Heimatblaetter 29 - Oktober 2010

Heimatblätter
Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede

Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.


Nr. 29 Oktober 2010

9. Jahrgang

EP 0,50 Euro




Michaelisfest  war Volltreffer


Oberbürgermeister Sierau  lobte Mengeder Bürgersinn

„Kaum ist Michaelisfest in Mengede, da ist auch die Sonne da“, staunte Oberbürgermeister Ulrich Sierau. Überhaupt sei Mengede ein „toller Ort“ mit einem guten Bürgergeist und „ein Stadtbezirk, in dem viele neue Dinge auf den Weg gebracht werden.“ Der OB war am zweiten Festtag zur offiziellen Eröffnung und zum Fassbier-Anstich nach Mengede gekommen, den Ortsbürgermeister Bruno Wisbar mit zwei – spritzerfreien – Hammerschlägen ausführte.

Das Programm bestritten der aus Russland-Deutschen bestehende Chor „Heimatliebe“, 40 Jungen und Mädchen der Overberg-Grundschule mit „Spanischen Impressionen“ und eine Gruppe der Mevlana Moschee, die Tänze aus verschiedenen Gegenden ihres Vaterlandes vorführte. Die Tanzgruppe aus Sri Lanka fehlte; sie hatte sich kurzfristig aufgelöst. Beschlossen wurde das Programm (unterbrochen nur von einem Höhenfeuerwerk) mit einem fünfstündigen Hit-Reigen auf dem zum Biergarten umfunktionierten Amtshaushof, auf dem bereits am Tag vorher mehrere hundert Jungen und Mädchen bei einem Kinderfest ihren Spaß hatten.

Strahlender Sonnenschein, viel Betrieb auf der Kirmes, an den Ständen des Gewerbevereins und auf dem Bauernmarkt sowie auf dem erstmals zum Biergarten und neuen Bühnenstandort umfunktionierten Amtshaushof. Diese Bilanz zogen die Organisatoren am letzten Abend. Beim erstmals in Eigenregie durchgeführten Bauernmarkt hatten Wilfried Jürgens und Detlef Huß heimische Anbieter bevorzugt. „Zugereiste“ waren u. a. ein Bäcker, der Brot im Steinofen backte, und ein Brauer, der ein ex-tra zum Michaelisfest gebrautes Bier anbot. Für Nostalgie pur sorgten eine Klöpplerin, eine Handweberin und ein Schmied. Den Nostalgie-Look vervollständigten Strohballen, alte Ackergeräte und Trecker heimischer Landwirte. Besonders stolz war Jürgens, der die Exponate aufgetrieben hatte, auf den Balken eines früheren Fachwerkhauses (Herstell) mit einer Inschrift aus dem Jahr 1849. Die damalige Schreibweise des Ortsnamen Brüninghausen mit drei „n“ nach dem „ü“.

Über Mengedes Vergangenheit und über die Geschichte des Amthauses informierte Paul Gausepohl. U. a. wies er darauf hin, dass Ausgrabungen im Rahmen der Emscher-Renaturierung beweisen, dass der Mengeder Raum bereits etwa 1500 Jahre v. Chr. besiedelt war. Ergänzt wurden seine Ausführungen mit einem damals üblichen Richtspruch (16 Versen), den Siegfried Nolte in der Rolle eines Zimmermann-Gesellen verlas:  „… das Haus macht seinem Meister Ehr, doch der Gemeinde noch viel mehr…“.

Weiter wirkten bei dem Heimat-Nachmittag die Jagdhornbläser des Deutschen Teckelclubs, die „Florian Kids“ mit Kinderliedern sowie der Quartettverein „Sangesfreunde Westhausen“, der Fanfarenzug der Ruhrlandbühne Bochum und der A-capella - Chor „Chorcolores“ mit.

Begonnen hatte der letzte Michaelisfest-Tag mit einem ökumenischen Gottesdienst, den die Pfarrer Hubert Wernig (St. Remigius) und Andreas Bader (Noah-Gemeinde) mit Unterstützung des Bläserchores und dem Kindergarten der Noah-Gemeinde gestalteten. Die Kollekte war für die pakistanischen Flutopfer bestimmt.


Karlheinz Bohnmann





Schützen „schießen den Vogel ab“



Im wahrsten Sinne obiger Worte begingen die Mengeder Bürgerschützen mit ihren Gästen vom 20. bis 22. August 2010 das Schützen-, Volks- und Heimatfest auf der Schützenwiese am Burgring. Ein zeitlich genau abgezirkeltes Wetter begünstigte nicht nur die einzelnen Programmpunkte, sondern auch die Stimmung der vielen Gäste, ob Jung, ob Alt.

Proklamation des neuen und Verabschiedung des alten Königpaares im Festzelt

Nach der Verabschiedung des „ausgedienten“ Königspaares Reinhold II. (Schlesing) und seiner Ehefrau Renate III. am Freitag, wurde gegen 22.00 Uhr das 500 m2 große Festzelt zu einem Disco-Abend der Jugend frei gegeben, dessen Besuch eine unbedingte Wiederholung herausfordert.

Der Samstag stand zunächst im Zeichen des Vogelschießens, das, bedingt durch gesetzliche Vorschriften immer wieder mit neuen Schwierigkeiten verbunden ist, bis hin zum Abschuss, der in diesem Jahr mit Mühe und Not doch erzielt wurde. So konnten nach fast fünf Stunden zähem Ringen die Mengeder Schützen ihren Vorsitzenden Jürgen Karlshaus, der ebenso 2. Vorsitzender des Heimatvereins ist, als besten Schützen und König Jürgen II. bejubeln.

Bei einem kurzen Umzug mit altem und neuem Königspaar vom „Alten Markt“ zum Festzelt, gedachten die Schützen am Ehrenmal an der Jonathanstraße der verstorbenen Vereinsmitglieder bevor im bis auf den letzten Platz besetzten Festzelt die Proklamation des neuen Königspaares vollzogen wurde. Dort gab König Jürgen II. seine Ehefrau als Königin Ursula III. bekannt. Zu den Klängen der „Alpin Sound - NRW“ wurde getanzt bis in die frühen Morgenstunden.

Facit: es war ein großartiges Schützen-, Volks- und Heimatfest für das die vier Mengeder Maler Walter Böhle, Klaus Linde, Erich Müller und Winfried Vedder die Schirmherrschaft übernommen hatten. In ihrer Festrede trafen sie die Feststellung, dass Bürgerschütze zu sein keine verstaubte Sache sei, schon gar nicht in einem Verein, wie dem Bürger-Schützen-Verein Mengede, dessen Tradition bis ins Jahr 1546 zurück geht.

Die Bildung einer Traditionsabteilung innerhalb des Schützenvereins dokumentiert, welchen Stellenwert Tradition und Brauchtum in Zukunft haben werden. Dazu ist das bisherige Miteinander mit dem Heimatverein begrüßenswert, woran die starke Gästeschar des Heimatvereins am Schützenfest - Samstag sicherlich auch weiterhin zu beitragen wird.


W. Jürgens




Sagen und Legenden (9)


Die Sage um den Grenzstreit zwischen den Gemeinden Bodelschwingh und Dingen im 17. und 18. Jahrhundert



Das Grundstück mit der alten Flurbezeichnung „An der Grundspecht“ liegt zwischen den Straßen Königshalt im Osten, Am Dingerhof im Süden, Mengeder Straße im Westen und Richterstraße im Norden. Dieses Grundstück wurde seit altersher als Allmende (Gemeinbesitz) für den gemeinsamen Weidebetrieb der Bodelschwingher und Dinger Landwirte genutzt.

Anfang des 18. Jahrhunderts entstand unter den weidetreibenden Landwirten Streit darüber, zu welcher Gemeinde diese Weide gehört. Die betroffenen Landwirte trugen den jeweiligen Gemeindevertretungen ihr Anliegen vor mit der Bitte, die Grundstücksgrenzen klar festzustellen, damit künftig nur noch den Landwirten einer Gemeinde das alleinige Nutzungsrecht des allgemeinen Weidebetriebes eingeräumt werde.

Da die Verhandlungen zwischen den Gemeindevorstehern und -vertretungen ergebnislos verliefen, beschlossen beide Gemeinden, den Amtsrichter Gahlen beim Freigericht in Mengede anzurufen, um durch einen Schiedsspruch den Vorgang zu klären. Der Amtsrichter Gahlen beorderte die Vertreter beider Gemeinden zu einem Lokaltermin zum Grundstück mit dem Schiedsspruch, dass die Gemeindevorsteher vor Ort zu schwören hätten, dass das bestrittene Grundstück der jeweiligen Gemeinde gehöre, und derjenige, der diesen Eid leisten könne, sei schließlich Eigentümer des begehrten Grundstücks.

Der Bodelschwingher Gemeindevorsteher erklärte, dass die Grundstücke seit Jahrhunderten von Bodelschwingher Landwirten genutzt würden, die Vorfahren bereits die Weide- und Nutzungsrechte bestätigt hätten und in Bodelschwingh niemals andere Eigentumsverhältnisse bekannt gewesen wären. Daher müsse das Grundstück den Bodelschwingher Bauern zugesprochen werden.

Darauf erwiderte der Dinger Gemeindevorsteher, dass ihm gleiches von seinen Vorfahren aufgegeben sei und dass er wie folgt einen Eid schwören könne: „So wahr der Schöpfer über mir ist, stehe ich hier auf eigenem Land!“ Diesen Eid konnte er leisten, da er einen Hut auf dem Kopfe hatte, unter dem er einen Schöpfer (Schöpflöffel) trug, mit dem er Bodenteile aus seinem in der Gemeinde Dingen gelegenen Land in seine Schuhe geschöpft hatte, in denen er beim Eide stand. Damit hatte der Dinger Gemeindebürgermeister seinen Eidschwur geschickt mit dem Mantel der Wahrheit umhüllt.

Auf Grund des abgeleisteten Eides sprach der Amtsrichter Gahlen die als Allmende genutzte Weide der Gemeinde Dingen zu. Noch heute ist der damals festgelegte Grenzverlauf Grenze zwischen den Ortsteilen Bodelschwingh und Dingen, zwischen den Städten Dortmund und Castrop-Rauxel und zwischen den Regierungsbezirken Arnsberg und Münster.


Paul Gausepohl





50-jähriges Priesterjubiläum und 75. Geburtstag unseres Ehrenmitgliedes

Pfarrer i. R. Geistlicher Rat Ernst  Sonntag



Ernst Sonntag
75. Jahre:
Herzlichen Glückwunsch!

Am 22 Juli beging unser Ehrenmitglied, Geistlicher Rat Ernst Sonntag, sein goldenes Priesterjubiläum und am 12.10.2010 seinen 75. Geburtstag. Der Gesundheitszustand des Jubilars ließ zwar eine größere Feier beider Jubiläen nicht zu, dennoch gratuliert der Heimatverein seinem Ehrenmitglied zu beiden Jubiläen sehr herzlich und wünscht ihm eine nachhaltige Besserung seines leiblichen Wohls sowie einen sorgenfreien und entspannten rüstigen und gesunden Ruhestand.

Ernst Sonntag war vom 01.09.1976 bis zum 30.09.2005 Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Remigius Mengede, zeitweilig auch Dechant im Dekanat Dortmund-West, Regionaldekan im Regionaldekanat Ruhr-West und zuletzt auch Leiter des Pastoralverbunds Dortmund-Nordwest. Nach mehr als 45 Jahren Dienst in der Kirche, davon nahezu 30 Jahre in Mengede, ist Ernst Sonntag zum 30.09.2005 in den Ruhestand getreten und hat seinen Ruhesitz in liebgewordener Verbundenheit zu seiner „Heimatstadt“ in Mengede beibehalten.

Angesichts seiner Verdienste um die Ortsgeschichte und seines bürgerschaftlichen Engagements für die Mengeder Mitbürgerinnen und Mitbürger hat der Heimatverein Mengede e. V. den Jubilar bei seinem Eintritt in den Ruhestand zum Ehrenmitglied ernannt.


Paul Gausepohl





Bundesverdienstkreuz für Adolf Miksch


Altbürgermeister Adolf Miksch (Bodelschwingh) hat das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland durch den deutschen Bundespräsidenten, Horst Köhler verliehen bekommen. Laut Verleihungsurkunde sind damit die Verdienste von Adolf Miksch für Volk und Staat gewürdigt worden. Adolf Miksch war von 1999 bis 2009 vom Rat der Stadt Dortmund gewählter Bürgermeister unserer Heimatstadt. Seit 2004 ist Adolf Miksch Mitglied des Heimatverein Mengede e. V. und zugleich Mitglied in der Arbeitsgruppe Bodelschwingh/Westerfilde. Er ist zugleich Mitglied in zahlreichen politischen, kirchlichen und gesellschaftlichen Gruppen unserer Stadt, u. a. Vorsitzender des Vorstandes des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark e. V.

Beim Festakt in der Staatskanzlei:
Adolf Miksch und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers

Das Verdienstkreuz wurde in der Düsseldorfer Staatskanzlei von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers überreicht. Rüttgers hob in der Verleihungsansprache Mikschs soziales, kulturelles und politisches Engagement hervor und betonte seinen Einsatz für eine nachhaltige Politik.

Wir gratulieren unserem Mitglied Adolf Miksch für die hohe Auszeichnung und für die Würdigung seiner vielfachen Verdienste.


Paul Gausepohl





42. Treffen der Dortmunder Geschichts- und Heimatvereine in Mengede


Der Stadtheimatpfleger Dr. Ingo Fiedler hatte die Vorstände der Dortmunder Geschichts- und Heimatvereine zum Halbjahrestreffen 1/2010 anlässlich der Neueröffnung des Mengeder Amtshauses nach erfolgter Renovierung, die besonders auch die denkmalpflegerischen Komponenten berücksichtigt hat, eingeladen. Nach einer Begrüßung der etwa 25 Teilnehmer durch Bezirksbürgermeister Bruno Wisbar und einer Erläuterung der durchgeführten Baumaßnahme durch Bezirksverwaltungsstellenleiter Michael Konrad konnte das Amtshaus unter sachkundiger Führung besichtigt werden. Der Vorsitzende des Heimatvereins Paul Gausepohl gab einen Überblick über die Ortsgeschichte, der Geschäftsführer Gerd Obermeit über die Vereinsgeschichte und Aktivitäten des Vereins.

Mit großem Interesse wurden die Ausführungen von Dr. Jürgen Pape, Archäologe vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Projektleiter bei der Emscherrenaturierung durch die Emschergenossenschaft, aufgenommen. Nach Dr. Pape sind im Gebiet Ickern (untersucht wurden etwa 12 ha) zahlreiche Spuren der Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit und Siedlungsspuren aus der vorrömischen Eisenzeit gefunden worden. Neben typischen Vorratsgebäuden wurden Wohn-Stallgebäude (keine Grubenhäuser!) gefunden, die auf eine Besiedlung des Raumes bereits in der Eisenzeit schließen lassen. Die Keramik- und Münzenfunde sind jüngeren Datums. Besondere Befestigungsanlagen, wie sie auf Grund der Nebenarme der Emscher und der früheren Geländeformen von vielen Historikern im Bereich der Emscher vermutet werden, sind bisher nicht angetroffen worden. Allerdings sind spätmittelalterliche Flurgrenzen, die mit der Urkatasterkarte von 1826/27 übereinstimmen, an zahlreichen Stellen in Form von eingetieften, angespitzten Holzpflöcken anzutreffen. Die Grabungsmaßnahme wird im August 2010 abgeschlossen werden.

Im weiteren Verlauf der Tagung wurden Regularien abgewickelt. Besonders hingewiesen wurde auf das von den Heimatvereinen mitgestaltete Heft 2/2010 des Historischen Vereins, das sich mit dem Brauchtum in Dortmund befasst, u. a. mit einem Beitrag von Paul Gausepohl über das Weihnachtsbrauchtum „Krippkes bekieken im Raum Mengede“.


Paul Gausepohl





Mengedes „Felsenkeller“


In alter Zeit mussten Lebensmittel und Getränke mit Natureis oder auf andere Art und Weise frisch und kühl gehalten werden, denn Elektrizität und damit Kühlschränke kannte man nicht. „Eis zu ernten“ war daher eine wichtige Beschäftigung in der kalten Jahreszeit. Dicke Eisbrocken wurden aus Teichen und Flüssen gesägt und in kalten Kellergewölben – den so genannten Eis- oder Felsenkellern – oder ebenso in offenen, mit Stroh und Erde bedeckten Eisgruben eingelagert.

Auch unsere Vorfahren wurden zwangsläufig im Winter zu Eisbauern. Sie sägten an den kalten Tagen mit Eispflug und mannshohen Eissägen aus der Emscher, den Bächen oder den überfluteten und gefrorenen Emscherwiesen die Eisblöcke, die anschließend auf Pferdewagen verladen und dann eingelagert wurden. In den Eiskellern wurden sie schichtweise gestapelt, dann mit Stroh abgedeckt und mit Bodenaushub zugedeckt, so dass sich das Eis bis in den tiefen Sommer halten konnte. In den Eisgruben wurden die Waren in dafür geschaffene wasserdichte Zinktruhen eingelagert und in der gut temperierten Grube bis zum Gebrauch versenkt.

Ein Eiskeller befand sich an der „Mengeder Spinne“, Ecke Mengeder / Rigwin- / Dönnstraße. Der Eiskeller war ein etwa 1,70 m hoher gemauerter Gewölbekeller. Einen weiteren Eiskeller unterhielt Metzger Reinold in der Freihofstraße hinter seinem Wohngebäude. Leider sind Unterlagen über diese Einrichtungen nicht mehr vorhanden doch ließen die Arbeiten im Zuge der Renaturierung der Emscher im Bereich der Einmündung Rigwinstraße in die Mengeder Straße Hohlräume erkennen, die Reste eines Eiskellers waren.

Der Eismann der 50-er Jahre. Kühlschränke gab es kaum, verderbliche Ware wurde noch auf Stangeneis gelagert, die Kneipen kühlten so ihre Getränke und die Kinder knabberten nach Herzenslust an den Bruchstücken.

Eine Eisgrube hatten die Bürger unseres Ortes zwischen der ARAL-Tankstelle an der Schaphusstraße und der Straße „Eckei“ angelegt. Hier war eine Grube in Größe von ca. 9,50 m x 21,50 m ausgehoben worden und durch einen gut 40 m langen Stichgraben mit der östlichen Umflut verbunden.

Die Natureisgewinnung nahm in der 2. Hälfte des 19 Jh.  mit wachsender Industrialisierung und Bevölkerungsentwicklung, aber auch mit der Entwicklung von Kühlgeräten ein schnelles Ende. In unserer Region war es der Zustand der Emscher, die durch die Aufnahme immer größer werdender Abwässermengen und damit verbundener enormer Verschlechterung der hygienischen Zustände des Emscherwassers eine weitere Eisgewinnung nicht zuließ.

Die bisher in der Natur gewonnenen Eisblöcke wurden zwangsläufig durch witterungsunabhängige Kältemaschinen produziert, denn diese genügten den hygienischen Ansprüchen. Nach Aussage unseres früheren ev. Pfarrers Dr. Albrecht Stenger haben die Mengeder Gaststätten noch bis um die Jahrhundertwende ihr Kühleis aus dem Eiskeller bezogen. Verbrieft ist das Ende des Eiskellers an der „Spinne“ in Mengede durch den Verkauf des Grundstückes an die Gemeinde Mengede.

Eigentümer des Grundstücks und Betreiber des Eiskellers war der Wirt Schimmel, Vorbesitzer der heutigen Gaststätte „Westfalenhof“ (Familie Kaffsack). Die Gemeinde Mengede beschloss am 05.03.1912 den Ankauf des Eiskellers, der außerhalb der Umflut lag, für den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses. Der Bauantrag folgte 1913 für zwei Ladenlokale und 8 Wohneinheiten in dreigeschossiger Bauweise und die Bebauung erfolgte in den Jahren 1913/14 mit dem Objekt Mengeder Straße 656.


Franz-H. Veuhoff





Der Ladenschluss treibt tolle Blüten


Seit Jahren nehmen die Ladenschlusszeiten auch in Mengede Formen an, die mit den Wünschen des größten Teiles der Bevölkerung nicht einhergehen und auch gegen alle wirtschaftlichen Überlegungen fortgeschrieben wurden. Im Dortmund-Mengeder-Lokal-Anzeiger fanden wir unter dem 1. September 1934 einen Bericht, den wir hier in Auszügen gerne einmal wiederholen:


Die stufenweise Früherlegung des Ladenschlusses, zuerst vom Nachtverkauf zum 21:00 Uhr Ladenschluss, dann von 21:00 auf 20:00, von 20:00 auf 19:00 hat sich vortrefflich bewährt. Die hinterwäldlerische Auffassung, dass die Umsatzhöhe proportional der Länge der Einkaufzeit sei, ist so gut wie ganz verschwunden. … An vielen Orten, ja in einzelnen Branchen regt sich eine frische Initiative, die den Betriebsführern und der Gefolgschaft des Einzelhandels wenigstens eine annähernd gleichlange ungeteilte Freizeit sichern möchte, wie sie in der Industrie usw. weithin üblich ist. … Wir sind überzeugt davon, dass die Versuche mit dem 18:00 Uhr-Ladenschluss, die hoffentlich durch Versuche mit einem noch früheren Ladenschluss an Sonnabenden ergänzt werden, die Probe ausgezeichnet bestehen, so dass in einiger Zeit der Ladenschluss für das ganze Reich vorverlegt werden kann. …


Wenn es sich nicht um eine Entwicklung in Deutschlands dunkelster Zeit gehandelt hätte könnte man fast sagen: Das war die gute alte Zeit!


Franz-H. Veuhoff



Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Wilfried Jürgens, Adalmundstr. 16, 44359 DO (0231 - 33 56 29) und Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14, 44359 DO (0231 - 33 76 90)

 
 
eXTReMe Tracker