Ortsumgehung


Vor 75 Jahren Bau der Schaphusstraße

Der alte Ortskern musste nach Eröffnung der „Reichsautobahn“ noch mehr Verkehr aufnehmen als in früherer Zeit. Pferdefuhrwerke und weitere Fahrzeuge aller Art würgten sich durch die Enge der Freihof- und Williburgstraße. Kein Wunder, dass schon vor dem Bau der „Reichsautobahn“ die schon vorhandenen Wünsche nach einer neuen Verkehrsführung immer lauter wurden.

Nach über 10-jährigen Planungen begannen am 24. August 1937 die Arbeiten zum Ausbau der ersten Mengeder Ortsumgehung, die als „Weihnachtsgeschenk“ im gleichen Jahr für den Verkehr freigegeben wurde. Die „Neue Straße“, so der Name bis 1957, ein rund 45 m langes Straßenstück, begann am ev. Friedhof und mündete vor der Emscherbrücke in die Waltroper Straße.

Für den Ausbau wurden Flächen privater Gärten sowie Weiden von Haus Mengede und Schaarmann und ein Teil des ev. Friedhofes in Anspruch genommen. Die Umnutzung der Friedhofsflächen gestaltete sich nicht ganz problemlos, denn einige Grabstellen mussten durch Umbettung der Verstorbenen neu geschaffen werden.

Die Straße wurde in einer Gesamtbreite von 15 m gebaut, einschließlich eines Radweges von 2,25 m, der durch einen Grünstreifen von der Fahrbahn getrennt war. Der auf der anderen Seite angelegte Gehweg in gleicher Breite ist leider Baumaßnahmen in späterer Zeit zum Opfer gefallen. Geblieben ist auch nach dem Umbau der „Spinne“ die Grünfläche vor dem Restaurant Handelshof, die Restfläche von „Schaarmanns-Wiese“, einer Grünfläche, die in alter Zeit Platz für viele Vergnügen im alten Mengede war.

Durch verkehrspolitische Maßnahmen in neuerer Zeit ist die Schaphusstraße - benannt nach dem ev. Mengeder Prediger Friedrich Schaphus - fast zu einer ruhigen Verkehrsader geworden. Sie könnte zukünftig zu einer schmucken Allee werden, wenn die Randbereiche eine entsprechende Anpflanzung erhalten würden.

Fr. Heinrich Veuhoff

 


Bäume wirbelten durch die Luft


Auch Mengede erlebte Orkane und Erdbeben

Wetterkatastrophen wie der Hurrikan „Sandy“ mit seinen verheerenden Folgen für die Menschen in New York und auch die vielen Tsunamis, durch die ebenfalls viele Menschen ihre Habe und oft auch ihr Leben verloren haben, erschüttern immer wieder, wenn die Schreckensbilder davon über die Bildschirme flimmern. Gleichzeitig tröstet man sich aber: „Gut, dass bei uns so etwas nicht passiert!“ Wirklich nicht?

Tatsache ist, dass Mengede zwar in einem Gebiet liegt, das selten (und dann auch nur von wesentlich harmloseren) Wetterkapriolen betroffen ist. Das bisher letzte Erdbeben (Stärke 4,4) wurde am 8. November 2011 registriert und kaum gespürt. Doch wenn man in alten Chroniken blättert, stellt man fest, dass auch Mengede in früheren Jahrhunderten häufig von schweren Unwettern heimgesucht wurde. Berichtet wird von überfluteten Straßen und von schweren Erdbeben.

Beispielsweise wurde Mengede am 18. Mai 1733, von einem Erdbeben betroffen, und zwar „nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr, wodurch alles 3 bis 4 Mal ungefähr eine Handbreit von Süden ins Norden dergestalt hin und her bewegt wurde, dass die in Süd hängende Uhrglocke (der ev. Remigius-Kirche) davon 5 bis 6 Mal an den Hammer stieß“.

Nahezu eine Wiederholung folgte in der Nacht vom 21. zum 22. August 1755. Zahlreiche Türen seien plötzlich aufgesprungen. Über ein weiteres ähnliches Erdbeben wird im Jahr 1878 berichtet.

 

 

Ruhe nach dem Sturm, die kath. Kirche um 1901

Aber nicht nur Erdbeben, auch von orkanartigen Stürmen ist in den Chroniken die Rede. So einer fegte am 12. August 1875 durch den Ort. Er riss den zu zwei Dritteln fertigen westlichen Giebel der sich noch im Bau befindlichen heutigen kath. Kirche zur Hälfte um, und im Spätherbst richtete ein weiterer Sturm wieder großen Schaden an dem Gotteshaus an. Diesmal wurde „ein kleines Türmchen über dem Altarraum“ vom Dach gerissen.

Aber zurück zu dem Orkan vom 12. August 1875. Davon wurde nicht nur der Neubau der kath. Kirche in Mitleidenschaft gezogen. Ganz Mengede wurde schwer getroffen.

Angekündigt hatte sich das Unwetter „abends gegen 7 Uhr mit schwarzen Wolkengebirgen, die immer wieder von grellen Blitzen durchzuckt wurden, deren Donner kaum zu hören war.“ Wie der Chronist weiter notierte, hatten „die Gewitterwolken, die nahe der Erde hinwegflogen, einen gelblichen Schwefeldampf ähnlichen Schein.“

Außer Mengede wurden auch die angrenzenden Gemeinden Deininghausen, Brüninghausen und auch Rauxel von dem schweren Unwetter betroffen, das eine Breite von etwa einer halben Meile und eine Länge von etwa einer Meile gehabt haben soll.

Die Bilanz: Auf einer Fläche von über 400 Morgen wurde sämtliche Buchen, Eichen und ein kompletter 40 Jahre alter Tannenwald entwurzelt oder zersplittert. Viele Stämme wurden auch fortgerissen und durch die Luft gewirbelt. Von den Tannen heißt es, dass sie in einer Höhe von 12 Fuß (fast 4,00 m) total abrasiert wurden.

Auch 30 Wohnhäuser sowie zahlreiche Scheunen und Ställe wurden total oder teilweise zerstört. Die Ziegel der von dem Sturm abgedeckten Häuser und selbst Dachbalken und -sparren flogen wie Spielzeug durch die Luft. Auch ein Großteil der bereits eingebrachten Ernte musste abgeschrieben werden. Feldfrüchte, die sich noch auf den Äckern befunden hatten, verschwanden nahezu spurlos. Weil auch Apfel-, Birnen- und andere Obstbäume aus dem Boden gerissen oder zersplittert wurden, fiel auch die Obsternte aus.

Von den Geschädigten standen viele vor dem Nichts. Weil oft das Geld für den Wiederaufbau fehlte, wurde die Bevölkerung um Spenden gebeten wurde. Doch weil diese nur spärlich flossen - rund 1000 Taler kamen zusammen - forderte schließlich der Leiter des Amtes Castrop, zu dem Mengede damals gehörte, die Nachbargemeinden zur Unterstützung der Unwetter-Opfer auf. Anfang Oktober konnte er dann immerhin feststellen, „dass den Betroffenen bis jetzt ca. 3000 Taler zugewendet werden können.“

Karlheinz Bohnmann

 

Achtung! Der Januar-Stammtisch

… findet voraussichtlich nicht am 2.1.2013 statt! Bitte achten Sie auf die Veröffentlichung in der Tagespresse.

 

 

 

Dauertermine:

1. Mi i.M.

19.00 Uhr: Stammtisch in der „Heimatstube“

2. Di i.M.

19.00 Uhr: Stammtisch in Bodelschwingh

3. Sa. i. M.

BUV-Kleinzeche, von 10.00 bis 16.00 Uhr

 

 

 

Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14, 44359 DO (0231 - 33 76 90)

 

 
 
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