Heimatblätter 53

Heimatblätter

Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede

Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.

NR. 53

mit Beilage Nr. 17

Dezember 2019

15. Jahrgang
EP 0,50 Euro

Titelseite unserer „Mengeder“ zum Weihnachtsfest 1950

Liebe Leser,

wir wünschen Ihnen eine ruhige und besinnliche Adventszeit, verbunden mit den besten Wünschen auf fröhliche und friedliche Weihnachtstage und Ihnen und Ihren lieben Angehörigen ein gutes 2020 mit einer hoffentlich guten Gesundheit.

Hans-Ulrich Peuser – Jürgen Karlshaus
Peter Jürgens

 Wer überrascht uns an den Feiertagen?

Das Christkind wurde von Martin Luther als Weihnachtsfigur erfunden, das statt des heiligen Nikolaus die Weihnachtsgeschenke bringt. Die Protestanten lehnten die katholische Heiligenverehrung ab. Das Christkind »eroberte« zunächst das evangelische Deutschland, später das Rheinland, Bayern sowie Österreich

Der Nikolaus galt als großer Wohltäter, der schließlich zum wichtigsten Heiligen der orthodoxen Kirche wurde, Symbole des heiligen Nikolaus sind drei goldene Kugeln oder Äpfel, drei Brote, Anker und Schiff sowie der Bischofsstab. Sie alle sind Elemente verschiedener Legenden.

Der Weihnachtsmann. Erste Erwähnung 1835 in dem Lied »Morgen kommt der Weihnachtsmann« von Hoff- mann von Fallersleben, erste Zeichnung 1847 vom österreichischen Maler Moritz von Schwind. Diese Bilder sah der deutsche Auswanderer Thomas Nast und kreierte 1863 in den USA „Santa Claus“ – mit dickem Bauch und Pelzhaube. Auch die Farbe Rot wurde von ihm erstmals verwendet.

 Gräben, Tore, Wälle (1)

Befestigungen des alten Mengede
Anfang des 19. Jahrhunderts, bis zum Abschluss der Emscher Regulierung 1915, war der alte Ortskern Mengedes ganz von Wasser umgeben.
Vier Brücken und vier Tore, die morgens geöffnet und abends geschlossen wurden, sicherten mit der Emscher, die auch die Gräben der Umflut (rund 1100 Meter) füllte, mit einem Wall und teilweise einer Mauer den Zugang zum Ort Mengede in alter Zeit. Ein Stauwehr zwischen dem evangelischen Gemeindehaus und der ARAL-Tankstelle regulierte den Emscherspiegel an der Schaphusstraße. Dadurch floss die Emscher in Gräben südlich und westlich von der Schaphusstraße aus um das geschlossene Kirchdorf. Nach Beseitigung der Gräben wurden hieraus Teile der Straßenzüge Galenstraße, Am Hohen Teich, Siegenstraße, Waltroper Straße und Schaphusstraße. Etwa ab der Kreuzung Burgring/Waltroper-/Siegenstraße vereinigte sich die Emscher wieder mit der Umflut und floss über den Burgring weiter nach Westen Richtung Brüninghausen.
Ein weiterer Emscherarm umfloss die Burg, das spätere Haus Mengede und füllte die bis zu 60 m breite Gräfte, um sich dann hinter der heutigen Schützenwiese wieder mit dem Hauptarm der Emscher zu vereinigen.

Das Heimbrüggentor
Ecke Mengeder-/Siegenstraße lag das Heimbrüggentor, später „Raulfstor“ genannt. Die Gemeinde Mengede verkaufte Tor und Grundstück am 28.08.1819 an Georg Keinhörster, der nach dem Abbruch 1820 auf den Grundstücken einen Neubau errichtete. Im alten Torgebäude war auch das Gefängnis untergebracht. Außerdem enthielt es einen weiteren Raum für die Feuerspritze und die Feuereimer. Die Wohnung nutzte „Porten Lisbeth“, die das Schließen und Öffnen des Tores besorgte und das Wegegeld erhob. Porten Lisbeth, ein Original im alten Mengede hatte ihre liebe Müh mit zahlungsunwilligen Passanten und verfolgte diese mit nicht druckreifen Worten, um das Pflastergeld schließlich doch noch einzuziehen. Georg Keinhörster hatte das Recht, auch den Umflutgraben zu überbauen und musste sich dafür verpflichten, in seinem Neubau das Spritzen- und Arrestlokal unterzubringen, das Wehr zum Stau des „Hohen Dieck“ und den Steg über der Umflut instand zu setzen und zu unterhalten. Durch Verlegung der Polizeibehörde 1838 nach Castrop wurde das Arrestlokal entbehrlich und Keinhörster erhielt diesen Raum zu seiner persönlichen Nutzung zurück.

Standort Heimbrüggentor (links: alte Gaststätte Stein)

Die letzte Verfügung zur Einnahme eines Wege- und Pflastergeldes erging am 22.05.1861 durch Prinzregent Wilhelm, der damit auch bestimmte, dass Durchfahrten für Postzwecke von der Erhebung des Wegegeldes befreit waren. Erst am 1. Oktober 1899 stellte die Gemeinde diese Gebühreneinnahme ein.

Fr.-Heinrich Veuhoff

1938: Verschönerung des Ortsbildes

Ein Schelm, der Schlechtes dabei dachte
oder: Schöne Stadt – Saubere Stadt?
1938, die Waffenindustrie brauchte jede Menge Material. Aber woher nehmen?
Kein Wunder, dass die Ideenschmiede der braunen Machthaber auf vollen Touren lief. Ein Ergebnis, mit dem die Bevölkerung „beglückt“ wurde, hieß: Entgitterung! Weg mit den schäbigen Eisenzäunen zur Straße und zum Nachbarn hin. Stattdessen sollte „eine moderne und einheitliche Gestaltung der Straßenfluchten“ vorbereitet werden.

Selbst die-Unterkonstruktion der Zäune blieb nicht verschont

Anfangs wurden besonders künstlerisch geschmiedete Gitter noch verschont. Doch das änderte sich bald. Schließlich, und das hatte mit einem „schöneren Straßenbild“ nichts mehr zu tun, war man sogar an den eisernen Umrandungen einiger Grabstätten auf dem evangelischen Friedhof interessiert. Ein großer Verlust für unseren Stadtbezirk war u.a. auch die Einschmelzung der Figurengruppe des Denkmals vor der Regenbogengrundschule.
Alles „unschöne“ Material sollte zu den Schrottsammelstellen gebracht werden. Minderwertiges Material wie Maschendraht durfte man getrost behalten. Wer Hilfe für die Neugestaltung der Anlagen benötigte, der sollte sich vertrauensvoll an die Partei wenden.

Mitte des Jahres wurde massiv für die Aktion geworben. Die Aufrufe häuften sich in immer kürzeren Abständen. Schließlich machten die großen Wohnungsgesellschaften den Anfang. Und kurz vor Weihnachten wartete man sogar mit einer Art Geschenk für die Bürger auf, die sich an der Aktion beteiligen wollten. Sie durften ihre Anwesen mit einem Plakat schmücken, auf dem es hieß: „Dieses Gitter gibt der Hauseigentümer bereitwillig zur Verschrottung. Er beteiligt sich damit an der Verschönerung unserer Stadt und am Gelingen des Vierjahresplanes. Ein schöner Beweis deutschen Gemeinsinns“.

Und ab Anfang 1939 bekamen die Teilnehmer der Aktion ein dickes persönliches Lob in der Mengeder Zeitung. Wer hingegen standhaft war wie die katholische Kirchengemeinde und die Bürger, die sich auf keinen Fall an der Entgitterungsaktion beteiligen wollten, bekam fiese Kritik und wurde an den Pranger gestellt, sprich: In der „Mengeder“ negativ erwähnt!

Franz-Heinrich Veuhoff

 

Eine Hier werden Sie geholfen …

„Medizinischer Rat“ in einer Anzeige 1805

Einen unerbittlichen Kampf führte der Argus (eine Dorstener Zeitung von 1803 – 1809) gegen die Kurpfuscher, die damals eine wahre Landplage bildeten. Rücksichtslos stellte er die Betrügereien dieser Wunderdoktoren an den Pranger. Vor allem rückte er einen gewissen Hundstein in Waltrop energisch zu Leibe. Ursprünglich Schweinhirt, dann Bauernknecht, dann Lumpensammler, war dieser Mann durch die Leichtgläubigkeit des Landvolkes zum Arzt gestempelt worden. Wes Geistes Kind Hundstein gewesen ist, lässt eine Notiz erkennen, die er selbst im Westfälischen Anzeiger (Nr. 28 vom 5. April 1805) veröffentlichte.
„Zur Nachricht und Empfehlung. Allen meinen Gönnern und Freunden wie auch dem geehrten Publiko zeige ich hiermit an, dass, da man mich vor einiger Zeit aus Waltrop, neulich auch aus Groppenbruch vertrieben hat, ich meinen Aufenthaltsort gegenwärtig bei Hagemann zu Schwieringhausen in der Grafschaft Dortmund genommen. Da ich in der Kunst zu schreiben gar nicht erfahren bin, so muss man mich mit schriftlichen Gutachten verschonen; auch kein Gutachten von mir schriftlich verlangen. Übrigens aber diene ich jedem, der mündlich bei mir Rat suchet, sowohl in allen und jeden innerlichen Krankheiten als auch äußerlichen Schäden, in möglichster Geschwindigkeit und für billige Preise. Ich bediene mich hierbei keiner abergläubischer, sympathetischer Mittel, sondern guter und nur durch Wasser etwas verlängerten Medizin.
Da ich aus dem Urin die Krankheit des Menschen sehr genau beurteilen kann, diese meine Wissenschaft aber nach Genießung einer starken Portion Branntwein sich besonders äußert, so muss ich um Nachsicht bitten, wenn man mich schon in den ersten Stunden des Tages betrunken findet. Ich weiß dann doch wohl, was ich tue.“
Auch das war die „gute alte Zeit“.

Fr.-Heinrich Veuhoff

Wandern mit dem Heimatverein Mengede

Seit drei Jahren: zu Fuß das Ruhrgebiet und die angrenzenden Bereiche erkunden.

Eigentlich waren die Wanderungen nur als Lückenbüßer gedacht. Die Radfahrgruppe hatte Ende 2016 mit der Winterpause begonnen, da entwickelten wir die Idee, versuchsweise unter dem Motto „Per Pedes statt Pedales“ die fahrradlose Zeit mit Wandern zu überbrücken. Am 18.01.2017 um 9.00 Uhr hatten sich dann acht mutige Wanderer und Begleithund Cooper am Heimathaus eingefunden, um die erste Etappe des Emscher-Parkweges von Mengede nach Herne zu bewältigen. Der erste Wanderer hatte bereits nach 3 Stunden am Café del Sol genug und fuhr mit dem Bus zurück (und ward danach, nicht nur auf den Wanderungen, nicht mehr gesehen). Der Rest erreichte gegen 16.00 Uhr nach knapp 25 Kilometern den Herner Bahnhof. Schon im Zug wurde resümiert, und es gab nur positive Reaktionen trotz der Mammutstrecke. Natürlich wurde auch über die Fortsetzung der „Emscher-Park-Tour“ gesprochen, und bereits jetzt kam es zu Überlegungen, die Wanderungen zu einer regelmäßigen Einrichtung am jeweils ersten Donnerstag des Monats zu machen. Nach den positiven Erfahrungen der ersten Etappe reifte auch der Entschluss, den Emscher-Parkweg etappenweise in seiner ganzen Länge von 130 Kilometern zu erwandern.

So ging es bei der Februarwanderung von Herne nach Gelsenkirchen, vorbei am Schloss Strünkede, auf dem Leinpfad am Rhein-Herne-Kanal entlang, später zum Reeser Wald und dann zum Ziel Nordstern-Park. Wie diese Etappe hatte jede bis Duisburg ihre Highlights zu bieten, seien es die Halde und das Tetrader in Bottrop, das Brauhaus Zeche Jacobi am Centro in Oberhausen, das Schloss Oberhausen mit seinem Tierpark oder der Landschaftspark Duisburg. Als besonderer Höhepunkt wurde nicht nur von Franz-Josef das Brauhaus „Diebels am Hafen“ empfunden. Die erste Einkehr nach einer Wanderung von 6 Stunden kam uns vor wie eine Oase in der Wüste. Durch die Duisburger Fußgängerzone, nach einem obligatorischen Foto vor dem „Livesafer Brunnen“, kamen wir zum Duisburger Hauptbahnhof, wo der Emscher-Park-Weg endet.

Die nächsten Etappen führten uns in östliche Richtung zum Ausgangspunkt des Emscher-Park-Weges nach Kamen. Es ging durch örtliche Grünzüge, ehemalige Zechensiedlungen, Kleingartenanlagen und vorbei an früheren Zechen wie der Schachtanlage Minister Stein. Die achte und letzte Etappe des XE führte von Lünen nach Kamen. Wir entdeckten die „Kommunistenkurve“ unweit von Schloss Schwansbell und dem Seepark in Lünen und bestiegen die Halde Großes Holz auf Bergkamener Gebiet. Beim Aufstieg und auf der Aussichtsplattform erklärte uns „unser“ Naturkundler Jochen Heinrich die große Vielfalt der Flora und Fauna, die mit der Rückeroberung der Natur hier entstanden ist. Dabei entdeckten wir auch den „Kleinen Sonnenröschen-Bläuling“ (Aricia agestis). Diese Art der Schmetterlinge steht auf der roten Liste und gilt als stark gefährdet. Die Aussicht von der Gipfelplattform war gewaltig, auch wenn es etwas diesig war. Auf einer ehemaligen Bahntrasse, vorbei am Wohn- und Technologiepark Monopol, erreichten wir den Bahnhof in Kamen. Damit hatten wir den gesamten Emscher-Park-Weg bewältigt und das gesamte Ruhrgebiet durchschritten. Mit Abstechern und seltenen, aber doch nicht wegzuleugnenden kleinen „Irrwegen“ waren es gut 140 Kilometer geworden. Jetzt galt es, neue Herausforderungen zu finden.

Kurze Rast in der Nähe der Spielbank Hohensyburg

Unser Ziel, bei den einzelnen Etappen stets umweltfreundlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln an- und abzureisen, konnten wir auch bei unserer nächsten Wanderstrecke ohne Schwierigkeiten realisieren, wobei wir uns meistens im Bereich der Preisstufe A des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr bewegten. Diesmal hatten wir uns den mit 110 Kilometer angegebenen Dortmunder Rundweg ausgesucht. Es waren 7 Etappen und auch wieder real knapp 140 Kilometer. Höhepunkte waren u.a. die fachkundige Führung durch das Lütgendortmunder Heimatmuseum mit Antje Steber, der Drehorgelvortrag mit Moritatengesang von Wilhelm Mohrenstecher über das Leben von Martin Luther und die überraschende winterliche Glühweinpause in Hohensyburg, bei der wir u.a. von Gisela versorgt wurden.

Auf dem Programm der dann kommenden Wandertage stand der knapp 50 Kilometer lange Wanderweg X 10 von Herne nach Haltern, den wir in drei Etappen bewältigten. Danach ging es im Frühjahr des Jahres 2019 von Haltern in westliche Richtung nach Hünxe, dann in südliche Richtung durch die Kirchhellener Heide nach Gladbeck-Zweckel (X19). Gerade die letztgenannte Wanderung wird den Teilnehmern noch in Erinnerung geblieben sein, denn das war eine Wanderung der Überraschungen. Die begannen mit der Anreise. Als wir in Voerde in die Richtung des ankommenden Busses blickten, sahen wir nur ein Minigefährt. „Ich habe nur 8 Sitzplätze, einer davon ist schon besetzt“, erklärte die Busfahrerin. Wir waren aber 12 Wanderer, die ungeduldig mit den Wanderschuhen scharrten. Der Bus fuhr ohne uns, wir fuhren mit dem Zug zurück nach Dinslaken, von wo auch eine Busverbindung nach Hünxe existiert. Eine halbe Stunde Wartezeit am Busbahnhof Dinslaken. Diesmal war der Bus ausreichend groß. Um 11.30 Uhr meine aufmunternde Ankündigung: „In 10 Minuten sind wir schon da.“ Das „schon“ erlangte einen Heiterkeitserfolg, waren wir doch immerhin seit 9.00 Uhr unterwegs und noch keinen Meter gewandert. Doch es gab auch eine positive Überraschung am Flugplatz „Schwarze Heide“. Kaum einer von uns hatte damit gerechnet, dass das dortige Restaurant am frühen Nachmittag geöffnet war. Die Currywurst mit Pommes für 6,50 € gab Kraft für die restliche Strecke, denn ein Blick auf die Karte zeigte, dass wir gerade einmal die Hälfte der Tour bewältigt hatten. Hinter Kirchhellen machte der Weg nach Zweckel dann auch noch viele Bögen. Wir erreichten mit Mühe den Zug um 18.23 Uhr, und das nur, weil der Zugführer, als er die ersten von uns sah, noch auf die gesamte Gruppe wartete. In Mengede waren wir erst um 19.27 Uhr. Das war stundenmäßig die längste Tour und statt der auf den SGV-Schildern angegebenen 20 Kilometer zeigten unsere Streckenmessungen knapp 25 Kilometer. „Es lief zwar nicht alles glatt, aber ich habe noch nie so viel gelacht wie diesmal“ meinte Rita, die damit bewies, dass eine gelungene Wanderung immer auch ein Ausdruck der Mentalität ist.

Auch Zeit zur einer Rast muss immer sein

Es folgten zwei Wanderungen „im Schlappenbereich“, eine führte über die heimischen Halden, ein andere brachte uns auf ruhigen Wegen in die Nachbarstadt Lünen mit einem Stopp an der Schlossmühle mit einem interessanten und gleichzeitig unterhaltsamen Vortrag vom Vereinsvorsitzenden und Mühlenfreund Friedhelm Schroeter. Seit Juli 2019 haben wir uns den Ruhrhöhenweg bis zur Mündung bei Duisburg-Ruhrort vorgenommen. Die Streckenabschnitte von Freienohl bis Hohensyburg liegen hinter uns, für die Januar 2020 steht die Etappe von Syburg nach Witten auf dem Programm. Erstmalig unternahmen wir im Herbst 2019 an drei Tagen mit einem Stadtquartier in Altenahr eine mehrtägige Tour mit sternförmigen Tages-Wanderungen. Die Teilnehmer waren begeistert und fragte noch bei der Rückfahrt im Zug nach einer Wiederholung in einer anderen Gegend. Die Planungen dazu laufen bereits. Es wurde der Rheinburgenweg ins Auge gefasst.

Diethelm Textoris

Infos zu den Wanderungen:
Die Wanderungen finden, von seltenen Ausnahmen abgesehen, immer am ersten Donnertag im Monat statt. Bei jeder Wanderung werden festes Schuhwerk und eine witterungsgemäße Kleidung empfohlen. Eine gute Kondition steigert das Wandervergnügen, bei den meisten Touren ist aber auch ein vorzeitiger Ausstieg möglich. Zusätzlich wird auch immer wieder eine kürzere Etappe für Neueinsteiger angeboten. Die Veranstaltungen finden bei – fast – jedem Wetter statt und sind unabhängig von der Teilnehmerzahl. Hunde sind willkommen und sollten, ebenso wie die Menschen, gut sozialisiert sein. Die Begleiter tragen für ihre Hunde die Verantwortung. Heimatverein und Wanderführer haften nicht für Wegeunfälle oder sonstige Schäden. Gäste sind immer herzlich willkommen, inzwischen können wir bei jeder Tour bis zu fünf Gäste aus Lünen begrüßen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich, erleichtert aber die Planung bezüglich der Fahrkarten, die der Wanderführer kauft.

Billardbau in Deininghausen

Patentschrift für die Gebr. Köster vom 12. Mai 1900

Bis in die 60-er Jahre des vorigen Jahrhunderts standen in vielen Mengeder Gaststätten zur Unterhaltung der Gäste Billardtische. Auch aus diesem Grund kamen die Gebrüder Köster aus Deininghausen 1900 auf die Idee, ein Spielgerät zu konstruieren, das zum Karambolage- und Kegelspiel (Löcher verdeckt) sowie als amerikanische oder russische Version (Falllöcher freiliegend), benutzt werden konnte. Ihre Idee wurde am 12. Mai 1900 patentiert, ob ein solches Kombi- Billard aber je gebaut wurde, ist nicht bekannt. Heute steht in den wenigen noch existierenden Mengeder Gaststätten kein Billard mehr. Die letzten standen in den früheren Gaststätten Vahle, Schieferecke, dem Mengeder Hof und bis 1974 im Rabeneck und auch in unserem Heimathaus stand bis

Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Billardtisch. Vergessen sind auch die großen Erfolge der Mengeder Sportler bis Mitte der 60-er Jahre, mit Heinz Grave, mehrmaliger Deutscher Meister an der Spitze.
Nach einem Dornröschenschlaf begann 1963 eine neue Billard-Ära im später (nach einem Brand) abgerissenen „Mengeder Hof“, dessen Wirt Klaus Schrodt, der auch Jugendtrainer des TBV Mengede war, seine Nachwuchs-Kicker nach dem Training für das Billardspiel begeistern konnte. Auch Heinz Grave war wieder dabei und spielte Partien mit Rudi Irrgang, einem weiteren Großen der früheren Billardszene und Vater der weltberühmten Sprinterin und Goldmedaillengewinnerin Annegret Richter. Beide Billard-Asse gaben auch Lehrstunden, und 1963 wurde ein eigener Verein gegründet, der sich so prächtig entwickelte, dass ein zweiter Billardtisch bei „Tittmann“, wie der Mengeder Hof im Volksmund genannt wurde, angeschafft werden musste.
Nach einer Zwischenstation in der Schieferecke war jahrelang das Rabeneck die Vorzeigespielstätte des Vereins. Doch das änderte sich, als die Familie Besselmann dem Billardverein die ehemalige Hotelküche im Souterrain des Deutschen Hauses (ehemalige Gaststätte neben der Sparkasse) zur Verfügung stellte. Aufgrund der wachsenden Spielstärke des Clubs wurden die Räumlichkeiten zu eng, der Club orientierte sich neu und die freiwerdenden Räume nutzte der frisch gegründete Heimatverein Mengede, um dort seine erste Heimatstube einzurichten.

Der BSC 1963 Mengede zog in die zu einem Bürgerhaus umgebaute ehemalige Marienschule in Merklinde und fusionierte 2002 mit dem ABC Habinghorst zum ABC Merklinde 63/70. Seit fast drei Jahrzehnten ist der Club mit mehrheitlich Mengedern der stärkste deutsche Verein auf dem „Kleinen Turnier-Billard“. Auf dem „Großen Billard“ ist der ABC in der Deutschen Mehrkampfliga vertreten und in der 2. Bundesliga-Dreiband derzeit auf dem Weg, in die erste Liga aufzusteigen.

Neben den reinen Amateuren des Clubs greifen von Zeit zu Zeit europäische Billardgrößen in Merklinde zum Queue und aktuell vertritt der schwedische Weltmeister Torbjörn Blomdahl in der Marienschule die Merklinder Farben und dies ohne Entgelt. Die Atmosphäre im Club ist es, die Billardgrößen verleitet, die hervorragende Sportstätte in Merklinde zu besuchen.

Geführt wird der Verein seit fast fünf Jahrzehnten von Gerhard Haumann, der noch immer viele Leistungsträger, die einst im Rabeneck und in der ehemaligen Heimatstube das Billardspielen gelernt haben, an seiner Seite hat. Seit Jahren gehören Markus Dömer und Uwe Klein zu den Spitzenspielern in Deutschland, wobei es Dömer im November 2019 bei den deutschen Meisterschaften in Bad Wildungen gelang, Deutsche Meistertitel im Einband und Dreiband zu erringen.
Die Billardfreunde und auch der Heimatverein bedauern, dass es kein Exponat – wenn es je eins gegeben hat – der Gebrüder Köster aus Deininghausen mehr gibt. Es wäre sicherlich ein sensationelles Ausstellungsstück im Heimathaus oder der Marienschule in Merklinde.

Karlheinz Bohnmann (†)

Dieser Beitrag wurde von Karlheinz wenige Tage vor seinem Tod für dieses Heimatblatt geschrieben.

Die Stimme des Stadtbezirks ist für immer erloschen

Karlheinz (Charly)Bohnmann verstarb am 3.12.2019

Für uns plötzlich und unerwartet, ist (bo) Karlheinz Bohnmann für immer eingeschlafen. Zu Beginn des Stammtischabends erinnerte Hans-Ulrich Peuser an Karlheinz und sein Wirken für unseren Heimatverein. Sein Freund, seit der Schulzeit bis heute, Paul Reding hat für uns am Tag nach seinem Tod, am Stammtischabend im Dezember an ihn erinnert:

Karlheinz Bohnmann und Paul Reding

Du bist mit dem Fahrrad in Sturm oder Regen, bei Sonne und Schnee über Jahre von Ickern aus zur Mittelschule nach Mengede gefahren.

Unterwegs hast Du bereits ans Schreiben gedacht, nicht an Vokabeln, nicht an Zeugniszahlen, die waren Dir weniger wichtig, sondern an kleine Reportagen für die Zeitung im Nordwesten der Stadt.

Dort bist Du auch beruflich geblieben.

Mit dem schwarzen Golf, Kamera, Kugelschreiber, Papier warst Du gefragt und immer prompt da.
Deine kleine Redaktionsstube glich dem Spitzwegbild des armen Poeten. Turmhoch stapelten sich Zeitung und Buch, dazwischen das Rattern deines veralteten Schreibgeräts.

Du liehst jedem Dein Ohr, suchtest nach Gründen, nach Antwort, trugst bis gestern die Sorgen Deiner Besucher mit und legtest offen, legtest Finger in die Wunden der Stadt.

Du warst zeitlebens guter Kamerad, Du bist es bis gestern geblieben und wirst es auch weiterhin sein.

Paul Reding 

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